Skandal in Italien übertrifft alles Dagewesene
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Skandal in Italien übertrifft alles Dagewesene

Der Skandal in Italien übertrifft alle Befürchtungen. «Ich hatte nicht erwartet, dass es so schlimm ist», sagte Guido Rossi, der vor drei Wochen das Amt des Präsidenten des Landesverbands FIGC übernommen hatte.

Korrupte Schiedsrichter, illegal wettende Fussballer, Schiebereien bei Spielertransfers, Bilanzfälschungen und jetzt auch noch Aktienkurs-Manipulationen - die Staatsanwälte weiten ihre Ermittlungen rund um die Spitzenklubs Juventus Turin, AC Milan und Lazio Rom immer weiter aus.

Vor allem für Juventus zieht sich die Schlinge immer enger zu. «Für mich muss Juve in die Serie B und die letzten beiden Meistertitel aberkannt bekommen», forderte der frühere Vize-Chefermittler der FIGC, Mario Stagliano, am Donnerstag. Von Trainer Fabio Capello forderte Juventus bereits eine Zusage auch für die Serie B. Statt mit Juve durch die Provinz zu tingeln scheint der Meistertrainer aber lieber das glamouröse Real Madrid trainieren zu wollen. Inzwischen möchte der ehemalige Stürmer Roberto Baggio der Juve tatsächlich als Vizepräsident zu Hilfe eilen.

«Ich hatte gedacht, dass sich das Ganze in engeren Grenzen halte», sagte Rossi am Donnerstag, als mit dem Ligapräsidenten Adriano Galliani auch noch der letzte Mächtige des alten Systems ins Wanken geriet. «Ich klebe nicht an meinem Posten», stellte der Vizepräsident der AC Milan erstmals seinen schon oft geforderten Rücktritt in Aussicht, knüpfte ihn aber an Bedingungen: Die Liga müsse sich neue Regeln geben und einen fähigen Manager einstellen.

Im Innern brodelt es, und von aussen gerät der italienische Fussball eine Woche vor dem Start der Weltmeisterschaft in Deutschland immer mehr unter Druck. Die UEFA, bei der sich Italien ausgerechnet jetzt um die Ausrichtung der EM 2012 bewirbt, fordert eine schnelle Aufklärung der Skandale. «Wir sind in einer Notlage. Keiner will die Europacup-Wettbewerbe ohne italienische Mannschaften, aber es könnte passieren», warnte UEFA- Generalsekretär Lars-Christer Olsson.

Bis zur Auslosung am 27. und 28. Juli seien die Urteile der Sportjustiz gefällt, verspricht Rossi. FIGC-Chefermittler Borelli will seine Anklageschriften bereits in drei Wochen fertig haben. Rechtsexperten in Italien bezweifeln dies und befürchten übereilte Schnellverfahren. Regierungsvertreter planen bereits eine parlamentarische Untersuchungskommission.

(si)

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