Aktualisiert 15.05.2007 16:47

Skandalfilm nimmt rechtliche Hürde

Der umstrittene WDR-Spielfilm über den Contergan-Skandal hat eine weitere juristische Hürde genommen. Zwei Einstweilige Verfügungen des Medikamenten-Herstellers Grünenthal gegen den Film «Eine einzige Tablette» wurden aufgehoben.

Das Unternehmen und ein Rechtsanwalt versuchen seit Monaten, die Ausstrahlung des Films in seiner ursprünglichen Fassung zu verhindern. Noch ist unklar, wann und in welcher Fassung der TV-Film gezeigt werden kann.

Filmproduzenten und Kläger hatten sich am Freitag vor dem Landgericht in dem Hauptsacheverfahren nicht auf einen Vergleichsvorschlag einigen können. Am 20. Juli könnte ein Urteil fallen. Grünenthal und der Anwalt, an dessen Lebensgeschichte sich der Film orientiert, hatten zahlreiche Stellen des Drehbuchs kritisiert. Historische Tatsachen seien verdreht und Persönlichkeitsrechte verletzt worden. Mit ihren Klagen haben sie bisher die Ausstrahlung des TV-Films in seiner bisherigen Form verhindert.

Sie erwirkten im vergangenen Jahr Einstweilige Verfügungen gegen einige Szenen, die das Hamburger Landgericht im Wesentlichen bestätigte und diese Passagen damit untersagte. Der WDR sowie die Produktionsfirma Zeitsprung zogen daraufhin vor das Hamburger Oberlandesgericht. Dort wurden die Urteile weitestgehend wieder aufgehoben und damit der Weg für die Ausstrahlung des Zweiteilers geebnet.

Das OLG entschied anders als die Vorinstanz auf Basis der filmischen Fassung, in der einige der im Drehbuch vorhandenen und monierten Stellen bereits nicht mehr enthalten sind. Das Hamburger Landgericht hob mit seiner Entscheidung vom Dienstag noch Einstweilige Verfügungen auf, die sich gegen den Film selbst richteten.

Nach Meinung des Gerichts ist die Kunstfreiheit höher zu bewerten als das Persönlichkeitsrecht, teile Grünenthal am Dienstag in Aachen mit. In seinem Urteil habe die Kammer berücksichtigt, dass sich die Gegenparteien bereits verpflichtet hätten, in einem Vor- und Nachspann klarzustellen, dass die im Film handelnden Personen und ihre beruflichen und privaten Handlungen und Konflikte frei erfunden seien.

Contergan steht für den grössten Arzneimittelskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das 1957 in den Handel gekommene Schlafmittel hatte in mehreren tausend Fällen starke Missbildungen bei Neugeborenen ausgelöst.

Der Zweiteiler entstand unter der Regie von Adolf Winkelmann. Er sollte ursprünglich bereits im Herbst 2006 im Ersten Programm ausgestrahlt werden. Benjamin Sadler spielt einen Anwalt, der selbst Vater eines contergangeschädigten Kindes ist und allen Widerständen zum Trotz einen Prozess gegen das verantwortliche Pharmaunternehmen anstrengt. (dapd)

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