Jobwechsel?: Ski-Freestyle-Weltmeister Fabian Bösch geht unter die Klippenspringer

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Jobwechsel?Ski-Freestyle-Weltmeister Fabian Bösch geht unter die Klippenspringer

Normalerweise springt Fabian Bösch über grosse Schanzen auf der Skipiste. Jetzt wagt er sich an Sprünge von der Klippe. 20 Minuten hat den Ski-Star begleitet. 

von
Dominik Mani

Ski-Freestyle-Weltmeister Fabian Bösch zieht einen doppelten Auerbacher aus 22 Metern.

Darum gehts

Fabian Bösch kommt gut gelaunt aufs Boot in Sisikon. Er befindet sich momentan in der Vorbereitung auf die neue Ski-Freestyle-Saison. Nun steht eine willkommene Abwechslung auf dem Programm. Zusammen mit Klippenspringer Matthias Appenzeller übt sich der Freeski-Weltmeister im Cliff Diving. Das Ziel ist, im Vorfeld des Redbull-Cliff-Diving-Events am 10./11. September in Sisikon von der 20-Meter-Plattform zu springen. 

Als Freestyle-Skifahrer fühlt er sich in der Luft zu Hause und trotzdem hört er seinem heutigen Trainer Appenzeller genau zu. Appenzeller merkt aber schnell, dass er mit Bösch einen speziellen Schüler hat. Nicht die Frage ob, sondern wie gesprungen wird, besprechen die beiden Athleten. Nach kurzer Fahrt erreichen wir den «Peters-Dive», benannt nach Peter Rüedi, der Klippenspring-Legende. Der 78-Jährige ist auch mit von der Partie.

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Freeski-Weltmeister Fabian Bösch holt sich bei Cliff Diver Matthias Appenzeller letzte Tipps für seinen Sprung.

Freeski-Weltmeister Fabian Bösch holt sich bei Cliff Diver Matthias Appenzeller letzte Tipps für seinen Sprung.

Romina Amato / Red Bull Cliff Diving
Von 21 Meter setzt Bösch zu einem doppelten Auerbacher an. 

Von 21 Meter setzt Bösch zu einem doppelten Auerbacher an. 

Romina Amato / Red Bull Cliff Diving
«Wenn ich in meiner Zone bin, habe ich keine Angst», sagt Bösch vor seinem Sprung.

«Wenn ich in meiner Zone bin, habe ich keine Angst», sagt Bösch vor seinem Sprung.

Photo: Romina Amato / Red Bull

«Ich habe Angst»

Vom Schiff aus sehen die verschiedenen Absprungplattformen eindrücklich aus. «Das sieht schon sehr hoch aus», sagt Bösch ehrfürchtig. Man merkt dem Engelberger an, dass ihn diese Klippen beeindrucken. Um sich ein besseres Bild zu machen, gehen die beiden an Land und schauen sich das Ganze von oben an. Angekommen auf 21 Meter über dem Wasser, steht Bösch auf das kleine Plateau. «Ich habe Angst», sagt er zu Appenzeller und macht einen grossen Schritt zurück auf sicheren Boden.

Zurück auf dem Boot machen sich die beiden bereit. Die knappen Badehosen werden montiert, Appenzeller reibt sich die Beine mit Rasierschaum ein. «Für mehr Grip, das hilft beim Eintauchen», erklärt der Zürcher. Während der Dehn-und Aktivierungsübungen besprechen die beiden das weitere Vorgehen. «Wir tasten uns heran. Beginnen wir auf der Sechs-Meter-Plattform», schlägt Appenzeller vor.

Würdest du dich trauen?

Zweifacher Rückwärtssalto aus 21 Metern

Die ersten Sprünge gelingen alle, doch Appenzeller sieht vor allem beim Eintauchen ins Wasser noch Verbesserungspotential. «Du musst deine Füsse mehr strecken und die Körperspannung hochhalten», erklärt er Bösch. Nach mehreren Sprüngen von acht und zwölf Metern muss Bösch eine Pause einlegen. Er hat so kalt, dass er am ganzen Körper zittert. Appenzeller hat mitgedacht und eine dicke Winterjacke mitgenommen. Bösch ist sich die Kälte ja gewöhnt, dann trage er aber auch die passende Kleidung, meint er mit einem Augenzwinkern.

Nachdem Appenzeller und Klippenspring-Pionier Rüedi ihren Segen gegeben haben, wagt sich Bösch an die 20-Meter-Plattform. Er geht kurz in sich, konzentriert sich und macht dann einen grossen Schritt nach vorne. Kopf in den Nacken und schon ist der erste Rückwärtssalto fertig, den zweiten hängt er gleich an. So hat er genug Zeit, um sich auf die Landung vorzubereiten. Das Eintauchen klappt, Bösch taucht auf und gibt den beiden Sicherheitstauchern ein Zeichen, dass alles in Ordnung ist. Der 25-Jährige ist sichtlich erleichtert und bedankt sich bei seinem Coach.

«Das Gefühl ist geil, es hat richtig Spass gemacht», sagt Bösch nach den Sprüngen. Das Gefühl in der Luft sei beim Klippenspringen und Freestyle gleich, meint Bösch. «Wenn ich weiss, dass ich springen werde, habe ich keine Angst. Weil ich weiss, dass ich es kann. Unvorbereitet, in normaler Kleidung oben zu stehen, gab mir ein ungutes Gefühl.» Auf dem Weg zurück fachsimpeln die beiden Luftakrobaten zusammen. Der Sprungturm in Sisikon ist bereits installiert. Die beiden schauen sich das Ganze vom Boot aus an. Appenzeller gibt Bösch mit gutem Gewissen grünes Licht für den Sprung vom 22-Meter-Brett.

«Nächstes Mal springe von 27 Meter»

Kurz vor dem Red-Bull-Cliff-Diving-Event treffen wir Bösch wieder in Sisikon. Der Sprung von der 22-Meter-Plattform steht auf dem Programm. Nach dem Aufwärmen beim Peters-Dive gehts zu Fuss auf den Sprungturm. Es herrscht reges Treiben, letzte Installationen müssen gemacht werden und die Cliff Diver schauen sich das Plateau an. Bösch ist ein wenig aufgeregt, schaut immer wieder übers Geländer in die Tiefe. «Es fühlt sich an wie bei uns bei den Wettkämpfen, aber es ist schon eine andere Welt.» Nun gehts ans Eingemachte. Bösch begibt sich zusammen mit seinem Coach und «moralischer Unterstützung» Appenzeller auf die Plattform.

Dort besprechen die beiden nochmals das Vorgehen, dann stellt sich Bösch an die Kante, geht nochmals in sich und Absprung. Der doppelte Rückwärtssalto gelingt und Bösch taucht zuerst mit den Füssen voran ein und kurz später mit einem breiten Grinsen wieder auf. Die anderen Cliff Diver klatschen dem mutigen Skistar zu. Die Freude über den geglückten Sprung ist bei allen Beteiligten gross. «Es ist eine unglaubliche Erfahrung. Jetzt bin ich ein wenig angefixt. Nächstes Mal springe ich von 27 Meter», sagt Bösch sichtlich erleichtert und glücklich.

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