Wintertourismus – Ski-Gebiete wehren sich gegen Zertifikatsgebühr
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WintertourismusSki-Gebiete wehren sich gegen Zertifikatsgebühr

Gäste aus Nicht-EU-Ländern können nur gegen eine Zertifikats-Gebühr Ferien in der Schweiz machen. Das sei ein krasser Wettbewerbsnachteil, sagt der Chef der Jungfraubahnen.

von
Bettina Zanni
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Vorgesehen ist, dass Touristinnen und Touristen ab 11. Oktober eine Gebühr von 30 Franken bezahlen müssen. 

Vorgesehen ist, dass Touristinnen und Touristen ab 11. Oktober eine Gebühr von 30 Franken bezahlen müssen.

20min/Sandro Spaeth
Auf diese Weise sollen sie ihr ausländisches Zertifikat in ein Schweizer Zertifikat umwandeln.

Auf diese Weise sollen sie ihr ausländisches Zertifikat in ein Schweizer Zertifikat umwandeln.

20min/Celia Nogler
«Im Wettbewerb um Gäste ist diese Gebühr ein psychologischer Nachteil», sagt Marcus Caduff (Mitte), Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Graubünden.

«Im Wettbewerb um Gäste ist diese Gebühr ein psychologischer Nachteil», sagt Marcus Caduff (Mitte), Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Graubünden.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Touristinnen und Touristen aus Ländern ausserhalb der EU sollen 30 Franken bezahlen, um ihr Zertifikat in ein Schweizer Zertifikat umzuwandeln.

  • So wichen Gäste lieber auf Österreich oder Frankreich aus, sagt etwa der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Marcus Caduff.

  • Die Tourismusbranche arbeitet offenbar daraufhin, dass der Bundesrat die Gebühr wieder streicht.

Touristinnen und Touristen aus Übersee drohen für Ferien in der Schweiz Extrakosten. Vorgesehen ist, dass sie ab 11. Oktober eine Gebühr von 30 Franken bezahlen müssen, um ihr ausländisches Zertifikat in ein Schweizer Zertifikat umzuwandeln. Dagegen wehren sich die Tourismusgebiete.

«Im Wettbewerb um Gäste ist diese Gebühr ein psychologischer Nachteil», sagt Marcus Caduff (Mitte), Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Graubünden. Vor allem Bürger aus den USA und dem Vereinigten Königreich verbrächten in den Bündner Bergen gerne Skiferien.

«Wenn sie sich impfen liessen und damit ihren Beitrag im Kampf gegen die Pandemie leisteten, aber trotzdem zahlen müssen, weichen einige wohl lieber auf Österreich oder Frankreich aus», sagt Caduff. Seiner Meinung nach solle der Bund die Umwandlungskosten für das Zertifikat übernehmen, wie es bisher der Kanton getan habe.

«Leute wollen möglichst ohne Hürden Ferien machen»

Auch Urs Kessler, Direktor der Jungfraubahnen, ist die Gebühr ein Dorn im Auge. Der Schweizer Tourismus müsse möglichst schnell aus der Talsohle herauskommen, sagt er. «Ist die Schweiz mit dieser Gebühr von 30 Franken eine Insel, steht sie im Vergleich zu den direkten Wintersportkonkurrenten Österreich, Frankreich und Italien in einem krassen Wettbewerbsnachteil.»

Jeder zusätzliche Franken und jedes zusätzliche Formular hält laut Kessler die Touristinnen und Touristen von einer Destination ab. «Die Leute wollen möglichst ohne Hürden im Ausland Ferien machen.» Verlangten die anderen Länder keine solche Gebühr, dürfe diese auch nicht in der Schweiz eingeführt werden.

«Muss ihnen nicht zusätzliche Schikane anhängen»

Auch Vera Brawand-Küng, Vorstandsmitglied des Vereins Volkswirtschaft Berner Oberland, sagt: «Man muss den ohnehin meist geimpften Touristinnen und Touristen jetzt nicht eine zusätzliche Schikane anhängen.» Viel wichtiger sei, dass die Impfquote in der Schweiz steige. «Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger mit einem Zweitjob im Tourismus oder bei den Bergbahnen sollten sich noch impfen lassen.»

Die Tourismusbranche arbeitet offenbar daraufhin, dass der Bundesrat die Gebühr wieder streicht. Das sagt Markus Berger, Mediensprecher von Schweiz Tourismus. Zudem würden in der Branche auf verschiedenen Ebenen Überlegungen angestellt, wie man diese 30-Franken-Gebühr für die Gäste übernehmen könnte.

30 Franken spielten keine Rolle

Es gibt aber auch Schweizer Tourismusdestinationen, denen die Gebühr keine Sorgen bereitet. Buchungen aus den USA hätten bereits wieder stark zugenommen, sagt Daniel Luggen, Kurdirektor von Zermatt VS. Dass die Gebühr Amerikanerinnen und Amerikaner von Ferien in Zermatt abhalten könnten, glaubt er nicht. «Skiferien sind sowieso nie ein günstiger Spass. Ob dafür 30 Franken mehr oder weniger bezahlt werden müssen, spielt für unsere Touristinnen und Touristen keine Rolle.»

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