Hohe Erwartungen: Skicrosser wollen Dominanz beibehalten
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Hohe ErwartungenSkicrosser wollen Dominanz beibehalten

Fanny Smith und Alex Fiva dominierten den Skicross-Weltcup in der vergangenen Saison nach Belieben. Nun wollen sie die exzellente Form beibehalten und auch in Sotschi gewinnen.

Seit Tagen bereiten sich die Schweizer Cross-Spezialisten im kanadischen Resort Nakiska auf die Saison mit dem Olympia-Höhepunkt im Februar vor. In den Rocky Mountains plant die Equipe die Fortsetzung der exzellenten letzten Saison - mit einem WM-Titel von Fanny Smith und der beispiellosen Dominanz auf der Tour.

Die gleiche Flughöhe zu erreichen, dürfte schwierig sein. Die Equipe von Ralph Pfäffli setzte im vergangenen Winter imposante Weltcup-Marken. Sowohl im Männer- als im Frauen-Tableau reihten sich die Swiss-Ski-Freestyler an der Tourspitze ein - Alex Fiva und Smith waren kaum zu stoppen. Experten gehen davon aus, dass die Schubkraft der Schweizer nicht nachlässt, zumal die Seriensieger sehr innovativ trainierten und sich auch im Sommer kaum Timeouts leisteten. Längere Phasen mit gezieltem Kraftaufbau, Skitouren, Materialtests und ein Besuch im Windkanal gehörten zur umfassenden Vorbereitung.

Stillstand kann verhindert werden

Gejagte müssten speziell aufmerksam sein, betonte der ehrgeizige Chef-Stratege Pfäffli schon Anfang Herbst im Vorbereitungscamp in Saas-Fee vor dem Start zu seinem zehnten Jahr als Verantwortlicher. Die Gefahr, die erstklassige Positionierung einzubüssen, hält der Berner für relativ klein. Das Grundgerüst stehe und die neuen Ziele hätten sie bereits wenige Stunden nach dem letzten Rennen im Frühling definiert. Primär gelte, die Entwicklung weiter voranzutreiben: «Man darf keine Allüren entwickeln - weder die Athleten noch der Trainer.» Im Team stecke neben der sportlichen Klasse viel charakterliche Substanz, um einen Stillstand zu verhindern.

«Wir feilen inzwischen an den Details und sind im Fahrplan», meldet Pfäffli aus Nordamerika. «Die Bedingungen hier sind vorzüglich.» Der Nationalcoach schätzt den hohen Stellenwert, den die Kanadier der boomenden Sportart beimessen: «Hier ist Skicross zu einer wichtigen Sportart aufgestiegen.» Von einer ähnlichen medialen Beachtung können die Schweizer im Alltag nur träumen, die nationale TV-Station sendet von der FIS-Tour nur im Ausnahmefall (womöglich im nächsten März in Arosa) Livebilder.

Olympiasieger vor dem Out?

Im kommenden Februar werden die «Crosser» aber wieder ins (TV-)Zentrum rücken. An den Winterspielen ist mit Medaillen zu rechnen. Sechs haben die A-Limite zur Hälfte bereits erfüllt. In den neun Rennen vor Sotschi genügt eine einzige Top-16-Klassierung zur Bestätigung. Nur einem droht das Olympia-Out: Mike Schmid, der in Vancouver bei der Premiere Gold gewonnen hat, fehlt beim Weltcup-Auftakt erneut verletzt. Seit Jahren machen ihm gravierende Knieprobleme zu schaffen.

Schmid hatte im Oktober einen körperlichen Rückschlag zu verkraften. Weil er bei einer Schneeeinheit nach einem Sprung unvorteilhaft aufsetzte, erlitt er eine Kreuzbandzerrung im Knie. Seit seinem OS-Triumph hat der ehemalige Teamleader in bald vier Jahren nur sieben Weltcup-Rennen bestritten - drei Operationen (und Kreuzbandrisse) legten ihn nahezu lahm. Im März 2012 stand er letztmals wettkampfmässig auf den Skis.

Nun wird der 29-Jährige wohl frühstens nach dem Jahreswechsel auf die Tour zurückkehren. Die ersten fünf Chancen, die Kriterien für die Olympischen Spiele zu erfüllen, dürfte er verpassen. «Er will zurück auf den Schnee, aber Mike muss Geduld haben und noch etwas warten», rät Pfäffli dem prominenten Patienten. Die Selektionsperiode dauert bis zum 25. Januar. Spätestens in Kreischberg muss der angeschlagene Olympiasieger das Ticket lösen.

Mahlers Comeback

Etwas später starten die klassischen Freestyler zur Saison. Virginie Faivre, seit ihren goldenen Sprüngen an der WM in Voss zweifache Titelträgerin, will nach einem Zwischenhalt auf der «Dew Tour» in Copper Mountain und einem mehrwöchigen Feintuning den persönlichen Höhenflug verlängern. Als einzige Athletin kann sie sich ohne Qualifikationsdruck auf die Winterspiele in Sotschi konzentrieren - sie hat alle Vorgaben von Swiss Olympic frühzeitig erfüllt.

Im Slopestyle gibt es diverse Anwärter auf einen Startplatz in Russland - unter ihnen Kai Mahler. Der hochbegabte 18-jährige Zürcher fiel wegen eines Kreuzbandrisses monatelang aus. Inzwischen beeinträchtigt ihn die Verletzung nicht mehr. Misra Noto, sein Coach und Berater, hat sogar den Eindruck gewonnen, «dass er im Kopf stärker ist als zuvor. Er hat im letzten halben Jahr enorm hart für das Comeback gearbeitet.»

Der zweifache X-Games-Zweite, ab und an impulsiv, aber ein Flugvirtuose oberster Klasse, hat bislang vor allem auf dem Kicker Spuren hinterlassen. Im Parcours brillierte er im internationalen Vergleich noch nicht im gleichen Stil. Er selber glaubt indes an den baldigen Durchbruch: «Ich habe die Tricks, um vorne reinzufahren.» (si)

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