Fideriser Heuberge: Skigebiet günstig abzugeben
Aktualisiert

Fideriser HeubergeSkigebiet günstig abzugeben

In weitem Bogen über die eigenen Pisten heizen – in Graubünden ist das jetzt möglich. Dort steht ein komplettes Skigebiet samt Landfläche, Berghäusern und vier Skiliften zum Verkauf.

von
Olaf Kunz

Nachfolger gesucht: Die Betreiber der Fideriser Heuberge wollen den Betrieb übergeben.

«Auf 2000 Meter über Meer, umgeben von der prachtvollen Bergwelt des Mattlishorns und des Glattwangs geniessen Sie fernab von Massentourismus und Hektik die intakte Natur von Fideris.» Mit diesen Worten wird in einem Prospekt für Touristen das Wintersportgebiet Fideriser Heuberge angepriesen. Neuerdings aber nicht nur Gästen, sondern auch Investoren. Denn: Das Skigebiet steht zum Verkauf. Wer mindestens zwei Millionen auf den Tisch legt, könnte schon bald Chef über vier Skilifte, zwei Berghäuser und 290 Hektaren Grund und Boden sein. Doch von den möglichen Nachfolgern für das erfolgreiche Familienunternehmern wird noch etwas mehr erwartet.

300 Gästebetten und 80 Vollzeitstellen

«Meine Berghäuser, meine Pisten, meine Schneekanone, meine Skilifte, und dort drüben ist übrigens die längste Schlittelbahn der Schweiz - ebenfalls meine.» So oder ähnlich könnte ein pfiffiger Schweizer Freunden und Gästen schon bald seine neueste Errungenschaft vorstellen. Und das bestimmt nicht ohne Stolz. Denn bei der Fideriser Heuberge handelt es sich um ein eigenständiges Wintersportgebiet, das als eines der wenigen schweizweit komplett ohne Subventionen auskommt. Im Gegenteil: Betriebsgewinn plus Abschreibungen belaufen sich auf rund 500 000 Franken pro Wintersaison (Cashflow). Damit wirft das Unternehmen eine beachtliche Rendite ab.

Doch hinter dem Gewinn steckt harte Arbeit: «Wer denkt, er kann einfach herkommen, die Hand aufhalten und sich eine goldene Nase verdienen, der täuscht sich. Es ist harte Arbeit und man muss wirklich ein Allrounder sein», erklärt Jörg Steiner, der das operative Geschäft leitet. Das Skigebiet umfasst vier Skilifte, zwei Berghäuser mit rund 300 Betten, Personalhäuser, zwei Ställe, 13 Kilometer präparierte Pisten und weites hügeliges Gelände. Entsprechend gross ist das Aufgabenspektrum – von Skilift-Reparatur über Leerung der Kläranlage bis hin zur Pistenpräparation. Vor allem aber sind Management-Fähigkeiten gefragt: «Während der Wintersaison gibt es hier 80 Vollzeit-Arbeitsplätze.» Entsprechend gross ist die Verantwortung - und die Ansprüche an einen Nachfolger.

«Es muss nicht alles so bleiben»

Anfang Oktober hat Familie Steiner ihre Verkaufsabsichten offengelegt. Als Grund führt Steiner persönliche Überlegungen ins Feld: «Meine Eltern haben das Rentenalter bald erreicht und ich habe vor zu studieren. Deshalb suchen wir jetzt zusammen mit einem Makler einen passenden Kandidaten für die Nachfolge.» Gesagt, getan: Familie Steiner schaltet in der regionalen Presse entsprechende Inserate. Die Resonanz ist gross: «Bislang haben sich rund 20 Interessenten gemeldet. Einige davon sind wahrscheinlich einfach nur neugierig. Andere entsprechen nicht unseren Vorstellungen von einem idealen Nachfolger. Aber immerhin zehn sind doch in der engeren Wahl bisher», bilanziert Steiner die Fülle an Angeboten.

Das Aktienpaket der Familie hat einen Nennwert von zwei Millionen Franken. Letztlich entscheidet auch die Höhe des Angebots. In Medienberichten wurden bereits sechs Millionen als Schätzwert für das gesamte Skigebiet genannt. Doch der Preis alleine ist für die Nachfolgeentscheidung nicht das einzige Kriterium: «Wir wünschen uns einen Nachfolger, der die Geschäfte in unserem Sinne weiterführt. Das heisst nicht, dass alles so bleiben muss. Eigene Ideen sind gefragt. Vor allem auch der Sommertourismus sollte noch stärker erschlossen werden.»

Risikoreicher Wintertourismus

Dem derzeitigen Geschäftsführer ist auch daran gelegen, dass die 80 Vollzeitstellen möglichst erhalten bleiben. Ebenso die Selbständigkeit des Skigebiets. Was Letztere betrifft, gibt es auf absehbare Zeit allerdings wenig Alternativen. Umweltschützer kämpften bereits 1996 erfolgreich gegen eine Angliederung der Fideriser Heuberge an die Parsennbahnen. Auch ein möglicher Korridor für ein mögliches weiteres Wintersportgebiet in der Gegend wurde nach erfolgreichem Einspruch von Umweltorganisationen 2001 vom Verwaltungsgericht gestrichen. Auch mit Unterstützung der jetzigen Betreiber: «Wir wollten immer, dass das Skigebiet eigenständig bleibt. Und wir möchten gerne die Sorte Gäste, die uns jetzt besuchen, auch weiterhin behalten», erklärt Steiner.

Dennoch müssen die neuen Betreiber auch ein hohes Mass an Phantasie mitbringen. Im Wettbewerb mit grossen Skigebieten muss das Ursprüngliche des Skigebiets herausgestellt werden. Doch das allein dürfte nicht reichen. Experten gehen davon aus, dass künftig nur noch Skigebiete über 2000 Meter Höhe schneesicher sind. Es braucht also Visionen für ein Alternativ-Konzept für künftige schneearme Winter. Und Steiner räumt offen ein: «Eine Investition in das Skigebiet ist mit einem erheblichen unternehmerischen Risiko verbunden.» Dafür aber winkt die Aussicht, mit der Raupe über die eigenen Pisten zu fräsen. Allein das dürfte vielen Investoren zwei Millionen Franken wert sein.

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