Mogelpackung: Skiorte geben falsche Schneehöhen an
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MogelpackungSkiorte geben falsche Schneehöhen an

Schweizer Skigebiete operieren seit Wochen mit denselben Schneehöhen, obwohl es praktisch nie geschneit hat. Dies verärgert Gäste. Der Konsumentenschutz ist besorgt.

von
feb

Bevor es am vergangenen Wochenende ein wenig schneite, gab es in den Schweizer Alpen seit Wochen keine Niederschläge mehr. Im Gegenteil: Traumhaftes Wetter mit hohen Temperaturen liess den Schnee schmelzen. Für Gäste, die sich auf den Homepages der Skigebiete über «aktuelle» Schneehöhen informieren, ist dies jedoch nicht ersichtlich. Viele Schweizer Destinationen geben seit Monaten die genau gleichen Schneehöhen an.

Der «K-Tipp» verfolgt die Entwicklungen seit Monaten und kommt zum Schluss, dass Arosa am meisten schummelt. Seit Wochen geben die Bündner 60 Zentimeter für die Talstation und 100 Zentimeter für die Bergstation an. Dies, obwohl die Schneedecke auf 1000 Metern laut dem Schnee und Lawinenforschungsinstitut in Davos alleine in den ersten zwei Februarwochen um 60 Prozent zurückging. Auf 2000 Metern schmolz die Schneehöhe um 12 Prozent.

Arosa lässt diese Kritik nicht gelten. Roger Meier vom Marketing der Arosa Bergbahnen AG betont, dass die Gäste immer 100 Zentimeter Pistenhöhe vorgefunden hätten. Es seien Unmengen an Stunden in die Pistenpräparation investiert worden, um beste Pistenqualität zur Verfügung zu stellen.

Gleichbleibende Schneedecke trotz Tauwetter

Auch Pontresina, Silvaplana und St. Moritz melden trotz Tauwetter eine konstant gleichbleibende Schneedecke, Gstaad Mountain Rides ebenfalls. Während in Lenk laut Website die Schneemenge trotz Tauwetter nicht zurückgeht, schiessen die Touristiker in Zermatt den Vogel ab. Hier stieg die Schneehöhe im Dorf angeblich zweimal – dies, obwohl es nie schneite, wie der «K-Tipp» in seiner aktuellen Ausgabe schreibt. Und für Grindelwald scheint die Auskunft ebenfalls etwas geschönt. So lagen laut Wintersport-Informationen auf myswitzerland.com im Dorf auf 1050 Metern 10 Zentimeter Schnee. Doch eine Vorort-Begehung eines Mitarbeiters von 20 Minuten Online zeigt ein anderes Bild: «Im Dorf selber war von Schnee eigentlich nichts zu sehen.»

«Das ist Irreführung»

Für Sara Stalder, Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz, ist das Irreführung. «Seriöse und verständliche Angaben sind sehr wichtig, damit sich der Gast aus der Ferne richtig informieren kann», sagt Stalder gegenüber 20 Minuten Online. Dies auch, weil ein Skitag für Familien, aber auch für Einzelpersonen mit vielfach längeren Anfahrtswegen eine teure Sache sei.

Stalder verlangt von der Organisation Schweiz Tourismus, die sämtliche Schneehöhen der Skiorte auf seiner Website veröffentlicht, dass sie die Gebiete besser kontrolliert. Denn: Haben Schweizer Skigebiete den Stempel «teuer und falsche Angaben von Schneehöhen», gebe das ein schlechtes Image einer glaubwürdigen Kundeninformation und auch für den Wintersportplatz Schweiz ab.

Weiter fordert Stalder genauere Angaben als nur die Schneehöhe, damit sich der Gast ein richtiges Bild machen könne. «Verständliche Transparenz ist wichtig.»

Vorgaben werden nicht eingehalten

Eigentlich bestehen klare Vorgaben von Schweiz Tourismus, wie seriöse Messungen vorgenommen werden müssen. Allerdings werden sie nicht eingehalten. In St. Moritz wird die Schneehöhe geschätzt, weil es keine Messvorrichtungen gibt, in Zermatt wird die Höhe «eventuell etwas korrigiert, je nachdem wer diese im Büro aktualisiert».

Gstaad gibt laut dem «K-Tipp» mal die Schneehöhe im Dorf bei beschneiten Pisten an, mal jene bei den Skischulplätzen. Lenk misst irgendwo auf der Piste. Es wird gar zugegeben, dass man sich wohl nicht immer an die Richtlinien halte.

Schweiz Tourismus reagiert

Thomas Winkler von Schweiz Tourismus weiss von der Mogelei der Skigebiete. Er sagt, internationale Wintersportportale wollen die Höhe des Naturschnees und keine Kunstschneemessung. Wegen Reklamationen hat Schweiz Tourismus nun reagiert und eine Feedbackfunktion eingeführt. Damit können sich Gäste direkt zur Qualität der Eingaben äussern. Laut Pascal Bieri, ebenfalls von Schweiz Tourismus, nimmt die Organisation bei «massiver Kritik» direkt Kontakt auf mit der entsprechenden Winterdestination und weist sie an, ihre Angaben zu korrigieren. «Bei Nichtbeachtung behalten wir uns vor, die entsprechende aus dem Bericht zu streichen», so Bieri.

Wer sicher gehen will, fährt wohl am besten, wenn er sich über Webcams der entsprechenden Destinationen einen Eindruck verschafft. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten, da einige in Schattenhänge gerichtet sind. Laut Konsumentenschutz sollten es Kameras sein, die grossflächig längere Abschnitte von Pisten zeigen.

Mehr Hotelübernachtungen im Jahr 2010

Trotz ungünstiger Ausgangslage wegen der Frankenstärke hielt der Schweizer Tourismus der Konkurrenz 2010 stand. Die Hotelübernachtungen nahmen gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 1,7% zu, dies dank einer Steigerung der Logiernächte von Schweizer Touristen und einer erfreulichen Zunahme der Anzahl Touristen aus China, Indien und den Golfstaaten. Trotzdem werden sich die aktuellen Wechselkurse in den nächsten Monaten deutlicher auf die Entwicklung der Logiernächte niederschlagen. Zurzeit wird für 2011 mit einem Rückgang der Hotelübernachtungen um 2-3% gerechnet.

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