10 Jahre ohne Lohnerhöhung: «Sklavenähnliche Bedingungen» – eine Coiffeuse fühlt sich ausgenutzt
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10 Jahre ohne Lohnerhöhung«Sklavenähnliche Bedingungen» – eine Coiffeuse fühlt sich ausgenutzt

Gestrichene Mittagspausen, arbeiten trotz Verletzung und fast nie am Samstag frei. So kann der Arbeitsalltag von Coiffeuren und Coiffeusen aussehen.

von
Fabian Pöschl
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Coiffeure und Coiffeusen leiden unter harten Arbeitsbedingungen.

Coiffeure und Coiffeusen leiden unter harten Arbeitsbedingungen.

20min/Marco Zangger
Das sagt der Ehemann einer Ex-Gidor-Angestellten in einem Reddit-Post.

Das sagt der Ehemann einer Ex-Gidor-Angestellten in einem Reddit-Post.

imago images/Geisser
So habe es über zehn Jahre keine Lohnerhöhung gegeben.

So habe es über zehn Jahre keine Lohnerhöhung gegeben.

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Darum gehts

Geringverdienende haben oft die härtesten Arbeitsbedingungen. Das zeigt das Beispiel eines Schweizer McDonald’s-Angestellten, der auf Reddit auspackt . Ein 20-Minuten-Leser sah den Beitrag und schreibt nun ebenfalls auf Reddit, beim Coiffeur Gidor sei alles noch viel schlimmer.

Seine Frau habe dort unter «sklavenähnlichen Bedingungen» gearbeitet, behauptet er. Der Leser nennt auf Reddit und auf Anfrage mehrere Beispiele. 20 Minuten hat sie Rechtsanwalt und Arbeitsrechtsexperte Nicolas Facincani vorgelegt.

  • War über zehn Jahre im Betrieb mit 3800 Franken Monatslohn, ohne 13. und ohne Gehaltserhöhung

Das sagt Arbeitsrechtsexperte Facincani: «Für das Coiffeurgewerbe gilt ein Gesamtarbeitsvertrag. Sofern es sich um eine gelernte Coiffeuse handelt, müsste ab dem dritten Jahr ein höherer Lohn von 3850 Franken, ab dem vierten 3925 und ab dem fünften 4000 Franken bezahlt werden.»

  • Bei Verletzung aufgefordert, sich zusammenzureissen und weiterzuarbeiten

Das sagt Facincani: «Dies dürfte gegen die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers verstossen. Er ist verpflichtet, auf die Gesundheit der Mitarbeitenden Rücksicht zu nehmen und diese zu schützen.»

  • Bei wenig Make-up gabs Vorwürfe, sich nicht gehen zu lassen

Das sagt Facincani: «Arbeitgeber dürfen Weisungen erteilen, die zumutbar sind, sich auf das Notwendige beschränken und einen Zusammenhang zum Arbeitsverhältnis aufweisen. Dieses Beispiel scheint das Weisungsrecht zu überspannen. Widerrechtliche, schikanöse oder unzulässige Weisungen müssen Arbeitnehmende nicht befolgen.»

  • An zwei Tagen pro Woche war keine Mittagspause möglich

Das sagt Facincani: «Ob eine Pause notwendig ist, hängt von der Dauer des Arbeitstages ab. Bei bis zu fünfeinhalb Stunden Arbeitszeit ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, eine Pause zu gewähren. Bei fünfeinhalb bis sieben Stunden braucht es eine Pause von mindestens einer Viertelstunde, bei sieben bis neun Stunden mindestens eine halbe Stunde und bei mehr als neun Stunden mindestens eine Stunde.»

  • Jeden Samstag im Jahr mit einer Ausnahme gearbeitet

Das sagt Facincani: «Das ist zulässig. Der Samstag ist grundsätzlich ein Arbeitstag.»

Eine Sprecherin von Gidor sagt auf Anfrage, das Unternehmen halte sich vollumfänglich an die Vorschriften des Gesamtarbeitsvertrags – auch was Lohn, Pausen und Freizeit angehe. Als grösstes Coiffeur-Unternehmen der Schweiz gebe es neben vielen sehr zufriedenen Mitarbeitenden auch immer wenige Unzufriedene. In solchen Fällen suche Gidor nach Lösungen, was aber nicht immer gelinge. 

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