«Skywalk» schwebt über dem Grand Canyon
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«Skywalk» schwebt über dem Grand Canyon

Rund 1'200 Meter über dem Grand Canyon schwebt seit dieser Woche eine gläserne Aussichtsplattform: Der nur an einer Seite in den Felsen verankerte hufeisenförmige «Skywalk» soll den Besuchern spektakuläre Ausblicke in die Tiefe bieten.

Der indianische Stamm der Hualapai, auf dessen Gebiet die Touristenattraktion liegt, brachte die 30 Millionen Dollar (23 Millionen Euro) teure Plattform am Mittwoch mit schwerem Gerät an ihrem Platz.

Es sei alles völlig problemlos verlaufen, sagte Debra Wilkerson von der Tourismusagentur Grand Canyon West. «Es ist überwältigend.» Die Glaskonstruktion, die so schwer ist wie vier Flugzeuge vom Typ Boeing 757, wurde mit einem ausgeklügelten System aus Flaschenzügen und hydraulischen Hilfen an den Rand des Canyons geschafft. Dort wurde das Hufeisen mit vier Stahlträgern verschweisst, die tief im Gestein verankert sind.

Knapp 25 Meter weit ragt die Plattform über den Canyon-Rand hinaus. Sie soll Windböen von rund 160 Kilometern pro Stunde Stand halten und ist gut gedämpft, damit der erhoffte Besucheransturm sie nicht ins Schwingen bringt. Eröffnet werden soll der Touristenmagnet Ende des Monats.

Die Hualapai, ein verarmter Stamm mit noch rund 2.200 Angehörigen, erlaubten einem privaten Unternehmen den Bau der gläsernen Brücke auf ihrem Gebiet. Zur Bedingung machten sie, dass der «Skywalk» ihnen gehört und sie dem Investor David Jin einen Teil der Einnahmen zahlen. Als Eintritt wollen die Hualapai 25 Dollar (19 Euro) verlangen.

«Der Grand Canyon ist eine Attraktion, und da ein Teil des Reservats hier liegt, scheint es uns nur natürlich, die Anziehungskraft zugunsten des Stammes zu nutzen», erklärte Hualapai-Häuptling Charlie Vaugh. Nicht alle teilen jedoch seine Ansicht. «Man muss sehr vorsichtig mit dem Land umgehen», mahnte Frank Mapatis, spiritueller Führer der Hualapai. «Es ist ein lebendes Wesen, und es kann solche Dinge spüren.»

Kritik kommt auch von Umweltschützern. Die Erhabenheit des Grand Canyon leide unter diesem Eingriff, meint Kieran Suckling vom Zentrum für Biologische Vielfalt in Tucson. «Die Stammesführung macht den Grand Canyon zu einem Zoo. Das ist unglaublich.»

Der Grand Canyon zieht jährlich rund 1,2 Millionen Besucher an. Angrenzend an den Skywalk ist ein grosses Besucherzentrum geplant, das Anfang 2007 öffnen soll. Bis dahin sollen die Touristen die Aussichtsplattform über einen Tunnel erreichen.

Der Grand Canyon West liegt rund 200 Kilometer östlich von Las Vegas. Er bietet den Urlaubern bereits ein indianisches Dorf der Hualapai, einen Markt und die «Hualapai Ranch», eine Westernstadt. (dapd)

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