Schweizer Luftfahrt: Skywork will Belpmoos zum Hub ausbauen
Aktualisiert

Schweizer LuftfahrtSkywork will Belpmoos zum Hub ausbauen

Hunter-Strategie nach Berner Art: Die Berner Fluggesellschaft Skywork baut ihr Streckennetz rasant aus. Damit steigt aber auch die Gefahr einer «Bruchlandung».

von
Adrian Müller

«Belpmoos, Belpmoos, spick mi furt vo hie»: Den Hit von Patent Ochsner hat sich der deutsche Chef von Skywork Airlines, Tomislav Lang, zu Herzen genommen: Innert kürzester Zeit hat der Airline-Manager aus der Airtaxi-Firma eine aufstrebende Fluggesellschaft mit zwölf Destinationen (ab Herbst, siehe Infobox) geformt.

Damit nicht genug: «Wir planen, 2012 in Bern-Belp eine Umsteigedrehkreuzscheibe mit neuen Verbindungen von und nach Lugano einzurichten», sagt Lang zu 20 Minuten Online. Die Flotte wächst auf drei 72-plätzige «Dash 8» und zwei 31-plätzige «Dornier 328» an, die Mitarbeiterzahl von 60 auf mindestens 150. Diese Hunter-Strategie nach Berner Art ist nur dank eines potenten Financiers aus der Rolex-Familie möglich. «Wir investieren alleine Millionen ins Marketing», so der 30-jährige Jungmanager Lang. Er will mittelfristig acht Flugzeuge in Bern stationieren.

Für den Flughafen Belp ist Skywork ein Glücksfall: «Die Zahl der Fluggäste ist im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent gestiegen», freut sich Flughafen-Sprecher Daniel Steffen. Dank den steigenden Passagierzahlen konnten bislang bei der Alpar AG 15 neue Stellen geschaffen werden. Von Januar bis Mai flogen 52 000 Personen ab dem «Möösli», wie der Regionalflughafen liebevoll genannt wird. Für 2011 rechnet Steffen mit insgesamt 160 000 Fluggästen. Mittelfristig will der Flughafen jährlich 300 000 Passagiere abfertigen.

«Bruchlandung» der Berner Airlines

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass auf dem Belpmoos die euphorische Expansion einer Fluggesellschaft oftmals mit einer «Bruchlandung» endete. In den 1990er-Jahren versuchte Air Engiadina die Hauptstadt mit Destinationen in halb Europa zu verbinden. Damals erlebte der Flughafen mit 240 000 Passagieren pro Jahr seine Glanzzeiten. Nach wechselhaftem Geschäftsgang ging 2002 Swisswings, die Auffanggesellschaft von Air Engiadina, Konkurs. Kurze Zeit später versuchte die österreichische Intersky, den brachliegenden Flughafen mit Billigflügen zu beleben. Die Airline zog sich 2005 ebenfalls aus Bern zurück. Darwin Airlines flog 2005 die Strecke Lugano-Bern-London – und stellte sie ebenfalls nach kurzer Zeit wieder ein.

Warum sollte nach all diesen Fehlschlägen ausgerechnet Skywork der Durchbruch gelingen? «Dank des intensiven Marketings hat die Airline in Bern einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Zudem fliegt sie mit einer sehr hohen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit», sagt Steffen vom Flughafen Bern-Belp.

Airline-Boss Lang will etwa durch Zusatzleistungen wie iPads an Bord und Gratis-Verpflegung im harten Wettbewerb gegen knallharte Konkurrenz aus Basel, Zürich und Genf punkten. «Dank unserem Investor verfügen wir über eine starke Stütze», betont der Skywork-Chef. Laut Business-Plan solle Skywork spätestens 2014 schwarze Zahlen schreiben. Derzeit seien die Flugzeuge zu durchschnittlich 60 Prozent ausgelastet. «Am besten läuft die Linie nach London City», sagt Lang.

Der Crossair-Spirit

Hansjörg Bürgi, Aviatik-Spezialist und Chefredaktor von SkyNews.ch, beurteilt die ambitiösen Expansionspläne von SkyWork Airlines als «mutig, aber risikoreich». Bei der Fluggesellschaft werde mit viel Herzblut gearbeitet, es herrsche eine Aufbruchstimmung, so wie bei Crossair in den 1980er-Jahren. In der Fliegerei gebe es jedoch immer wieder Investoren, die zweistellige Millionenbeträge in eine Fluggesellschaft stecken. «Einige Airlines verschwinden aber nach wenigen Jahren wieder», erklärt Bürgi. Zwar sei das Potenzial in Bern für Regionalflüge durchaus vorhanden. Aber: «Im harten Konkurrenzkampf entscheidet meistens der Preis.» Die Betriebskosten pro Sitz seien bei Propellermaschinen höher als etwa bei einem Airbus von Easyjet.

Das schreckt Lang nicht ab. Im Gegenteil: Er will mit Skywork hoch hinaus. «In fünf Jahren wollen wir neben Bern und Lugano ab weiteren Destinationen fliegen», sagt der Airline-Chef. Welche er noch anvisiert, will er nicht verraten.

Dash 8 der Skywork im Anflug auf Bern-Belp

(Quelle: YouTube)

Skywork-Linienflüge

Bisher:

Barcelona, Berlin, Hamburg, London und Palma de Mallorca

Neu ab Herbst:

Mailand, Amsterdam, Rom, Budapest, Wien, Belgrad und Madrid

Neu ab 2012:

Lugano

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