Krise: Smartphone-Banken müssen um ihre Existenz zittern
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KriseSmartphone-Banken müssen um ihre Existenz zittern

Die Coronavirus-Krise trifft das Kerngeschäft der Smartphone-Banken. Womöglich müssen manche Anbieter aufgeben.

von
Raphael Knecht

Was können Smartphone-Banken?

Video: 20 Minuten

Darum gehts

  • Die Smartphone-Banken haben massiv unter der Coronavirus-Krise gelitten.
  • Je länger die Pandemie anhält, desto eher müssen einzelne Firmen das Handtuch werfen.
  • Um das zu verhindern, können sie aber auch neue oder höhere Gebühren erheben.
  • Firmen mit Verbindungen zu grossen Banken haben bessere Chancen.

Smartphone-Banken wie Revolut, N26 oder Neon sind die trendy Alternative zu den traditionellen Banken und locken die Kunden mit tiefen Gebühren und schlanken Apps. Doch die Krise ist für die neuen Firmen noch schlimmer als für die etablierte Konkurrenz: «Die Smartphone-Banken haben massiv unter der Coronavirus-Krise gelitten», sagt HSG-Ökonom Tobias Trütsch zu 20 Minuten. «Die Firmen verdienen mit Transaktionen Geld – aber wegen der Krise geben die Kunden weniger Geld aus, was zu einem Umsatzeinbruch führt.»

Besonders weh dürfte den Smartphone-Banken tun, dass Kunden weniger reisen und darum auch weniger grenzüberschreitende Transaktionen tätigen. Denn an diesen würden die Firmen mehr verdienen als bei Inlandszahlungen, so Trütsch.

«Die Anbieter sind in Bedrängnis», stellt der Experte für Smartphone-Banken fest. Die britische Firma Revolut etwa begann im April, den Angestellten anzubieten, dass sie einen Teil ihres Lohns in Form von Firmenaktien erhalten. Kurz darauf kündigte die Firma dann einen Stellenabbau an – 60 Personen sind betroffen.

Für manche Anbieter könnte die aktuelle Situation existenzielle Ängste auslösen: «Längerfristig werden wohl nicht alle überleben», so Trütsch. Die Smartphone-Banken könnten nur profitabel werden, wenn sie schnell wachsen – das heisst: riesige Mengen an Kunden gewinnen und so die Konkurrenz verdrängen.

Darum ist laut dem Ökonomen grundsätzlich damit zu rechnen, dass manche Anbieter irgendwann aufgeben müssen. Aber je länger die Krise anhält, umso mehr könnte dieser Prozess beschleunigt werden.

Smartphone-Banken

Neue oder höhere Gebühren

Die Smartphone-Banken sind allerdings nicht völlig hilflos. Trütsch von der HSG erwartet, dass die Firmen beginnen, Gebühren einzuführen oder zu erhöhen. Revolut hat damit bereits begonnen. Zwar werben viele Smartphone-Banken ausgerechnet mit gebührenfreien Transaktionen, solange die neuen Kosten aber niedriger seien als bei den etablierten Banken, dürften die Kunden bereit sein, sich damit abzufinden.

Und wie trifft die Krise die Schweizer Anbieter? Zu deren Höhepunkt habe man massive Veränderungen beim Kundenverhalten festgestellt, sagt Jörg Sandrock, CEO der Smartphone-Bank Neon, an der die TX Group, zu der auch 20 Minuten gehört, beteiligt ist. Die Zahl der Transaktionen bei Neon sei um rund 15 Prozent geschrumpft. Dafür stiegen jedoch die durchschnittlichen Zahlungsbeträge pro Transaktion.

Bei den Auslandstransaktionen habe Neon in den vergangenen Monaten rund 10 Prozent weniger Zahlungen verzeichnet, so Sandrock.

Mehr Neukunden

Der CEO ist jedoch optimistisch: «Das Transaktionsvolumen ist grösstenteils wieder auf dem Niveau von vor der Krise.» Zudem habe man in den vergangenen Monaten weiterhin ein Wachstum bei den Neukunden verzeichnet.

Vor einer Marktbereinigung fürchtet er sich nicht: «Diese Gefahr ist in der Schweiz kleiner als etwa im Vereinigten Königreich oder in Deutschland», ist Sandrock überzeugt. Grund dafür sei, dass es in den anderen Ländern teils wesentlich mehr verschiedene Anbieter im gleichen Markt gebe.

«Für reine Smartphone-Banken könnte es eng werden»

Auch Trütsch glaubt nicht, dass Anbieter wie Neon oder Zak wegen der Krise aus dem Markt verdrängt werden. Hinter deren Dienstleistungen stecke letztlich immer noch eine grosse Bank – bei Neon ist es die Hypothekarbank Lenzburg, bei Zak die Bank Cler. «Es sind eher die reinen Smartphone-Banken, für die es in der Krise eng werden könnte.»

So eine Bank ist etwa das Zürcher Unternehmen Yapeal, das im Juli – also gleich nach dem Höhepunkt der Krise – den Markteintritt wagte. Mitgründer Andy Waar sagt auf Anfrage, man könne nicht einschätzen, ob die Pandemie den Nutzerzuwachs bei Yapeal gebremst habe. «Aber seit Juli kommen täglich neue Kunden dazu – ohne dass wir gross Werbung machen.»

Gegen die ausländische Konkurrenz sieht er seine Firma zudem gewappnet, da Yapeal ein echtes Schweizer Konto anbietet – anders als etwa Revolut, wo der Zahlungsverkehr über Sammelkonten abgewickelt wird. Waar glaubt des Weiteren, dass die Krise den Smartphone-Banken generell den Vorteil verschafft hat, dass Konsumenten jetzt noch lieber bargeldlos bezahlen.

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