Aktualisiert 25.02.2015 16:11

Digitale DemenzSmartphones machen uns unfähig

Zukunftsforscher Gerd Leonhard warnt vor dem Verlust grundlegender Fähigkeiten. Schuld sei der tägliche Umgang mit dem Handy.

von
Ph. Stirnemann
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Der Basler Medienfuturist Gerd Leonhard geht davon aus, dass wir durch die zunehmende Abhängigkeit von unseren Smartphones verschiedene Fähigkeiten verlernen könnten. In einer aktuellen Mitteilung nennt er fünf mögliche Fälle von digitaler Demenz.

Der Basler Medienfuturist Gerd Leonhard geht davon aus, dass wir durch die zunehmende Abhängigkeit von unseren Smartphones verschiedene Fähigkeiten verlernen könnten. In einer aktuellen Mitteilung nennt er fünf mögliche Fälle von digitaler Demenz.

20 Minuten/Philipp Stirnemann
1. Fremdsprachen lernen
1. Fremdsprachen lernen

Künftig haben wir es nicht mehr nötig, Fremdsprachen zu lernen: «Mit der Software Skype Translate oder mit der App Say Hi können wir jetzt schon mit fremdsprachigen Menschen in unserer Muttersprache reden.»

Keystone/Gaetan Bally
«Was wir sagen, wird in Echtzeit übersetzt und kommt beim Empfänger in dessen Sprache an. Künftig können wir beispielsweise beim Daten oder im Restaurant das Handy reden lassen.»

«Was wir sagen, wird in Echtzeit übersetzt und kommt beim Empfänger in dessen Sprache an. Künftig können wir beispielsweise beim Daten oder im Restaurant das Handy reden lassen.»

Keystone/Gaetan Bally

Schöne neue Welt? Viele Entscheidungen, die wir noch vor ein paar Jahren selber treffen mussten, lagern wir heute aufs Smartphone aus. So suchen wir in einer fremden Stadt nicht mehr selbst nach einer Sehenswürdigkeit oder einem passenden Restaurant. Diese Aufgabe übernimmt das smarte Gerät in Hand- oder Hosentasche.

So praktisch das sein mag, der Baselbieter Futurist und Strategieberater Gerd Leonhard sieht im immer exzessiveren Gebrauch von mobilen Geräten und damit von Technologien nicht nur Positives. Er ist der Ansicht, dass uns Handy und Co. nicht nur entmündigen, sondern auch abhängig und digital dement machen. Das kann für Leonhard sogar im Verlust wichtiger Fähigkeiten enden (siehe Bildstrecke).

Fünf Fähigkeiten weniger

Gemäss Leonhard werden wir durch die Nutzung von Smartphones ganz verschiedene Fähigkeiten verlieren. So werden wir künftig auch mit fremdsprachigen Menschen nur noch in unserer Muttersprache kommunizieren.

Neben Einsprachigkeit droht uns auch Orientierungslosigkeit, da wir uns zunehmend auf interaktive Maps und Navis verlassen. Auf Reisen werden wir unsere Entdecker-Fähigkeit verlieren, und auch bei der Zeitungslektüre werden wir nicht mehr durch den Zufall geleitet, was die Auswahl der Artikel betrifft. Schliesslich befürchtet Leonhard sogar, dass wir wegen sprachgesteuerten Geräten die Fähigkeit zu schreiben verlieren werden.

Hoffnung auf mehr Menschlichkeit

Der Zukunftsexperte ist überzeugt, dass sich viele seiner Voraussagen bewahrheiten werden. «Die meisten dieser Entwicklungen haben bereits eingesetzt», meint der Medienfuturist. Sie seien zum Grossteil auch unvermeidbar, «da Technologie vieles so einfach, billig und auch gut macht, dass sie sich rasant verbreitet».

Verteufeln will Leonhard die Digitalisierung der Welt indes nicht. Vielmehr geht es ihm darum, dass sich der heutige Mensch Gedanken über die unbedachten Konsequenzen, etwa beim Thema Internet und Privatsphäre, macht.

Die zunehmende Technologisierung sei eine Art «Himmelhölle», also genauso positiv wie auch negativ. Wichtig sei, dass «wir das Gleichgewicht behalten oder die schlechten Seiten allenfalls noch minimieren». Leonhards Hoffnung: «Dass wir die Freiräume, die uns durch die Digitalisierung entstehen, für wirklich menschliche Dinge nutzen werden.»

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