Schweizer Leitindex: SMI-Crash zerstört Börsenwert von 236 Mrd.
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Schweizer LeitindexSMI-Crash zerstört Börsenwert von 236 Mrd.

Seit dem Rekordhoch vom 19. Februar ist die Schweizer Börse tief gestürzt: So viel Wert haben die SMI-Firmen dadurch verloren.

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rkn
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Nachdem der Schweizer Leitindex SMI am 19. Februar auf ein Allzeithoch gestiegen war, liessen die Coronavirus-Krise und nun auch der Ölpreisstreit die Kurse bis am 9. Mai purzeln.

Nachdem der Schweizer Leitindex SMI am 19. Februar auf ein Allzeithoch gestiegen war, liessen die Coronavirus-Krise und nun auch der Ölpreisstreit die Kurse bis am 9. Mai purzeln.

SwisscomKursverlust: -9,7%Buchwert: -2,9 Mrd. Franken

SwisscomKursverlust: -9,7%Buchwert: -2,9 Mrd. Franken

Keystone/Gaetan Bally
NestléKursverlust: -10,5%Buchwert: -34 Mrd. Franken

NestléKursverlust: -10,5%Buchwert: -34 Mrd. Franken

Keystone/Fabrice Coffrini

Im Februar feierte die Schweizer Börse noch Rekorde – doch bald darauf ging es rasant bergab mit dem Schweizer Leitindex SMI. Vom 19. Februar bis am 9. März büsste er 17,5 Prozent seines Werts ein. Das entspricht rund 236 Milliarden Franken.

In der Bildstrecke oben sehen Sie, wie viel Wert die Aktien der 20 im SMI gelisteten Firmen eingebüsst haben. Die Berechnungen basieren auf Kurswerten und Aktieninformationen der SIX Group. Welche Firmen traf der Börsencrash am härtesten – und wer kam relativ ungeschoren davon? Eine Übersicht:

Die grössten Verlierer

Ganz hart traf der Crash die Banken: Die Aktien der Credit Suisse verloren mit 37 Prozent weit über ein Drittel an Wert – ein Verlust von 13 Milliarden Franken an Börsenwert. Bei der UBS waren es mit -31,5 Prozent fast 16 Milliarden Franken. Die Erträge der Banken hängen besonders stark an den Kapitalmärkten, wie Matthias Geissbühler, Anlagechef bei Raiffeisen Schweiz, erklärt: «In solchen volatilen Phasen werden zudem etwa neue Börsengänge und Fusionen abgesagt – damit fällt in dieser Zeit eine wichtige Einnahmequelle im Investmentbanking weg.» Philipp Lienhardt, Leiter Aktien-Research bei Julius Bär, fügt hinzu: «Der Ölpreisstreit hat die Angst entfacht, dass Ölförderungsunternehmen in Konkurs gehen könnten und die Banken deshalb Kredite abschreiben müssen.»

Auch Versicherungen wie Swiss Re, Swiss Life und Zurich mussten grosse Verluste hinnehmen. Die Versicherungen investieren einen grossen Teil der Prämiengelder, die sie einnehmen. «Müssen sie dieses Geld wie im Moment in einer Achterbahn anlegen, können hier empfindliche Einbussen entstehen», so Lienhardt.

Das Mittelfeld

Luxusmarken wie Swatch (-22 Prozent) und Richemont (-18 Prozent) mussten ebenfalls Verluste hinnehmen. Diese Branche ist zwar weniger vom Zoff der Erdölproduzenten betroffen. «Aber wenn plötzlich viel weniger Leute reisen oder beschliessen, keine Geschenke zu kaufen, weil sie Angst vor einer Rezession haben, dann wird es für Richemont und Swatch auch unangenehm», erklärt Lienhardt. Dass die Kursverluste nicht so extrem sind wie etwa bei den Banken liegt laut Geissbühler daran, dass diese Titel schon im Vorfeld angeschlagen waren: «Die Luxusgüterindustrie liegt vor allem in Hongkong und China seit Monaten am Boden – da nimmt der Druck für weitere Kurskorrekturen ab.»

Ebenfalls im Mittelfeld befindet sich die Pharmaindustrie: Bei Novartis resultiert ein Minus von 20,6 Prozent, bei Roche sind es 14,9 Prozent. Die beiden Firmen fielen laut Geissbühler vor allem der jüngsten Verkaufswelle zum Opfer: «Viele Anleger verkaufen mit Index-Fonds alle SMI-Aktien – da wird nicht mehr gross differenziert.» Man gehe auch nicht davon aus, dass die Firmen von einem Coronavirus-Heilmittel profitieren könnten – Novartis und Roche würden nicht gross daran forschen.

Die Standhaften

Eher glimpflich kamen Swisscom (-9,7 Prozent) und Nestlé (-10,5 Prozent) davon. Die Swisscom ist der einzige Titel, der weniger als 10 Prozent im Minus war. Diese sogenannten defensiven Aktien seien weniger konjunktursensitiv, erklärt Geissbühler: «Die Leute gehen vielleicht weniger ins Kino, aber essen und trinken muss man immer.» Auch die Telecom-Angebote würden in so einer Krisenzeit wohl eher mehr genutzt.

Hoffnung auf Erholung an der Börse

Am Dienstag hat sich der SMI wieder etwas vom Crash erholt. Er startete mit einem leichten Plus in den Tag, schloss dann aber mit 9196 Punkten und einem Minus von 0,01 Prozent ab. Auch die US-Börse startete mit einem leichten Plus in den Tag. Matthias Geissbühler von der Raiffeisenbank geht davon aus, dass sich der SMI zwischen 9000 und 9200 Punkten stabilisieren wird. Er rate seinen Kunden, wegen der Buchverluste nicht die Anlagestrategie über den Haufen zu werfen. Denn die Verluste würden nur realisiert, wenn man seine Anteile verkauft. Und man dürfe die Dividende nicht vergessen – sie sei immer ein gutes Argument, Aktien zu halten.

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