Das Ende einer Legende: SMS löst «Rotes Telefon» ab
Aktualisiert

Das Ende einer LegendeSMS löst «Rotes Telefon» ab

Kremlchef Dmitri Medwedew und US- Präsident Barack Obama wollen die Weltpolitik künftig per SMS und E- Mail gestalten.

Der «Heisse Draht» oder das «Rote Telefon» zwischen Washington und Moskau wurde 1963 in Betrieb genommen. Auslöser waren die Erfahrungen aus der Kubakrise 1962. Nun hat es ausgedient. «Es dauert zu lange, bis Mitteilungen zwischen Moskau und Washington ausgedruckt und uns von Mitarbeitern gebracht werden», sagte Medwedew.

Die Anregung für die elektronische Luftpost über den Grossen Teich sei von Obama gekommen, meldete die Staatsagentur Ria Nowosti am Mittwoch. Medwedew kündigte bei einer Diskussion am Rande des Atom-Gipfels in Washington zudem an, künftig Neues aus dem Kreml zu twittern. Man suche aber noch nach einem Weg, den Kurzmeldungsdienst vor Hackern zu sichern, sagte er.

Erster Einsatz des Roten Telefons

Nach der Installation 1963 wurde die Verbindung mit der Sowjetunion die ersten vier Jahre nicht verwendet. Robert McNamara, damaliger Verteidigungsminister der USA, beschrieb den ersten Einsatz des roten Telefons in seinen Erinnerungen: Wenige Stunden nach Ausbruch des Sechstagekrieges erhielt er am 5. Juni 1967 gegen acht Uhr morgens Ortszeit im Pentagon einen Anruf des diensthabenden Generals.

Dieser teilte dem erstaunten Verteidigungsminister mit, dass der sowjetische Ministerpräsident Kossygin Präsident Lyndon B. Johnson zu sprechen wünsche. McNamara wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die Leitungen des Fernschreibers unter seinem Büro endeten. Nachdem er den Präsidenten geweckt und informiert hatte, wurde die Verbindung für die Dauer des Krieges mehrfach verwendet.

(sda)

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