Aktualisiert 11.12.2017 18:37

Elektronische MedienSnapchat und Instagram überholen Facebook

Erstmals sind Instagram und Snapchat bei den 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz beliebter als Facebook. Warum?

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dp
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Snapchat und Instagram haben Facebook deutlich überholt. Das zeigt die repräsentative Studie des IGEM-digiMonitor 2017.

Snapchat und Instagram haben Facebook deutlich überholt. Das zeigt die repräsentative Studie des IGEM-digiMonitor 2017.

epa/Sascha Steinbach
Mehr als die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen nutzt täglich Snapchat oder Instagram. Im Bild: Insta-Star Pamela Reif beim Selfieschiessen.

Mehr als die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen nutzt täglich Snapchat oder Instagram. Im Bild: Insta-Star Pamela Reif beim Selfieschiessen.

Z1036/_hendrik Schmidt
Facebook hat bei den 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz massiv verloren. Der Senkrechtstarter heisst Pinterest. Die Plattform punktet vor allem bei Frauen.

Facebook hat bei den 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz massiv verloren. Der Senkrechtstarter heisst Pinterest. Die Plattform punktet vor allem bei Frauen.

«I never read. I just look at pictures.» Zumindest der zweite Teil dieses Zitats des legendären US-Künstlers Andy Warhol beschreibt den Zeitgeist der jungen Generation. Snapchat und Instagram haben Facebook deutlich überholt. Das zeigt die repräsentative Studie des IGEM-digiMonitor 2017 (siehe Box).

Zwei Drittel der Jungen nutzen mindestens gelegentlich Snapchat und Instagram. Mehr als die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen nutzt täglich Snapchat oder Instagram – wobei Instagram allerdings bei den 15- bis 24-Jährigen langsam den Zenit erreicht haben dürfte.

Derweil hat Facebook laut der Studie bei den 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz massiv verloren. Haben 2016 noch knapp 70 Prozent der Jungen mindestens gelegentlich Facebook genutzt, sind dies nur ein Jahr später bloss mehr 55 Prozent. Facebook ist in der Romandie deutlich beliebter als in der Deutschschweiz.

IGEM-digiMONITOR 2017

(Video: 20 Minuten/Serano Brazerol)

Selfie-Kultur und Innovation

Social-Media-Experte Jürg Kobel sieht verschiedene Gründe für diese Entwicklung, die sich schon seit einigen Jahren abzeichnet:

• Die Jungen können auf Insta und Snapchat die Selfie-Kultur viel besser zelebrieren. Im Fokus stehen Fotos und Videos und das Sammeln von Likes.

• Auf Facebook werden auch mal politische oder wirtschaftliche Themen diskutiert, die ganz junge Nutzer weniger interessieren als Erwachsene. Insta und Snapchat dagegen sind «Wohlfühl- oder Gute-Laune-Zonen». Die Fotos kann man zwar kommentieren, das Bild spielt aber die weit grössere Rolle als der Text.

• Auf Facebook tummeln sich inzwischen auch Eltern, Tanten und Grosseltern. Mit Snapchat haben die Jungen eine Plattform, auf der sie unter sich sind und die die Älteren nicht verstehen.

• Facebook hat sich wenig erneuert. Snapchat dagegen punktet mit spielerischen Filtern und mit der Vergänglichkeitsfunktion. Beiträge verschwinden innerhalb von 24 Stunden. Diese Funktion bietet Facebook mittlerweile zwar auch an, Snapchat war aber der Erfinder dieser Funktionen und somit zu Beginn einzigartig.

• Auf Facebook erscheint viel Werbung, was die jungen Nutzer abschreckt. Davon bleiben sie auf Insta und Snapchat weitgehend verschont.

Was bedeutet diese Entwicklung für Facebook? «Auch die Jungen werden älter und landen dann vielleicht auf Facebook», sagt Kobel. Zudem lanciere Facebook verschiedene Tools, um die Jungen zurückzuholen oder zu gewinnen. So hat Facebook kürzlich eine kindgerechte Version seines Messengers veröffentlicht. Mit welchem Erfolg bleibe abzuwarten.

Weiter zeigt die Studie:

Überflieger Pinterest

Pinterest verzeichnet in praktisch allen Bevölkerungsgruppen eine Verdoppelung der Nutzung. Was ins Auge sticht: Die Plattform spricht Frauen deutlich mehr an als Männer. Ausserdem ist Pinterest in der Romandie deutlich beliebter als in der Deutschschweiz. Dafür wird Youtube in der französischen Schweiz viel weniger genutzt.

Smartphone

Das Smartphone ist das am intensivsten genutzte elektronische Gerät. Knapp drei Viertel der Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren nutzen täglich ein internetfähiges Handy. Mit 98 Prozent sind praktisch alle Jungen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren täglich am Smartphone. Nur 2 Prozent der 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz sind nicht über Whatsapp erreichbar. Stationäre Computer und Tablets verlieren an Bedeutung. Nur das TV-Gerät und das Radio-Gerät erreichen insgesamt noch mehr Personen als das Smartphone.

Beliebtes TV-Gerät

Fernsehen und Radio bleiben attraktiv: Zwei Drittel der Bevölkerung schauen täglich fern oder hören Radio. Dabei bleibt das TV-Gerät Favorit fürs Fernsehen – in allen Altersgruppen. 82 Prozent der Personen, die über mehrere Geräte fernsehen, bevorzugen dazu ein klassisches TV-Gerät.

Spotify und Netflix

Die Hälfte der Jungen nutzt Dienste wie Spotify, und knapp 40 Prozent schauen mindestens gelegentlich Netflix. In der Gesamtbevölkerung hören lediglich 10 Prozent täglich via Musikstreaming. Dabei ist das Musikstreaming vor allem in der Romandie überdurchschnittlich beliebt. Die Nutzung von Netflix dagegen hängt nur vom Alter ab: je jünger, desto eher Netflix.

Virtual-Reality-Brille

Knapp jeder Fünfte hat schon mal eine Virtual-Reality-Brille ausprobiert. Die Höchstwerte für Virtual Reality werden bei jüngeren Männern in der Deutschschweiz erzielt (40 Prozent).

Smartwatch

Nur jeder Zwanzigste trägt in der Schweiz eine Smartwatch.

Internet-Werbung und Adblocker

Werbung im Internet stösst auf Ablehnung. Um diese auszublenden, werden Adblocker installiert. 2017 haben ein Fünftel der Gesamtbevölkerung und knapp ein Drittel der Jungen mindestens auf einem Gerät eine solche Software installiert, vor allem junge Deutschschweizer Männer (50 Prozent).

Die Studie

Der IGEM-digiMonitor wurde von der Interessengemeinschaft elektronische Medien IGEM zusammen mit der AG für Werbemedienforschung WEMF entwickelt. Er wird seit 2014 jährlich vom Link Institut in Luzern erhoben. 1757 Personen ab 15 Jahren haben 2017 an der Telefonbefragung teilgenommen, davon 1015 in der Deutschschweiz und 742 in der Romandie. Es wurden auch Personen ohne Festnetzanschluss befragt.

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