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Sniper: «Ich bin unschuldig!»

Ein Jahr nach dem Heckenschützen-Fall von Washington hat einer der mutmasslichen Täter seine Unschuld beteuert.

«Ich hatte mit diesen Verbrechen nichts zu tun», sagte der Angeklagte John Allen Muhammad. Zum Auftakt der Verhandlung am Montag gab Bezirksrichter LeRoy Millette einem Antrag Muhammads statt, sich vor Gericht selbst zu vertreten. Dem 42-Jährigen wird vorgeworfen, zusammen mit seinem 18-jährigen Begleiter Lee Boyd Malvo im Oktober vergangenen Jahres zehn Menschen erschossen und drei weitere verletzt haben.

In seiner 20-minütigen Eröffnungsrede vor Gericht sagte Muhammad weiter nichts über die Schüsse. Er forderte lediglich die Geschworenen auf, sich auf die Fakten zu konzentrieren. Es war das erste Mal, dass Muhammad sich zu den Verbrechen äusserte.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Malvo habe im Verhör mehrmals seine Beteiligung gestanden, während Muhammad geschwiegen habe. Im Fall eines Schuldspruchs droht Muhammad die Todesstrafe. Es war nicht klar, warum er kurz vor Prozessbeginn seine Anwälte entliess. Erst in der vergangenen Woche hatte er dem Richter gesagt, er sei mit ihrer Arbeit zufrieden.

Am Montag wurde auch Malvo kurz vor Gericht vorgeführt, damit ihn eine Zeugin identifizieren konnte. Die Bankangestellte sagte aus, sie habe Malvo und Muhammad vor ihrer Bank in Manassas gesehen, kurz bevor vor einer Tankstelle ein Mann erschossen worden sei. Muhammad befragte auch einen Major der britischen Streitkräfte, der als Experte für Scharfschützen aussagte. Muhammad betonte, die gefundenen Gegenstände wie Funkgeräte, Ohrstöpsel und Strassenkarten könnten auch für harmlose Zwecke eingesetzt werden.

Die Verhandlung gegen ihn war nach Virginia verlegt worden, weil die Verteidigung in der Nähe der Hauptstadt Washington nicht die Voraussetzungen für ein faires Verfahren gegeben sah. Zahlreiche Bewohner waren dort von den Heckenschützen in Angst und Schrecken versetzt worden.

Gegen Malvo wird getrennt verhandelt, sein Prozess soll am 10. November in Chesapeake in Virginia beginnen. Ihm droht ebenfalls die Todesstrafe. Malvo berief sich auf sein Recht, sich im Fall von Muhammad nicht selbst belasten zu müssen. (dapd)

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