Snowboard WM in Arosa - Ausländische Stars
Aktualisiert

Snowboard WM in Arosa - Ausländische Stars

In Arosa fahren rund 400 Athleten um WM-Medaillen, unter ihnen auch Vertreter atypischer Snowboard-Nationen wie Costa Rica, Uruguay, Chile oder Südafrika.

Das Hauptaugenmerk richtet sich jedoch auf Spitzenfahrer wie Sigi Grabner, Matevz Petek oder Antti Autti.

Der letzte Mohikaner

Wenn für einen noch aktiven FIS-Snowboarder das Prädikat «legendär» verwendet werden darf, dann für Sigi Grabner. Der auf einem Kärntner Bauernhof auf 1650 m.ü.M aufgewachsene, bald 32-jährige Österreicher gehörte schon während den wilden Zeiten der ISF sowohl in den Ranglisten als auch an der Partyfront zur absoluten Spitze. Zwischenzeitlich befand sich Grabner (getreu dem Titel seines Buchs) «zwischen den Welten». Immerhin schaffte der FIS-WM-Zweite von 2003 im Parallelslalom als einer der ersten Alpinfahrer den Spagat zwischen den zwei ehemals rivalisierten Verbänden ISF und FIS.

Der langjährige Weggefährte von Ueli Kestenholz, der zwar nie als Exzentriker auftrat, das Rampenlicht aber gleichwohl nicht scheut(e), hat sich in Österreichs stark vom Ski geprägter Sportwelt längst einen festen Namen geschaffen. Seine Weltoffenheit und die witzigen, aber nie grossmauligen Sprüche haben Grabner zu einem begehrten Gesprächspartner gemacht. Abseits der Rennpisten sucht der Kärntner die Ruhe; er hat sich vor längerer Zeit im beschaulichen Kleinstaat Andorra installiert.

Seit etwas mehr als zwei Jahren ist Grabner gewissermassen sein eigener Chef. Im Gegensatz zum Gros der Weltcup-Alpinfahrer benützt der Olympia-Dritte von Turin und Parallelslalom-Weltmeister von 2003 kein Brett des Glarner Herstellers Kessler, sondern ein Gerät seiner eigenen Marke. Mit der Weltcup-Dritten Marion Kreiner und anderen bildet Grabner das «SG Pro Team», das mit Snowboards unterwegs ist, die in Villach nach Ideen und Entwicklungen des bekanntesten «Brettlers» Österreichs hergestellt werden.

Der ewige Zweite

Als Zweiter des Weltcup-Klassements im Big Air ist Matevz Petek nach Arosa gereist. Damit findet sich der im Dezember 23 Jahre alt gewordene Slowene in jener Rolle wieder, die er ungern, in der Vergangenheit aber immer wieder inne hatte. An der WM 2005 in Whistler (Ka) stand der überragende Antti Autti auf dem Podest eine Stufe höher als Petek, und in den letzten Wettkämpfen der Jahre 2005 und 2006 vergab er den durchaus möglichen Gesamtsieg in der Big-Air-Wertung.

In der Saison 2006/07 soll alles anders werden. Mit dem vierten Erfolg auf Weltcup-Stufe in Stockholm legte der zweifache Gewinner der Europacup-Wertung (2003/2005) die Basis für einen erfolgreichen Winter. Für die WM in Arosa ist die Devise des Students aus der Handball-Hochburg Celje klar: «Ich will Weltmeister werden.»

Der Lebemann aus der Samichlaus-Stadt

Der Stern des (wie die meisten finnischen Snowboarder) lebensfrohen Antti Autti ging 2005 in Nordamerika auf. Mit dem Sieg an den prestigeträchtigen X-Games in Aspen, wo er als erster Europäer in der Superpipe triumphierte, schuf sich der Mitte März 22 Jahre alt werdende Freestyler auch ausserhalb von Nordeuropa einen Namen. Seinen Durchbruch hatte Autti zwei Wochen vor den X-Games mit den beiden WM-Titeln in der Halfpipe und dem Big-Air-Kicker in Whistler eingeleitet.

Im Gegensatz zu den Japanern, deren wilde Rotationen zuweilen eher an Kunstturnen denn an Snowboarden erinnern, setzt(e) Autti stets auf die Kombination von schwierigen Tricks u n d Körperdrehungen. Mit dem Sieg in Aspen, wo er im Finallauf zwei «1080s» (drei Rotationen) in Serie stand, setzte der aus der «Samichlaus-Stadt» Rovaniemi stammende Autti weltweit neue Massstäbe.

Die Erfolge trugen dem Bruder eines Freeskiers und Neffen eines ehemaligen finnischen Fussball-Internationalen auch Meriten auf nicht-sportlicher Ebene ein. Nach der Bekanntgabe des finnischen Olympia-Aufgebots für Turin erhielt Autti in der Nähe von Rovaniemi ein Stück Land, auf dem er dereinst ein Haus errichten will. Zudem trafen sich am Präsidenten-Ball im Dezember 2005 zwei verschiedene Generationen. Hier Autti, der harte Rockmusik hörende Snowboarder, der sich auch ein Leben als Barkeeper vorstellen könnte, dort Finnlands erste, ein bisschen feministisch angehauchte Staatspräsidentin Tarja Halonen.

(si)

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