Aktualisiert 10.10.2016 14:23

Joseph Gordon-Levitt«Snowden würde gern nach Hause kommen»

Held oder Verräter? Wir haben mit Joseph Gordon-Levitt über Edward Snowden und Oliver Stones Biopic gesprochen.

von
C. Steiner

Viele sehen Snowden als Verräter. Hatten Sie Angst vor negativen Konsequenzen?

Manche Leute haben mich zur Vorsicht gemahnt, dass es mir finanziell schaden könnte, eine so polarisierende Figur zu spielen. Vielleicht haben sie damit sogar Recht.

Ist Ihnen Geld nicht wichtig?

Ich habe das Glück, dass ich meine Entscheidung nicht von Geld abhängig machen muss. Ich spielte sehr jung in einer erfolgreichen TV-Serie mit. Ich kann deshalb Projekte aussuchen, die mich inspirieren. Und diese Geschichte tut das.

Viele Leute interessieren sich nicht wirklich für das Thema Massenüberwachung. Kann der Film daran etwas ändern?

Ja. Bevor ich die Rolle annnahm, habe ich auch nicht aufgepasst. Ich hatte den Namen Edward Snowden zwar gehört, aber ich habe mich nicht damit auseinandergesetzt.

Was blieb bei der Recherche hängen?

Viele Leute sagen, es macht ihnen nichts, dass die Regierung sie ausspioniert, weil sie ja nichts zu verbergen hätten. Das sagen ja auch Politiker: «Wenn du nichts zu verstecken hast, musst du keine Angst haben.» Was mir Sorgen macht, ist, dass genau diesen Satz schon die Nazis predigten.

Autsch.

Ich sage damit ja nicht, dass die USA gleich sind wie die Nazi-Partei, aber das Grundmuster ist dasselbe: eine Regierung, die mehr Macht will. Und dazu werden oft Argumente bedient, die Angst machen. Solche Muster haben sich in der Geschichte immer wiederholt, und wir müssen sie erkennen.

Sie verschwinden völlig in der Figur Edward Snowden. Wie haben Sie das geschafft?

Danke, das ist das netteste Kompliment, das man einem Schauspieler machen kann. Ich habe ihn einfach studiert. Bei einer fiktiven Figur muss man viele Details erfinden, hier waren sie da. Ich habe ihm zugesehen, wie er Interviews gab oder Reden hielt. Es existieren auch Dokus. Seine Stimme habe ich mir immer und immer wieder angehört.

Und sein Inneres?

Ich musste versuchen zu verstehen, warum er das tat. Seine Geschichte ist faszinierend, und vieles an ihm würde man nicht erwarten. Zum Beispiel, dass er 2004 zur US-Army ging, als der Irakkrieg auf dem Höhepunkt war. Die meisten Leute würden nicht denken, dass derselbe Mann, der die NSA-Sachen aufgedeckt hat, sein Leben für das amerikanische Volk riskierte.

Sie haben Snowden auch besucht. Wie lebt er denn in Moskau?

Ich war nicht bei ihm zuhause, ich traf ihn in einem Büro. Wir sassen vier Stunden zusammen, seine Freundin war auch dabei. Er würde einfach gerne nach Hause kommen. Aber ich denke, er kümmert sich weniger um sein Leben als darum, dass wir jetzt hier sitzen und ein Gespräch über Massenüberwachung und die Zukunft des Internets führen.

Ist es einfach, sein Vertrauen zu gewinnen?

Er war sicher vorsichtig, aber er ist auch sehr leidenschaftlich. Als ich ihn kennen lernte, hatte Regisseur Oliver Stone ihn schon einige Male getroffen. Ich glaube, es ist ihm etwas peinlich, dass es einen Film über ihn gibt. Aber er ist glücklich, dass Leute nach diesem Film aus dem Kino kommen und über das Thema reden werden.

Green Carpet «Snowden»

Auf dem Green Carpet des ZFF gaben sich die Stars des Films sowie Regisseur Oliver Stone die Klinke in die Hand.

«Snowden» läuft jetzt im Kino.

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