Aktualisiert 27.10.2009 09:07

Snus-Debatte«Snus könnte Raucher-Risiken vermindern»

Die Zigarettenhersteller propagieren den Mundtabak Snus als weniger risikoreiche Art des Tabakkonsums. «Wir setzen uns für einen politischen Entscheid ein», sagt Ralf Wittenberg, Geschäftsführer von British American Tobacco im Interview mit 20 Minuten Online.

von
Lukas Mäder

Rauchverbote sind auf dem Vormarsch und Sie setzen sich nun dafür ein, dass der Mundtabak Snus zugelassen wird. Wollen Sie so auf die Rauchverbote reagieren?

Ralf Wittenberg: Diese zeitliche Übereinstimmung ist Zufall. Snus ist für uns interessant, weil in Schweden, wo der Mundtabak herkommt, jeder zweite Tabakkonsument nicht Zigaretten raucht, sondern den Mundtabak Snus konsumiert. Das Land hat die tiefste Lungenkrebsrate in der gesamten EU.

Dafür ist Mundkrebs häufiger.

Der Mundtabak wird in den USA und in Schweden unterschiedlich hergestellt. Das schwedische Snus wird pasteurisiert, was die krebserregenden Stoffe vermindert. Unabhängige Studien aus Schweden bestätigen, dass der Konsum von Snus nicht mit einem erhöhten Risiko von oralen Krebserkrankungen assoziiert werden kann.

Sie wollen also eine gesunde Form des Tabakkonsums einführen?

Es ist nur im Vergleich zum Rauchen eine weniger risikoreiche Konsumart. Leider ist es in der EU und in der Schweiz verboten, Snus zu verkaufen. Immerhin ist in der Schweiz der Konsum erlaubt. Angesichts der Faktenlage, wie wir sie aus Schweden kennen, begrüssen wir, dass es zu einer öffentlichen Diskussion kommt.

Diese Diskussion kommt nicht zufällig. Sie betreiben eine aktive Politik. In Deutschland schaltet BAT gar Inserate, die für eine Zulassung werben.

Wir setzen uns dafür ein, dass politische Entscheide auf Basis der Faktenlage getroffen werden. Und diese ist in Schweden relativ eindeutig. Wir wollen Snus thematisieren, weil es das richtige Mittel ist, um die Risiken des Rauchens zu verringern. Demnächst kommt ein politischer Vorstoss, der diskutiert wird. Dann sehen wir, ob der politische Wille für eine Zulassung da ist.

Was macht Sie so optimistisch, dass das Produkt in der Schweiz zugelassen wird?

Der Optimismus ist verhalten. Wir glauben, dass die Zulassung von Snus richtig ist, und möchten eine faktenbasierte Diskussion ermöglichen. Ob der politische Wille da ist und wie lange eine Zulassung dauert, ist eine andere Frage. Wir rechnen mit einer Zulassung frühestens in fünf bis zehn Jahren.

Und dass das Produkt bei den Schweizern Anklang finden würde?

Wir lernen jetzt in Testmärkten wie Südafrika, wo ich Snus eingeführt habe, wie man so ein Produkt an den Konsumenten bringt. Wir wollen herausfinden, wie wir Raucher, die Snus nicht kennen, dazu bringen, zu einem solchen Produkt zu wechseln.

Die Zigarettenraucher werden immer stärker durch Rauchverbote eingeschränkt. Spüren Sie das bei den Verkaufszahlen?

Natürlich. Es gibt eine starke Verlagerung des Konsums von der Öffentlichkeit zum privaten Raum. Der Gesamtkonsum von Zigaretten geht stetig um 2 bis 4 Prozent jährlich zurück. In diesem Jahr sind wir mit der Einführung der Rauchverbote eher bei 4 bis 5 Prozent.

Wie reagieren Sie auf sinkende Verkaufzahlen?

Für uns besteht genügend Raum, um wachsen zu können, ohne dass wir dafür einen neuen Raucher gewinnen müssen. BAT hat in der Schweiz einen Marktanteil von 40 Prozent. Bei den übrigen 60 Prozent können wir den Konkurrenten Raucher abwerben. Wir wollen erwachsene Raucher davon überzeugen, unsere Marken zu wählen anstatt die der Konkurrenten. Das funktioniert gut. Unser Marktanteil in der Schweiz wächst, und wir werden hoffentlich bald Marktführerin.

Die Lungenliga sammelt Unterschriften für die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen». Werden Sie gegen die Initiative ankämpfen?

Wir beteiligen uns als privatwirtschaftliches Unternehmen grundsätzlich nicht an politischen Kampagnen. Sicherlich haben wir Positionen in diesen Fragen. Diese kommunizieren wir aber meistens über den Verband Swiss Cigarette.

Warum engagieren Sie sich nicht?

Die Zigarette ist ein Produkt, das der Staat regulieren muss. Wir passen uns den Vorgaben an. BAT ist für eine sinnvolle Regulierung, die umsetzbar ist. Bei den Fumoirs wollen wir beispielsweise Bestimmungen zu Ventilation, Lüftung und ähnlichem, die Industrie und Gastronomie anwenden können.

Unterstützen Sie Gastronomiebetriebe beim teuren Einbau von Fumoirs?

Es gibt eine starke Erwartungshaltung, dass die Zigarettenindustrie die Probleme lösen soll, mit denen sich die Gastronomie konfrontiert sieht. Das ist für uns relativ schwierig, da in der Schweiz 35 000 Gastronomiebetriebe bestehen, von denen 23 000 auch Zigaretten verkaufen. Weder BAT als Einzelunternehmen noch die Zigarettenindustrie können dieses Problem alleine lösen. Aber es ist logisch, dass uns Wirte anfragen.

Was antworten Sie ihnen?

Wir geben auf jeden Fall unser Know-how weiter. Wir haben weltweit Erfahrung, wie man im Bereich Ventilation und Lüftung effektive und günstige Lösungen schaffen kann. Bei einzelnen Betrieben mit Top-Verträgen sponsern wir auch einmal ein Fumoir. Das ist aber die Ausnahme, weil es sehr teuer ist.

Ralf Wittenberg ist seit Januar 2009 Geschäftsführer von British

American Tobacco Switzerland. Der 44-Jährige studierte Betriebswirtschaft an der Universität Paderborn und der Illinois State University. 1992 stieg er als Management Trainee bei einer deutschen Werbeagentur ins Berufsleben ein. 1995 wechselte Wittenberg zu British American Tobacco (BAT). Dort hatte er verschiedene leitende Funktionen im Bereich Marketing inne. In Südafrika war er für die Einführung von Snus verantwortlich. Vor seinem Wechsel zu BAT Switzerland war Wittenberg als Regional Head of Marketing Africa & Middle East tätig.

British American Tobacco (BAT) ist mit einem Marktanteil von gut 40 Prozent der zweitgrösste Zigarettenhersteller in der Schweiz. Die Firma mit Sitz in Lausanne beschäftigt in der Schweiz 770 Mitarbeiter. Davon arbeiten 520 Personen am Produktionsstandort Boncourt (JU) und 130 Mitarbeiter bei BAT Vending. Diese 100-prozentige Tochterfirma betreibt in der Schweiz 8500 Zigarettenautomaten.

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