Aktualisiert 20.06.2019 05:41

Weltwährung LibraSo ändert das Facebook-Geld deinen Alltag

Kaffee bezahlen, Geld wechseln oder Kredit aufnehmen: Der Libra hat das Zeug zur Weltwährung. So dürfte die Zukunft mit dem Facebook-Geld aussehen.

von
Isabel Strassheim

Die Schweiz als Heimat der Weltwährung: So erklärt Facebook die Organisation des Libra. (Video: Facebook)

Facebook will eine Weltwährung schaffen. Anfang 2020 soll sie an den Start gehen. Wie das Leben mit Libra statt Franken konkret aussehen dürfte, skizziert 20 Minuten schon jetzt.

Zahlen beim Einkaufen

Die Preise im Café oder Supermarkt sind zwar noch in Franken angeschrieben, aber geht es nach Facebook-Chef Mark Zuckerberg, zahlen wir künftig in Libra. Und das geht dann so: Wir zücken an der Kasse das Smartphone und öffnen die digitale Wallet namens Calibra (eine Facebook-Tochterfirma). Die Verkäuferin wickelt dann per QR-Code-Scan die Bezahlung in Sekundenschnelle ab. Wovon wir nichts merken: Der Umtausch von Franken in Libra, denn der Betrag an der Kasse ist ja in Franken ausgewiesen, aber die Calibra-Wallet lautet auf Libra. Facebook geht es nicht nur ums bargeldlose Bezahlen, sondern auch ums Bezahlen mit seiner Kunstwährung Libra. Und das geht überall auf der Welt.

Geldwechseln

Wo immer auf der Welt Facebook-Fans zahlen, sie tun das nur in Libra. Die elektronische Wallet reist mit. Wichtig ist nur, dass das Smartphone auch im Ausland Internetzugang hat. Was Facebook verspricht, ist eine stabile Weltwährung. Denn die Rechnungseinheit Libra ist mit einem Korb aus unterschiedlichen nationalen Währungen wie Dollar, Euro oder Franken sowie auch kurzfristigen Staatsanleihen und anderen Vermögensanlagen hinterlegt. Die nationalen Währungen sollen beim Bezahlen mit Libra selbst zwar keine Rolle mehr spielen, sie werden jedoch noch als Absicherung genutzt.

Geld überweisen

Facebook Messenger oder Whatsapp sind das «Internet des Geldes» (so Facebook): App aufrufen, Betrag eintippen, ein paar Worte oder Emoticons dazu und zwischen den Nutzern fliesst Geld hin und her. Ein Bankkonto braucht es weder beim Absender noch beim Empfänger, und es ist auch egal, in welchem Land beide leben. Laut Facebook sollen hohe Gebühren entfallen. In Staaten mit stark schwankenden oder schwachen Währungen kann das Ausweichen auf Libra-Überweisungen eine wichtige Alternative sein, denn der Wechselkurseffekt wird abgemildert.

Kredit aufnehmen

Facebook will nicht nur den Geldtransfer bieten, sondern auch «günstiges Kapital». So hat es Mark Zuckerberg im aktuellen Whitepaper angekündigt. Die Details dazu sind nicht bekannt. Vorstellbar wäre: Statt mit Zinsen könnte der Kredit mit Daten bezahlt werden. Nicht ausgeschlossen, dass ich fürs Borgen von 1000 Libra für drei Monate Facebook die Daten zu meinen Libra-Transfers der letzten drei Monate zur Nutzung preisgeben muss.

Sparen

Sparzinsen gibt es nicht, denn Facebook ist keine Bank. Aber wer in Libra spart, muss sich nicht unbedingt Sorgen machen, dass die Inflation das Ersparte wegfrisst. Was bleibt, ist allerdings wie bei Banken auch das Gegenparteirisiko: Im Fall der Pleite von Facebook oder eines Crashs des Libra-Systems ist das Geld weg.

Der Haken

Nicht nur Taschendiebe können ans Handy gelangen, sondern vor allem auch Hacker ans digitale Geld. Beim Libra geht es aber nicht nur um Hackerangriffe, sondern um die prinzipielle Frage, wer Zugriff hat auf unsere Daten. Facebook selbst will die Geldtransaktionen von den Social-Media-Anwendungen trennen und hat nach eigenen Angaben keinen Zugriff auf diese Daten. Fest steht jedoch: Diese Informationen sind wertvoll.

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