Keine Partys, viele Weltpremieren: So anders wird das Zurich Film Festival wegen Corona
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Keine Partys, viele WeltpremierenSo anders wird das Zurich Film Festival wegen Corona

In zwei Wochen startet das ZFF – mit Stars und Publikum, aber strengen Regeln. Die Organisatoren sagen, was im Pandemiejahr alles anders ist. Und warum die diesjährige Ausgabe auch seine Vorzüge hat.

von
Katja Fischer
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Bilder wie dieses von der Ankunft von Schauspielerin Zendaya 2019 wird es beim diesjährigen ZFF nicht geben. 

Bilder wie dieses von der Ankunft von Schauspielerin Zendaya 2019 wird es beim diesjährigen ZFF nicht geben.

Foto: Keystone
Premiere im schwierigen Corona-Jahr: Der neue Festival-Direktor Christian Jungen spricht von einem «Kraftakt». Sein Team gehe «seit Monaten die Extrameile, um das Filmfest zu ermöglichen».

Premiere im schwierigen Corona-Jahr: Der neue Festival-Direktor Christian Jungen spricht von einem «Kraftakt». Sein Team gehe «seit Monaten die Extrameile, um das Filmfest zu ermöglichen».

Gabriel Hill/ZFF
Zwar wird es auch bei der Ausgabe 2020 Fanzonen geben. Zugang bekommen aber nur wenige – und nur nach erfolgter Anmeldung. 

Zwar wird es auch bei der Ausgabe 2020 Fanzonen geben. Zugang bekommen aber nur wenige – und nur nach erfolgter Anmeldung.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Vom 24. September bis 4. Oktober findet das Zurich Film Festival 2020 statt.
  • Wegen der Corona-Pandemie gibt es zahlreiche Schutzvorkehrungen und Neuerungen.
  • Im Kinosaal herrscht Maskenpflicht, für die Fanzone muss man sich registrieren.
  • Eine virtuelle Ausgabe sei nicht infrage gekommen, sagt der neue Direktor.
  • Aufgrund der aktuellen Situation gibt es doppelt so viele Weltpremieren als 2019.

Ende Februar gab es den letzten grossen Filmevent vor Corona: Die Berlinale konnte gerade noch kurz vor dem Lockdown abgehalten werden. Dann mussten die Festivals weltweit umdisponieren und gingen hauptsächlich virtuell über die Leinwand. Ohne Preisverleihungen, Star-Ansammlungen und Fan-Massen.

Venedig war das erste Filmfestival, das Anfang September wieder den roten Teppich ausrollte und regulär stattfand. Wenn auch mit strengen Sicherheitsvorkehrungen und viel weniger prominenten Gästen als üblich. Aber: Es funktionierte.

«Die Organisation war ein Kraftakt»

In zwei Wochen legt nun Zürich mit dem ZFF nach. Entsprechend laufen die Vorbereitungen seit Wochen und Monaten auf Hochtouren. Die Organisation sei ein «Kraftakt», sagt Christian Jungen (47), der neue künstlerische Leiter des Festivals, zu 20 Minuten. «Unser Team geht seit Monaten die Extrameile, um das Filmfest zu ermöglichen.»

Schon das Programm stellte die Organisatoren vor grosse Herausforderungen. Weil die Filmemacher selbst lange an kein Comeback im Herbst glaubten, hätten sie lange keine grossen Filme sehen können. In den letzten Wochen vor Programmschluss seien nun aber noch «viele frische Herbsttitel» hinzugekommen, die man als Welt- oder Europapremiere zeigen könne, freut sich der Chef, der am Donnerstag das Programm offiziell präsentieren wird.

Kurzfristig nochmals über die Bücher

Auch Elke Mayer (39), Geschäftsführerin der Spoundation Motion Picture AG, die das ZFF-Schutzkonzept entwickelt hat, spricht von einem «Kraftakt in einer neuen Liga». Sie sei oft gefragt worden, warum sie sich das überhaupt antun würden – und «ich würde lügen, wenn ich behaupten täte, dass ich mir diese Frage nie gestellt habe».

Aufgeben sei aber keine Option gewesen. Und auch wenn die Konzepte, Abläufe und Vorkehrungen wegen der neuen Regelungen des Kantons Zürich per Ende August noch einmal kurzfristig überarbeitet werden mussten: Jetzt steht das Schutzkonzept für das Festival, wir fassen die wichtigsten Massnahmen und Neuerungen zusammen.

Die Stargäste

Auch 2020 reisen die Filmstars nach Zürich. Direktor Christian Jungen verspricht «mehrere Topstars», noch werden die Namen aber nicht verraten. Das Gute: «Sie freuen sich darauf, endlich wieder einmal einen Film einem richtigen Publikum präsentieren zu können», weiss der Festival-Chef.

Stars aus den USA werden jedoch– qurantänebedingt – mehrheitlich fehlen. Für Gäste, die weniger als fünf Tage im Land bleiben, gibt es Ausnahmebewilligungen, damit sie nicht in Quarantäne müssen – sofern ihr Covid-19-Test negativ ausfällt.

Der grüne Teppich

An Bilder von Stars mit Abendgarderobe und Masken werden wir uns noch gewöhnen müssen. Am ZFF dürften die Promis aber zumindest fürs obligate Carpet-Foto ihre Gesichter zeigen: Auf dem grünen Teppich gibt es keine Maskenpflicht. «Es gelten aber die gängigen Sicherheitsregeln wie Abstand halten oder keine Hände schütteln», sagt die Schutzkonzeptzuständige Mayer.

Für die Journalisten und Fotografen gilt dagegen eine Maskentragepflicht. Im Pressebereich ist ausserdem zwingend eine Akkreditierung notwendig, um das Contact-Tracing zu gewährleisten. Und: Mit Bodenmarkierungen und Abtrennungen sollen die Abstände eingehalten werden.

Die Fanzone

Einen Fanbereich gibt es auch diesmal. Anders als in den Vorjahren ist er aber nicht öffentlich zugänglich am Teppich, und die Personenanzahl ist beschränkt. «Im Vorfeld ist eine Registrierung notwendig, teils werden wir die Plätze auch verlosen», sagt Elke Mayer. Zudem gelte eine Maskenpflicht, weil der notwendige Abstand hier nicht immer eingehalten werden könne.

Bei Stargästen wird die Fanzone um den Carpet herum weiträumig abgesperrt, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Hierzu sei man mit den Behörden im Austausch. «Wir müssen allen Fans, die keinen Platz in der Fanzone ergattern konnten, von einem Besuch am grünen Teppich abraten», sagt Mayer und verweist auf die Kinovorstellung oder das ZFF Masters, um sein Idol zu sehen.

Auf Autogramme oder Selfies werden die Fans weitestgehend verzichten müssen. Das liege aber nicht in der Hand des ZFF. «Das ist die Entscheidung vom Gast», sagt Mayer.

Die Filmvorstellungen

Ab Betreten des Kinogebäudes gilt eine Maskentragepflicht – auch auf dem Sitzplatz während der Vorstellung. «Allerdings muss man betonen, dass Kinos dank guter Lüftung ohnehin relativ sicher sind», sagt Festival-Chef Christian Jungen. «Eine deutsche Studie zeigt sogar, dass Kinos sicherer sind als Büros.»

Der Kinosaal wird denn auch nicht voll sein: Neben jeder Buchungsgruppe wird ein Platz frei bleiben, auf Plexiglasabtrennungen wie aktuell zum Beispiel bei der Herbstsession im Bundeshaus, wird verzichtet. Dementsprechend tiefer werden die Zuschauerzahlen 2020 ausfallen: «Wenn wir ein Drittel der Zuschauerzahl vom letzten Jahr erreichen, sind wir zufrieden», so Jungen.

Die Afterpartys

Nach den Filmvorführungen noch mit einem Cüpli oder Bier auf den Abend anstossen liegt in diesem Jahr nicht drin: Die Afterpartys sind komplett gestrichen.

Viel Lust auf viele Weltpremieren

Trotz den den zahlreichen Massnahmen und Einschränkungen glauben die Macher fest an die diesjährige Durchführung. Das hätten sie auch immer getan – selbst während des Lockdown, wie der neue Festival-Chef betont. Eine virtuelle Ausgabe sei «nicht infrage» gekommen. «Das ZFF lebt von Emotionen und Live-Gästen.»

Die Organisatoren setzen auf die Filmfans nach einer langen Durststrecke. «Die Leute erwachen langsam aus der Lethargie und lassen die Beerdigungsstimmung hinter sich», sagt der Festival-Direktor. «Sie haben wieder Lust, mit anderen gemeinsam etwas zu erleben. Das spielt uns in die Karten.»

Ebenfalls schön: Gerade weil das ZFF in diesem Jahr als eines der wenigen als rein physisches Festival stattfindet, gibt es zahlreiche Filme als Weltpremieren. Konkret seien es «doppelt so viele wie noch 2019», freut sich Jungen. «Weil sich viele Filmemacher darauf freuen, endlich wieder einmal einen Film einem realen Publikum zu präsentieren.»

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