«Pink Panther»-Insiderin: So arbeiten die Meisterdiebe

Aktualisiert

«Pink Panther»-InsiderinSo arbeiten die Meisterdiebe

Die Juwelenräuber-Bande Pink Panthers ist legendär. «Pinks»-Kennerin Milena Miletic über ihren Verhaltenskodex, die minutiöse Planung der Coups und die Gangster-Kinder.

von
D. Pomper/S. Heusser

Frau Miletic, im Mai sind zwei Mitglieder der serbischen Juwelenräuber-Bande Pink Panthers aus Schweizer Gefängnissen geflohen. Sind die PP auf Tour durch die Schweiz, um ihre Kollegen zu befreien?

Milena Miletic:Nein, so arbeiten diese Gruppen nicht. Es gibt keine tiefen Freundschaften zwischen «Pinks». Milan Poparics Flucht aus dem Gefängnis von Orbe, bei dem seine Helfer mit Kalashnikovs auf Wärter schossen, erinnert an die Flucht von Dragan Mikic, einem der aufsehenerregendsten Mitglieder der «Pinks», aus dem Gefängnis in Lyon. Diese war allerdings besser organisiert, sehr schnell, weniger aggressiv, mit nur zwei Pistolenmännern, die auf das Gefängnisdach sprangen. Deswegen gingen einige Medien davon aus, dass Mikic und die Pink Panthers ehemalige Berufssoldaten sind, was aber nicht stimmt. Die PP sind ein ziemlich loses Netzwerk von Dieben.

Wohin könnten sie geflüchtet sein?

Die PP haben viele sichere Orte, auch in EU-Ländern. Schauen Sie sich nur den Fall von Radovan Jelushic an, einem der bekanntesten PP – er lebte jahrelang unbehelligt in Marbella, Spanien, und bereiste ohne Probleme die ganze Welt.

Wie sind die PP organisiert – gibt es einen Big Boss?

Nein, jeder Job wird von einer anderen Gruppe gemacht. Ist ein Ziel ausgewählt, analysieren diejenigen, die den Raub organisieren, geduldig und im Detail die Sicherheitsvorkehrungen des Objekts, dann wählen sie die Leute aus, die fähig sind, den Job zu machen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

In einem Fall planten sie zwei Strategien. Die erste war, mit einem sehr kleinen Einbrecher zu arbeiten, der sich in einer Box hätte verstecken können, die ins Haus des Juwelenbesitzers hätte gebracht werden sollen. Obwohl es einige gute Einbrecher auf der Welt gibt, suchten sie monatelang nach einem geeigneten. Die andere Strategie war, ein Mädchen zu finden, das den Sohn des Hausbesitzers verführen sollte. Auf diesem Weg wurde der Job dann letztlich erledigt.

Die PP gelten als erfolgreichste Juwelendiebe der Welt. Was macht sie so speziell?

Die akribisch genaue Planung der Raubüberfälle, die extrem schnell, simpel und ohne Opfer ausgeführt werden. Würden Sie, wenn Sie planten, ein Geschäft auszurauben, die Parkbänke gegenüber streichen – nur um sicherzugehen, dass niemand per Zufall dort sitzt und verletzt wird, falls während des Raubs etwas schief geht? Solche Details zeigen, dass hinter den einfachsten Überfällen ein monatelanger Planungsprozess steckt. Zudem: Viele können einen spektakulären Raub machen, aber die wenigsten haben eine Ahnung, was sie mit dem Diebesgut anstellen sollen. Ich fürchte, das ist das grösste Geheimnis der Pinks und wir werden Jahre warten müssen, um mehr darüber zu erfahren.

Juwelenraub in Cannes

Was weiss man bis heute?

Die Diamanten werden nachgeschnitten, üblicherweise in Werkstätten in Diamanten-Zentren. Vor Jahren war der wichtigste Platz für diesen Teil des Juwelenraubs Antwerpen. Aber laut Informationen von Dieben, Polizei und Anwälten wird der Mittlere Osten dafür immer wichtiger. Nach dem Schleifen gehen die Diamanten in den Schwarzmarkt oder in den regulären Markt. In beiden Fällen sind sehr reiche Käufer die Kunden.

Frauen sollen bei den PP eine wichtige Rolle spielen. Welche Bedeutung haben sie?

Hübsche Frauen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und werden im ersten Augenblick nicht als Kriminelle wahrgenommen. Das ist Psychologie. In der Vergangenheit wurden sie oft als Köder oder zur Ablenkung eingesetzt. Doch einige machen auch Auskundschaftungen oder Überwachungen, arbeiten als Mittelsfrauen, wenige organisierten gar Überfälle. Dorothy May Fasola wird verdächtigt, bei einem Raub in Tokyo 2004 eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Bei dem Coup wurde die berühmte Halskette «Comtesse of Vendome» entwendet, die über 20 Millionen Dollar wert ist.

Gibt es einen Verhaltenskodex unter den PP?

Keine Toten, Disziplin und – falls man der Polizei in die Hände fällt – niemanden verpfeifen. Das sind die wichtigsten Regeln. Aber es gibt keinen speziellen Kodex. Zudem findet gerade ein Generationenwechsel statt. Viele der ursprünglichen PPs haben sich zur Ruhe gesetzt. Es kommen immer mehr Diebe aus anderen europäischen Ländern, beispielsweise Frankreich, Belgien, Spanien, England, Rumänien oder den skandinavischen Ländern, dazu. Diese neuen Leute haben eine ganz andere Einstellung, ein Menschenleben zählt viel weniger. So wurde bei einem Raubüberfall in Cannes im letzten Jahr der Ladenbesitzer getötet.

US-Medien bezeichneten die PP als «Gentlemen Gangster», weil sie einer Frau während eines Raubüberfalles auf die Füsse halfen. Sind sie wirklich Gentlemen?

Viele von ihnen schon, ja. Einige von ihnen sind liebevolle Eltern, die darauf achten, dass ihre Kinder gute Schüler sind und später studieren und der Welt der PP fernbleiben. Ich traf Leute, die internationale Banken nicht ausstehen können wegen all der Dinge, die sie den gewöhnlichen Leuten antun. Manche von ihnen riskieren bei einem Raubüberfall etwas, um danach ein normales Leben führen zu können.

Stimmt es, dass das serbische Volk stolz auf die PP ist?

Bei dieser Frage muss ich lachen. Tatsächlich findet sich in der westlichen Berichterstattung mehr Respekt für die Pink Panthers als hier bei uns. Die Aktionen der PP verlangen Herz, Mut und ein intelligentes Vorgehen. Über alles gesehen habe ich deshalb einen gewissen Respekt vor ihnen. Aber die meisten von uns mögen sie nicht, weil wir wissen, dass es echte Kriminelle sind. Viele fürchten, dass sie eine Bedrohung für das ohnehin schon beschädigte Image von Serbien sind.

Dank filmreifen Befreiungsaktionen sind seit Mai in der Schweiz zwei Mitglieder der berüchtigten Juwelenräuber-Bande ausgebrochen. Beide sind noch immer auf freiem Fuss. Einer war am Millionen-Juwelenraub im März 2012 in Luzern beteiligt. Der zweite heisst Milan Poparic und wurde wegen einem Überfall auf ein Juweliergeschäft 2009 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Ermittler gehen davon aus, dass die Pink Panther bislang 500 Einbrüche verübt haben – von London über den Nahen Osten bis nach Tokio. Die Pink Panther gehören zur meistgesuchten Gruppe der Welt und soll schätzungsweise 200 Mitglieder umfassen. Die Beute soll laut Interpol einen Wert von mehr als 300 Millionen Euro haben. Seit 2007 wurden 50 Personen in Europa verhaftet. Zu ihrem Namen kamen die Pink Panther nach einem ihrer grössten Copus in London im Jahr 2003. Zwei Wochen nach dem Raub wurden die Diebe geschnappt. Dabei entdeckte ein Polizist einen 600'000 Euro teuren Diamantring, versteckt in einer Cremedose, sowie im Film «Der rosarote Panther» aus dem Jahr 1963, idem Inspektor Clousou an der Nase herumgeführt wird.

Dank filmreifen Befreiungsaktionen sind seit Mai in der Schweiz zwei Mitglieder der berüchtigten Juwelenräuber-Bande ausgebrochen. Beide sind noch immer auf freiem Fuss. Einer war am Millionen-Juwelenraub im März 2012 in Luzern beteiligt. Der zweite heisst Milan Poparic und wurde wegen einem Überfall auf ein Juweliergeschäft 2009 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Ermittler gehen davon aus, dass die Pink Panther bislang 500 Einbrüche verübt haben – von London über den Nahen Osten bis nach Tokio. Die Pink Panther gehören zur meistgesuchten Gruppe der Welt und soll schätzungsweise 200 Mitglieder umfassen. Die Beute soll laut Interpol einen Wert von mehr als 300 Millionen Euro haben. Seit 2007 wurden 50 Personen in Europa verhaftet. Zu ihrem Namen kamen die Pink Panther nach einem ihrer grössten Copus in London im Jahr 2003. Zwei Wochen nach dem Raub wurden die Diebe geschnappt. Dabei entdeckte ein Polizist einen 600'000 Euro teuren Diamantring, versteckt in einer Cremedose, sowie im Film «Der rosarote Panther» aus dem Jahr 1963, idem Inspektor Clousou an der Nase herumgeführt wird.

Dank filmreifen Befreiungsaktionen sind seit Mai in der Schweiz zwei Mitglieder der berüchtigten Juwelenräuber-Bande ausgebrochen. Beide sind noch immer auf freiem Fuss. Einer war am Millionen-Juwelenraub im März 2012 in Luzern beteiligt. Der zweite heisst Milan Poparic und wurde wegen einem Überfall auf ein Juweliergeschäft 2009 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Ermittler gehen davon aus, dass die Pink Panther bislang 500 Einbrüche verübt haben – von London über den Nahen Osten bis nach Tokio. Die Pink Panther gehören zur meistgesuchten Gruppe der Welt und soll schätzungsweise 200 Mitglieder umfassen. Die Beute soll laut Interpol einen Wert von mehr als 300 Millionen Euro haben. Seit 2007 wurden 50 Personen in Europa verhaftet. Zu ihrem Namen kamen die Pink Panther nach einem ihrer grössten Copus in London im Jahr 2003. Zwei Wochen nach dem Raub wurden die Diebe geschnappt. Dabei entdeckte ein Polizist einen 600'000 Euro teuren Diamantring, versteckt in einer Cremedose, sowie im Film «Der rosarote Panther» aus dem Jahr 1963, idem Inspektor Clousou an der Nase herumgeführt wird.

Die investigative Journalistin arbeitete für das serbische Polit-Wochenmagazin NIN. Sie hat seit mehreren Jahren im Fall «Pink Panther» recherchiert und soll als lokale Produzentin die Interviews mit Mitgliedern für den Dokumentarfilm «Meisterdiebe im Diamantenfieber» vermittelt haben.

Die investigative Journalistin arbeitete für das serbische Polit-Wochenmagazin NIN. Sie hat seit mehreren Jahren im Fall «Pink Panther» recherchiert und soll als lokale Produzentin die Interviews mit Mitgliedern für den Dokumentarfilm «Meisterdiebe im Diamantenfieber» vermittelt haben.

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