Einsatz in der Antarktis: So bahnen sich Eisbrecher ihren Weg
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Einsatz in der AntarktisSo bahnen sich Eisbrecher ihren Weg

Zwei Eisbrecher versuchten erfolglos, ein Forschungsschiff in der Antarktis zu befreien – einer fror selber fest. Wie konnte das passieren?

von
lmm

Zwei Wochen lang steckte das russische Forschungsschiff Akademik Shokalskiy in der Antarktis fest. Der zur Rettung herbeigeeilte chinesische Eisbrecher Snow Dragon war plötzlich ebenso im Eis gefangen, und sein australisches Pendant Aurora Australis musste einen Rettungsversuch abbrechen.

Die USA hatten bereits ihren 122 Meter langen Eisbrecher Polar Star geschickt, um die beiden Schiffe loszueisen. Mittlerweile konnten sie sich aber aus eigener Kraft befreien.

Zu dickes Eis

Doch wie konnte es passieren, dass nicht nur ein Forschungsschiff, sondern auch ein Eisbrecher in der Antarktis stecken blieb? Ein Reporter der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, der sich auf der Snow Dragon befindet, berichtete, dass über Nacht ein 1 Kilometer langer Eisberg aufgetaucht sei und die Route blockiert habe. Davor konnte der Eisbrecher nicht zur Akademik Shokalskiy vordringen, weil das Eis mit drei Metern Dicke zu stark gewesen sei.

Denn wenn das Eis zu dick ist, können auch Eisbrecher nicht mehr viel ausrichten. Die Aurora Australis beispielsweise kann bis zu 1,2 Meter dicke Eisschichten mit einer Geschwindigkeit von etwa 5 km/h durchbrechen. Wenn sie zurücksetzt und das Eis rammt, kommt sie auch durch dickere Schichten. Das Schwergewicht Polar Star dagegen bricht bis zu 6,5 Meter dickes Eis.

«Badewanne mit grossem Motor»

Eisbrecher bahnen sich ihren Weg durch das Eis nicht wie ein Messer durch Butter. Stattdessen schieben sie ihre abgerundeten Buge über das Eis und brechen es mit dem Gewicht des Schiffes. Das so abgebrochene Eis wird über oder unter das Eis nebenan geschoben, damit eine offene Fahrrinne zurückbleibt. Der australische Antarktis-Spezialist Greg Mortimer sagte dem «Guardian», das Design sei grundsätzlich «wie eine Badewanne mit einem grossen Motor».

Dieser Motor muss ziemlich stark sein: Atomgetriebene Eisbrecher aus Russland leisten bis zu 75'000 PS. Eisbrecher sind generell sehr breit, um eine Fahrrinne zu erzeugen, die lange offen bleibt. Der Teil des Schiffs, der dem Eis ausgesetzt ist, muss besonders stark sein – die Wände sind bis zu doppelt so dick wie bei normalen Schiffen.

Unbeständiges Wetter

Ein grosses Problem ist das unbeständige Wetter in der Antarktis. Die starken Winde und die Strömung können die Eismassen sehr schnell verschieben und so um ein Schiff herum auftürmen, dass nichts mehr geht – wie es der Akademik Shokalskiy passierte, die innert eines Tages 20 Kilometer Eis mit drei Meter Dicke um sich hatte. Wenn der Wind hingegen aus der richtigen Richtung weht, kann es schnell gehen; so konnte die Snow Dragon dank günstigen Westwindes wieder in freies Gewässer fahren.

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