Antikörper-Cocktail und Asthma-Spray - So behandeln Ärzte junge Covid-Patienten
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Antikörper-Cocktail und Asthma-SpraySo behandeln Ärzte junge Covid-Patienten

Auch unter 65-Jährige können schwer an Corona erkranken. Das BAG verzeichnet mehr Hospitalisationen. Neue Therapien machen Hoffnung.

von
Pascal Michel
Bettina Zanni
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Das Infektionsgeschehen verlagert sich zunehmend auf die ungeimpfte Bevölkerung.

Das Infektionsgeschehen verlagert sich zunehmend auf die ungeimpfte Bevölkerung.

@François Melillo
So nehmen auch die Hospitalisationen jüngerer Personen zu.

So nehmen auch die Hospitalisationen jüngerer Personen zu.

AFP
In Luzern starb im März eine 19-jährige Risikoperson an Covid-19.

In Luzern starb im März eine 19-jährige Risikoperson an Covid-19.

20M

Darum gehts

  • Das BAG stellt fest, dass zunehmend jüngere Personen hospitalisiert werden.

  • Dies dürfte mit der ansteckenderen britischen Mutante sowie den Impfungen zu tun haben.

  • Ärzte hoffen nun auf neue vielversprechende Therapien.

  • Sie raten aber weiterhin, sich an die Schutzmassnahmen zu halten.

Die «Heatmap» des Bundesamts für Gesundheit zeigt: Derzeit stecken sich vor allem die Altersgruppen zwischen 20 und 60 Jahren mit dem Coronavirus an. Auch hospitalisiert werden zunehmend nicht nur mehr ältere Risikopersonen. Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenbewältigung, zeigte sich jüngst am Point de Presse besorgt: «Es ist eine Verschiebung zur mobilen, jüngeren Bevölkerung. Ein Teil davon könnte auf die britische Variante zurückzuführen sein.»

Für Aufsehen sorgte daneben eine 19-jährige Person aus Luzern, die im März an Covid-19 verstorben war. Laut Angaben der Behörden gehörte sie der Risikogruppe an. Experten rechnen mit den Lockerungen vom April, dass sich das Infektionsgeschehen weiter auf die junge, mobile Bevölkerung ausbreiten wird. Damit steigt auch das Risiko, dass jüngere Personen im Spital landen.

Wie diese dort behandelt werden, erklärt Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich: Sie erhalten die selben Therapien wie ältere Patienten. Am Unispital kämen primär drei Medikamente zum Einsatz. «Patienten, die wegen Covid an einer Lungenentzündung leiden, behandeln wir mit Dexamethason», sagt Günthard. Das Mittel senke die Sterblichkeit sowohl bei hospitalisierten Patienten als auch bei Intensivpatienten.

Antikörper-Cocktail befeuert Hoffnungen

Der antivirale Wirkstoff Remdesivir hingegen wirke nur bei Patienten, die noch nicht intubiert seien. Neu dazugekommen ist laut dem Infektiologen das Medikament Tocilizumab. «Dieses zeigt aber nur einen positiven Effekt, wenn Patienten bereits Dexamethason verabreicht werden musste und sie sich darunter nicht verbessert hatten.»

Hoffnung macht weiter der Antikörper-Cocktail von Roche und Regeneron. Von diesem hat die Schweiz 3000 Dosen bestellt. Erste Lieferungen werden Mitte Mai erwartet. Swissmedic hat die Verschreibung ausnahmsweise zugelassen. Sobald die Lieferungen eintreffen, können Mediziner das Medikament also einsetzen.

Roche-Medikament ab 12 Jahren geeignet

Das Medikament könnte auch junge Patienten mit Vorerkrankungen vor Covid-19 schützen. Laut Studien reduziert es die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs oder Todesfolge bei Risikopatienten um 70 Prozent bei Patienten, die noch nicht hospitalisiert worden waren. Verabreicht wird der Antikörper-Cocktail intravenös, und zwar dann, wenn der Patient noch nicht hospitalisiert ist, also frühzeitig. Die US-Behörden haben eine Notfallzulassung erreicht. Dort darf es an Patienten ab 12 Jahren verabreicht werden.

«Es klingt vielversprechend, da Studien zeigen, dass es bei ambulanten Patienten die Hospitalisationen stark reduziert», sagt Günthard. Er rechne damit, dass das Unispital den Antikörper-Cocktail ambulanten Risikopatienten nach frühzeitiger Diagnose werde verabreichen können, um schwere Verläufe oder gar den Tod zu verhindern. Allerdings müssten noch klare Vorgaben vom BAG kommen und logistische Fragen geklärt werden.

Asthma-Spray kann helfen

Als «Gamechanger» gehandelt wird der Asthma-Spray Budenosid. Dieses Mittel könnte schwere Verläufe verhindern. «Es wird noch nicht systematisch eingesetzt, dürfte jedoch hilfreich sein», sagt Co-Chefarzt Philip Tarr vom Kantonsspital Baselland. Er verweist auf eine englisch Studie, bei der Personen, die noch nicht hospitalisiert wurden, mit Budenosid behandelt wurden. Mit dem Spray gelangt Kortison direkt zur Entzüngungsstelle. «Von jenen, die den Spray benutzt haben, landeten nur drei Prozent im Spital – bei den anderen waren es 15 Prozent.» Ein weiterer Pluspunkt sei, dass der Spray bereits auf dem Markt sei. Günthard betont, dass es hier weitere Studien brauche. Kleinere Untersuchungen bei ambulanten Patienten seien aufgrund abnehmender Patientenzahlen abgebrochen worden.

Tarr betont, dass es weiterhin extrem selten sei, dass sehr junge Patienten – wie der 19-jährige Luzerner – an Covid-19 sterben. Zwar habe man mit den neuen Therapien, in die man grosse Hoffnungen setze, bald mehr Mittel, um auch schwere Verläufe bei Jüngeren zu bekämpfen. Aber: «Bis alle die Impfung erhalten haben, ist Zurückhaltung das Gebot der Stunde. Kurz vor der Impfung noch an Corona zu erkranken, wäre so kurz vor dem Ziel besonders schade.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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