Tipps für Hobbygärtner: So bekämpfen Sie Schädlinge ohne Chemie
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Tipps für HobbygärtnerSo bekämpfen Sie Schädlinge ohne Chemie

Nicht nur Bauern, auch Hobbygärtner werden angeprangert, wenn es um den Einsatz von Pestiziden geht. Dabei gibt es Alternativen gegen Schädlinge und Pilze.

von
V. Fehlmann
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Der Buchsbaumzünsler wurde aus Asien eingeschleppt und treibt seither in Gärten sein Unwesen. Die Raupen kann man bei leichtem Befall einfach ablesen, bei stärkerem Befall helfen biologische Mittel.

Der Buchsbaumzünsler wurde aus Asien eingeschleppt und treibt seither in Gärten sein Unwesen. Die Raupen kann man bei leichtem Befall einfach ablesen, bei stärkerem Befall helfen biologische Mittel.

Keystone/Winfried Rothermel
Auch Engerlinge können im Garten Schäden anrichten – etwa jener des Maikäfers. Doch mit Pilzen können sie bekämpft werden.

Auch Engerlinge können im Garten Schäden anrichten – etwa jener des Maikäfers. Doch mit Pilzen können sie bekämpft werden.

istock/Andreyshtanko
Gerade in diesem Jahr eine grosse Plage: Wespen. Sie kann man mit einer Falle ködern, in der sie dann ertrinken. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass sie auch als Nützlinge dienen.

Gerade in diesem Jahr eine grosse Plage: Wespen. Sie kann man mit einer Falle ködern, in der sie dann ertrinken. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass sie auch als Nützlinge dienen.

iStock/Pierre Aden

Zwei Initiativen wollen den Einsatz von Pestiziden bekämpfen. Die Trinkwasser-Initiative fordert, Bauern die Direktzahlungen zu streichen, sollten diese Pestizide verwenden. Abgestimmt wird im Januar. Eine weitere Initiative will die synthetischen Pflanzenschutzmittel ganz verbieten. Doch gleichzeitig wird auch Hobbygärtnern vorgeworfen, zu viele Pestizide zu verwenden. Tatsächlich können die Mittel die Böden stark belasten. Auch die Grünen haben bereits ein Verbot für Hobbygärtner gefordert, und der Bund hat mehrere Massnahmen angekündigt. Hobbygärtner seien oft zu wenig informiert über Wirkung, Anwendung und Entsorgung der Mittel.

Das hat Folgen, wie Insektenexperte André Mégroz erklärt: «Beim Einsatz von chemischen Mitteln werden oft auch Kollateralschäden in Kauf genommen, indem zum Beispiel nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge vernichtet werden, was die Störung des biologischen Gleichgewichts bedeutet. Das hat zur Folge, dass die natürlichen Gegenspieler fehlen, was wiederum bedingt, dass zusätzliche Chemikalien eingesetzt werden müssen.» Doch Gärtnern geht auch ohne Chemie. Das sind die besten Alternativen:

Buchsbaumzünsler

Die Raupen des aus Asien eingeschleppten Schmetterlings sind sehr gefrässig. Bei einem schwachen Befall können sie einfach abgesammelt werden. Laut Insektenexperte Mégroz wird die Raupe von Vögeln meist gemieden. «Mit im Handel erhältlichen Sexuallockstoffen kann man die Männchen des Schmetterlings jedoch anlocken. Aufgrund deren Flugzeit kann man das Erscheinen der Raupen berechnen und diese dann mit einem biologischen, nützlingsschonenden Mittel (Bacillus thuringiensis ssp. Kurstaki) erfolgreich bekämpfen.»

Engerlinge von Junikäfern, Gartenlaufkäfern und Maikäfern

Junikäfer und Gartenlaufkäfer mögen die Wärme, wie Mégroz erklärt. Sie können durch Wurzelfrass im Larvenstadium Schäden am Rasen anrichten. «Mit den zugelassenen chemischen Mitteln können sie nicht wirksam bekämpft werden, jedoch können die Larven mit einem Pilz (Metarhizium anisopliae) im Frühjahr und im Herbst vernichtet werden. Auch die Engerlinge des Maikäfers können mithilfe eines Pilzes (Beauveria brongniartii) wirksam bekämpft werden.» Die Pilze werden auf Gerstenkörnern im Boden vergraben, wo sie die Engerlinge befallen.

Wespen, Kirschessigfliegen und andere Fliegen

Wespen sind auch Nützlinge, da sie auch unsere Pflanzen befruchten und sich unter anderem von Insekten ernähren. Zur Bekämpfung von Wespen und Fliegen könne man entsprechende Fallen mit Lockmitteln aufstellen. Mégroz' bewährtes Rezept: 1 Liter Wasser sieden und 600 Gramm Zucker darin auflösen. Nach Erkalten 0,6 dl roten Weinessig, 0,6 dl Kochwein und 1 dl Bier dazugeben. Dieses Gemisch 1:1 mit Wasser verdünnen und einige Tropfen Abwaschmittel beigeben, damit die gefangenen Insekten ertrinken.

Schnecken

Schneckenkörner können nicht nur für die Tiere selbst, sondern auch für andere gefährlich werden. So könnten etwa Igel daran erkranken. Eine Alternative sind Bierfallen, die aber weitere Schnecken anziehen. Mégroz hat sein eigenes Rezept: «Persönlich mache ich jeden Morgen vor dem Frühstück einen Rundgang durch den Garten und sammle und zerschneide die schleimigen Tierchen, die ich dann den Schildkröten als Zugabe verfüttere.» Alternativ kann man auch Küchenabfälle auslegen, die die Schnecken anziehen. Anschliessend sammelt man sie wieder ein. Schneckenzäune sind hingegen etwas kostenintensiver. Aber auch Kupferbänder helfen, da die Schnecken diese nicht überqueren. Und Hochbeete halten laut Jardin Suisse nicht nur Schnecken, sondern auch Mäuse grösstenteils ab. Doch Mégroz betont: «Natürlich schafft man es kaum, den Garten schneckenfrei zu halten. Ich nehme in Kauf, dass hie und da ein Salat angefressen ist.»

Blattläuse

Diese kleinen Tierchen sind gleichzeitig auch die Nahrung einer Vielzahl anderer Insekten. Mégroz: «Im Vordergrund sind Marienkäfer und ihre Larven, Florfliegen und -larven, Schwebefliegenlarven, Ohrwurm, Schlupfwespen usw. Sobald sich eine neue Blattlauskolonie bildet, sind innert drei Tagen ihre Feinde da.» Diese seien in jedem Garten vorhanden, insbesondere, wenn auf Insektizide verzichtet werde. Ansonsten können sie mittlerweile auch im Internet bestellt werden. Jardin Suisse empfiehlt zudem reine Schmierseife. Diese legt sich beim Besprühen auf alle Insekten und sie ersticken darunter, wie Othmar Ziswiler, Leiter Gärtnerischer Detailhandel bei Jardin Suisse, erklärt. Die Anwendung sollte ausserhalb der Flugzeit stattfinden, damit nicht auch nützliche Insekten betroffen sind. Dafür hilft sie auch gegen Weisse Fliegen. «Wichtig ist es, alle befallenen Pflanzenteile – also auch die Blattunterseite – zu spritzen», sagt Ziswiler. Meist muss der Vorgang nach einer Woche wiederholt werden.

Fruchtfliegen

Die nervigen Fliegen können mit einem einfachen Mittel bekämpft werden: Drei Tropfen Abwaschmittel in ein Glas Essig geben, rät Insektenexperte Mégroz. Die Fruchtfliegen werden angelockt und ertrinken dann.

Ameisen

Eine Ameisenstrasse kann man mit einem Klebeband unterbrechen. Zudem würden Ameisen stark riechende Substanzen wie Zitronen, Lavendel, Knoblauch, Thymian etc. meiden, erklärt Mégroz.

Pilzkrankheiten bei Pflanzen

«Am wichtigsten ist es, die Pilze gar nicht aufkommen zu lassen, und das ist gar nicht so schwierig», erklärt Othmar Ziswiler von Jardin Suisse. Man müsse den Pflanzen im Topf oder im Beet genügend Platz geben, auf den richtigen Standort achten, regelmässig giessen und düngen. «Ganz wichtig ist es auch, die richtigen Sorten zu verwenden. Bei Apfelbäumen sollte zum Beispiel nicht eine x-beliebige Sorte angepflanzt werden.» Gärtnereien und Gartencenter würden Bäume anbieten, die nicht gespritzt werden müssten und trotzdem gesund blieben. Auch bei den Tomaten gibt es solche gesunden und ertragreichen Arten.

Vögel als Nützlinge

Auch Vögel können bei der Schädlingsbekämpfung helfen. Dafür sind jedoch einheimische Sträucher oder Bäume nötig, auf denen sie sich niederlassen können, und die generell weniger anfällig für Schädlinge sind als exotische Pflanzen, erklärt Livio Rey von der Vogelwarte Sempach. «Vögel sind immer auch Nützlinge. Auf einheimischen Bäumen und Sträuchern lebt generell eine Vielzahl von Tieren, sodass keines dominieren kann.»

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