Notfall-Pläne: So bereiten sich Schweizer Firmen auf die drohende Energie-Krise vor

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Notfall-PläneSo bereiten sich Schweizer Firmen auf die drohende Energie-Krise vor

Lichter löschen, Angebot herunterfahren: Viele Betriebe haben Pläne gegen eine Energiemangellage zur Hand. So wollen sie vorgehen.

von
Fabian Pöschl
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Was droht, wenn es zur Energiemangellage in der Schweiz kommt?

Was droht, wenn es zur Energiemangellage in der Schweiz kommt?

20min/Matthias Spicher
Im Moment laufe alles noch normal, heisst es aus der Stahlindustrie. Sollte das Gas aber ausbleiben, geht nichts mehr.

Im Moment laufe alles noch normal, heisst es aus der Stahlindustrie. Sollte das Gas aber ausbleiben, geht nichts mehr.

20min/Celia Nogler
Der Branchenverband Swissmem sieht Arbeitsplätze bedroht und fordert eine Kampagne vom Bundesrat zum Gaseinsparen.

Der Branchenverband Swissmem sieht Arbeitsplätze bedroht und fordert eine Kampagne vom Bundesrat zum Gaseinsparen.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Der Schweiz droht eine Energieknappheit.

  • Die Wirtschaft warnt vor Job-Abbau und höheren Preisen.

  • Viele Firmen haben Massnahmen geplant.

Diesen Winter droht Energieknappheit. Sollten Energielieferungen aus Russland ausbleiben, wegen Sanktionen oder weil Russland den Hahn zudreht, wirds eng bei Gas und Strom. Ist die Schweizer Wirtschaft bereit?

Gasintensive Branchen wie die Stahlindustrie bereiten sich schon länger auf den Notfall vor, wie ein Sprecher des Stahlherstellers Swisssteel Group zu 20 Minuten sagt. Im Moment laufe alles noch normal, nur die Energiepreise gingen durch die Decke.

Bei Knappheit könne die Firma auf ihre Werke in Deutschland, Frankreich und den USA ausweichen. Sollte Gas komplett ausbleiben, könne sie den Stahl nicht mehr verarbeiten. «Dann geht nichts mehr, wie wenn beim Bäcker der Ofen ausbleibt», so der Sprecher.

«Lichter gehen aus»

Das Szenario besorgt den Branchenverband der Metallindustrie. «Entweder das Gas fliesst in ausreichender Menge, oder die Produktion muss eingestellt werden. Und wenn nicht genügend Strom vorhanden ist, gehen buchstäblich die Lichter aus», sagt ein Swissmem-Sprecher. Dann seien Arbeitsplätze in Gefahr. Güter des täglichen Bedarfs könnten auch deutlich teurer werden, weil Industriefirmen  die Vorprodukte dazu liefern.

Swissmem fordert nun umgehend eine Kampagne zum Gaseinsparen vom Bundesrat. So könnten die Gaslager ausreichend gefüllt und die Gefahr einer Mangellage reduziert werden. Dabei dürfe der Bundesrat auf breite Unterstützung aus Wirtschaft und Gesellschaft zählen.

Sparst du beim Strom?

Pharma-Multi Roche verringert den Gas-Bedarf seit Jahren und kann im Notfall auch auf Öl umstellen, wie ein Sprecher sagt. Die europäischen Roche-Standorte verfügten über ausreichende Ölreserven, mit denen sie mehrere Wochen Versorgungsengpässe überbrücken könnten.

Auch die Banken wappnen sich. Bei Strommangellage setzen etwa die UBS, ZKB und Raiffeisen wie auch die Börsenbetreiberin Six auf Notstromgeneratoren, um relevante Infrastrukturen betreiben zu können, wie es auf Anfrage heisst. Homeoffice soll auch dann noch möglich sein für die Angestellten.

Die Banken wollen auch Strom reduzieren.  So würde die UBS bei Strombeschränkung manche Gebäude weniger stark beleuchten und klimatisieren oder auch schliessen. Nicht dringende und unkritische Dienstleistungen könnte die UBS einschränken.

Spitäler mit Notstrom

Spitäler wie die Unispitäler in Zürich und Basel, das Luzerner Kantonsspital und das Berner Inselspital setzen auf Notstromgeneratoren. Beim Zürcher Unispital liefern diese laut einem Sprecher für zwei Tage Strom. Wenn nur noch die notwendige Infrastruktur in Betrieb ist, liesse sich der Strom auf vier Tage ausdehnen. So sieht das Unispital Basel etwa bei der Notstromversorgung vor, Anlagen wie Lüftungen, Lifte und im Extremfall auch Röntgengeräte auszuschalten.

Auch Detailhändler haben Notfallpläne. Coop steht in Kontakt mit dem Bund, wie ein Sprecher sagt. Lidl setzt vermehrt auf erneuerbare Energien und nutzt laut einem Sprecher auch Lösungen wie Flüssiggas und Biogas, um weniger abhängig zu sein. Die Migros nutzt die Lage laut einem Sprecher zur Beschleunigung der Nachhaltigkeitsstrategie. So ersetzte Migros-Tochter Elsa die Gas-Heizung mit Holzpellets.

Swisscom setzt auf Akkus

Swisscom betreibt bei kurzzeitigen Stromausfälle die Mobilfunkantennen mit Akkus, wie ein Sprecher sagt. Wichtige Swisscom-Betriebsgebäude liessen sich mit Notstromaggregaten auch über längere Zeit betreiben. Auch Sunrise kann auf Notstromaggregate und Generatoren zurückgreifen, wie es auf Anfrage heisst.

Auch die Verkehrsbetriebe bereiten sich vor. Die SBB prüft derzeit Konzepte, wie ein Sprecher sagt. Bernmobil will das Angebot je nach Knappheit reduzieren. Die Folge wären ein ausgedünnter Fahrplan und längere Reisezeiten, wie ein Sprecher sagt. Stadtbus Winterthur will den Diesel-Lagerbestand laut einem Sprecher wesentlich erhöhen. Beim Strom sei man auf die Lieferanten angewiesen.

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