Der Gegner als Phantom: So bereitet sich Basel auf Cluj vor
Aktualisiert

Der Gegner als PhantomSo bereitet sich Basel auf Cluj vor

Wie stellt man sich auf einen Gegner ein, den man kaum kennt, von dem eigentlich nur bekannt ist, dass er soeben seinen Trainer gefeuert hat? Mit Scouting und Selbstvertrauen.

von
Patrick Toggweiler
Cluj

Thorsten Fink zum Trainerwechsel des Gegners (Video: 20 Minuten.ch)

Am 26. August 2010 kurz nach 18.00 Uhr wusste der FC Basel, mit wem er es in der Gruppenphase der Champions-League zu tun bekommt. 20 Tage später findet bereits die erste Partie statt. 20 Tage Zeit für den FC Basel, jeden Spieler optimal auf den Gegner einzustellen. Wenig Zeit, bedenkt man, dass der rumänische Meister auf den Sportkanälen Westeuropas nicht gerade Dauergastrecht besitzt.

Die Beschaffung von Informationen über den Gegner ist Sache der Scouting-Abteilung. Zwischen der Gruppenauslosung und dem ersten Aufeinandertreffen spielte Cluj zwei Partien: Gegen Pandurii Targu Jiu (2:1-Sieg) und gegen Rapid Bukarest (0:2-Niederlage, zwei rote Karten). In beiden Fällen sassen FCB-Späher im Stadion um Taktik, Stärken und Schwächen des Teams auszuloten.

Videobeschaffung und Analyse

Auch ohne Dauerpräsenz auf Eurosport ist die Besorgung von Bildmaterial einer Mannschaft vom Kaliber eines Champions-League-Teilnehmers kein Problem: Das Bedürfnis nach Informationen über fremde Gegner hat einen Markt entstehen lassen. Spezialisierte Anbieter verkaufen Bilder, falls gewünscht, auf einzelne Spieler zusammengeschnitten. Andere Quellen sind die TV-Lizenznehmer der lokalen Ligen.

Das Material über CFR Cluj bekamen Frei, Streller und Co. erst einen Tag vor dem Aufeinandertreffen zu sehen. Noch am Sonntag hiess der Gegner YB – auch in der Meisterschaft gilt es, den Fokus nicht zu verlieren. Und die Profis sind sich gewohnt, sich schnell auf einen Gegner einzustellen.

Die Grenzen des Scoutings

Dem Basler Scouting scheinbar einen dicken Strich durch die Rechnung hat Cluj mit der Entlassung des Trainers gemacht: «Ich weiss, dass der Neue früher 4-4-2 spielen liess. So spielte Cluj bereits zuvor. Natürlich kann ich jetzt nicht genau sagen, welche Spieler auflaufen werden und wie die Taktik aussieht – in zwei Tagen der Mannschaft seine Handschrift zu verpassen, ist aber unmöglich», relativiert FCB-Trainer Thorsten Fink das Problem noch vor dem Abflug am Flughafen.

«Ich weiss nicht, ob die Entlassung für uns einen Vor- oder Nachteil darstellt», fährt er fort, «man weiss zum Beispiel ja nicht, ob die Mannschaft hinter dem Trainer stand oder nicht. Für unsere Vorbereitungen war die Entlassung sicher nicht gut – wir müssen aber auch nicht nur auf den Gegner schauen. Wenn wir unsere Leistung abrufen, dann haben wir die Chance, Cluj zu schlagen.»

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