Wettskandal: So betrügt die Wett-Mafia den Fussball
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WettskandalSo betrügt die Wett-Mafia den Fussball

Es ist der grösste Wettskandal der Fussball-Geschichte. Insgesamt 200 Spiele sollen in Europa manipuliert worden sein, darunter auch Spiele der Challenge-League. Doch wie funktioniert das Geschäft? Ein Insider hat jetzt erzählt, wie die Wett-Mafia vorgeht - und Spieler unter Druck setzt.

von
meg

Es ist ein gigantisches Geschäft. Gemäss Experten der Early Warning System GmbH beläuft sich der Brutto-Spielertrag bei Sportwetten weltweit auf rund 350 Milliarden Dollar (370 Mia. Franken) pro Jahr. Spätestens seit dem Fall Robert Hoyzer ist klar, dass auch im Fussball die Betrüger im Milliardengeschäft Sportwetten mitmischen.

Prostituierte, Geliebte, schwul

Einen Einblick ins Betrugssystem der Sportwetten gewährte jüngst ein Insider der «Berliner Morgenpost». Der gebürtige Türke, der seit mehr als 25 Jahren in Berlin lebt, stieg nach dem Wirbel um die Hoyzer-Affäre aus dem Business aus, wie er sagt. Heute wie damals waren Spieler, Trainer und Schiedsrichter in die Manipulationen involviert. Und heute wie damals sind vor allem Spiele der unteren Ligen betroffen. Nicht ohne Grund: «Diese Spiele stehen nicht so im Fokus der Öffentlichkeit», sagt der Insider.

Doch laut dem Berliner Szene-Kenner sei auch Erpressung im Spiel. «Man hat irgendetwas gegen einen Spieler in der Hand, mit dem man ihn unter Druck setzen kann. Ich habe in konkreten Fällen von hohen Schulden, regelmässigen Besuchen in Bordellen, einer Geliebten neben der Ehefrau oder homosexuellen Neigungen gehört, mit denen Leute unter Druck gesetzt wurden.»

Wetten auf den Freistoss

Den Betrug erleichtern offenbar auch die zum Teil skurrilen Wetten, die gehandelt werden. So könne man bei gewissen Anbietern darauf wetten, dass in einem Spiel die Gastmannschaft etwa in der 65. Minute einen Freistoss bekommt, was den Betrug erleichtere. «In diesen Fällen muss der gekaufte Spieler ja nicht für ein bestimmtes Ergebnis sorgen», sagte der Insider. Der bestochene Spieler muss in diesem Fall einzig schauen, dass er in der 65. Minute das Foul begeht.

Swisslos: «Keine Unregelmässigkeiten»

Nach dem Skandal um den Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer und manipulierte Fussballspiele 2005 haben der Deutsche Fussball-Bund und die Deutsche Fussball Liga ein Frühwarnsystem eingeführt. Ein solches gibt es auch in der Schweiz. Roger Fasnacht, Direktor von swisslos, sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Wir haben keine Anhaltspunkte, dass die Wettbetrüger bei uns ihr Geld setzten. Wenn geschoben wurde, lief dies nicht über uns». Fasnacht beruft sich dabei auf das elektronische Überwachungssystem, das mittlerweile alle modernen Wettanbieter haben. Sporttip habe zudem eine Person, welche sämtliche Wetten prüfe. Die Staatslotterien, zu denen auch swisslos gehört, seien untereinander zudem international vernetzt. «Gibt es in Dänemark eine Unregelmässigkeit, erfahren wir das sofort», sagt Fasnacht.

Die Kontrollen funktionieren ganz offensichtlich nicht in jedem Fall. Auch, weil die Betrüger mit Raffinesse vorgehen, wie der Berliner Szene-Kenner zu berichten weiss. In den Wettbüros in Berlin sollen im vergangenen Jahr zahlreiche Wetten angesprochen und überredet worden sein, in Annahmestellen und über das Internet gegen eine Provision geringe Beträge zu setzen, die man ihnen zuvor übergab. Der Grund ist klar: Setzt eine Person einen grossen Betrag, schlägt das Frühwarnsystem Alarm. Setzen 50 Personen in verschiedenen Wettbüros bei verschiedenen Anbietern einen kleinen Betrag, könne dieses System überlistet werden.

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