Zahlen verdoppelt: So breiten sich die Virusmutationen in der Schweiz aus
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Zahlen verdoppeltSo breiten sich die Virusmutationen in der Schweiz aus

In der Schweiz wurden bislang 6003 Infektionen mit einer Virus-Mutation registriert. Der Fokus liege jetzt auf der Westschweiz, sagt ein Experte.

von
Leo Hurni
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Die verschiedenen Mutationen des Corona-Virus breiten sich auch in der Schweiz aus, wie Zahlen des BAG zeigen.

Die verschiedenen Mutationen des Corona-Virus breiten sich auch in der Schweiz aus, wie Zahlen des BAG zeigen.

Adrian Moser
Am verbreitetsten ist derzeit die britische Mutation B.1.1.7.

Am verbreitetsten ist derzeit die britische Mutation B.1.1.7.

Tamedia AG
Man kenne das Phänomen der Mutationen in der Biologie, sagt Infektiologe Andreas Cerny. Das Besondere sei allerdings, dass die neuen Varianten zu einer dritten Welle führen könnten,

Man kenne das Phänomen der Mutationen in der Biologie, sagt Infektiologe Andreas Cerny. Das Besondere sei allerdings, dass die neuen Varianten zu einer dritten Welle führen könnten,

epatocentro

Darum gehts

  • Eine Grafik zeigt die Ausbreitung der Corona-Mutationen in der Schweiz.

  • Die britische Variante ist am häufigsten festgestellt worden.

  • In der Schweiz sinken die Fallzahlen allerdings weiterhin.

  • Die Zahlen seien allerdings mit Vorsicht zu geniessen, so ein Experte.

Die Ausbreitung der Corona-Mutationen ist auch in der Schweiz schwer aufzuhalten. So teilte das Eidgenössisches Departement des Innern (EDI) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag mit, dass in der Schweiz bislang 6003 Infektionen mit einer Virus-Mutation registriert wurden. Davon entfällt mit 2381 Fällen der grösste Teil auf die britische Variante, von der Südafrika-Variante wurden 96 Fälle gemeldet, wie die folgende Grafik zeigt. Daten sind seit Februar und nur für die Werktage verfügbar.

Klar ist, dass sich die britische Mutation bislang am meisten verbreitet hat. Alleine am Montag vermeldete das Bag 270 neue Fälle, die der britischen Variante zugeordnet werden konnten. Das führe dazu, dass die klassische Variante des Corona-Virus wohl bald verdrängt werde, erklärt der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny. «Das ist darauf zurückzuführen, dass sich die britische, brasilianische und südafrikanische Variante wohl schneller und leichter übertragen. Das ist nicht ein aussergewöhnliches Phänomen in der Biologie.» Das Besondere sei allerdings, dass die neuen Varianten zu einer dritten Welle führen könnten, wie man in England oder Irland gesehen habe, da sie sich deutlich schneller verbreiteten als die klassische Variante.

Zahlen sollten vorsichtig genossen werden

Im Kanton Genf zeigt sich allerdings zurzeit, dass die Mutationen nicht unbedingt zu einer Explosion der Fallzahlen führen muss. So war im Kanton Genf in der vergangenen Woche die britische Variante für rund 75 Prozent des Infektionsgeschehens verantwortlich. Die epidemiologische Lage blieb allerdings stabil und die Positivitätsrate sank.

Diese Zahlen seien allerdings mit Vorsicht zu geniessen, sagt Cerny. «Grund für die sinkenden Fallzahlen sind die starken Massnahmen, die aktuell in der Schweiz gelten. Damit sollten die Fallzahlen eigentlich noch stärker sinken, was aufgrund der Mutationen allerdings nicht passiert. Würde man die Massnahmen jetzt fallen lassen, so nähmen die Fallzahlen rasch wieder zu.» Bei den neuen Varianten gehe man von einer Verdopplungszeit von zehn Tagen aus.

Deutschland geht hart mit Mutationen um

Auch Deutschland verzeichnet eine starke Zunahme der Mutationen. So wurden gemäss dem deutschen Datenwissenschaftler Cornelius Römer alleine im Land Baden-Württemberg bereits 829 Fälle der britischen Variante nachgewiesen. Um die Mutationen in den Griff zu kriegen, verschärfte Deutschland die Einreisekontrollen für Einreisende aus Gebieten mit vielen Mutationen wie etwa Tirol und Tschechien. Einreisen darf nur noch, wer Deutscher ist oder seinen Wohnsitz in Deutschland hat. Ausnahmen gibt es wenige.

Infektiologe Cerny rät hier noch zur Geduld. «Es beobachten jetzt alle, was in den Orten passiert, wo es viele Mutationen gibt. Deshalb steht in der Schweiz jetzt gerade auch die Westschweiz im Fokus der Öffentlichkeit.» Je nachdem, ob die Fallzahlen in diesen Gebieten sich verändern, werde man anders reagieren. «Wenn die Fälle nicht zunehmen, so ist klar, dass man die Massnahmen vorsichtig lockern wird. Nehmen die Fallzahlen hingegen zu, so wird man wieder zu stärkeren Massnahmen greifen müssen.»

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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