Berichte von Rückkehrern: So brutal geht der IS gegen die eigenen Kämpfer vor
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Berichte von RückkehrernSo brutal geht der IS gegen die eigenen Kämpfer vor

Umarmungen und Pepsi-Cola: So werden Dschihadisten aus Europa bei der IS-Terrormiliz empfangen. Doch die Freundlichkeit verschwindet schnell.

von
dia
Nicht nur gegen ihre Feinde zeigen die IS-Terroristen ihre Brutalität. Auch ihre eigenen Kämpfer schüchtern sie ein.

Nicht nur gegen ihre Feinde zeigen die IS-Terroristen ihre Brutalität. Auch ihre eigenen Kämpfer schüchtern sie ein.

In Propaganda-Videos der Terrormiliz Islamischer Staat wird jungen Kämpfern ein wunderbares Leben im selbsternannten Kalifat versprochen. Doch die Realität sieht anders aus, wie deutsche Syrien-Rückkehrer berichten. Wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, gehen die IS-Terroristen auch gegen die eigenen Leute mit äusserster Brutalität vor.

600 Extremisten sind bislang aus Deutschland in den Dschihad gefahren. Ein Drittel soll bereits wieder zurückgekehrt sein. Rund 40 von ihnen haben bislang mit deutschen Sicherheitsbehörden kooperiert und in Vernehmungen und Befragungen über die Zeit beim IS Auskunft gegeben, schreibt das Blatt.

Ins «Schlachthaus» gesteckt

Einige berichten, dass sie bei ihrer Ankunft zuerst sehr freundlich aufgenommen wurden. Man habe ihnen Pepsi-Cola ausgeschenkt und sie umarmt. Doch schon bald sei es mit der Freundlichkeit vorbei gewesen. So erzählte ein Rückkehrer, dass er bei seiner Ankunft seinen Pass nicht abgeben wollte. Daraufhin habe man ihn in ein «Schlachthaus» gesteckt. Die Wände und der Boden seien voller Blut gewesen. In seinen Schlafraum habe man eine Leiche ohne Kopf geworfen.

Maskierte Terroristen hätten ihm gesagt, dass sie täglich Spione entdecken und diese dann abschlachten. Die Angst vor Spionen scheint bei der Terrormiliz gross zu sein. So werden die Neuankömmlinge zuerst einem Verhör unterzogen. Die Hauptfrage dabei lautet: «Willst du Kämpfer oder Selbstmordattentäter werden?» Wer sich für Letzteres entscheide, werde «gehätschelt und gepflegt», heisst es im Bericht. Dies so lange, bis Kommandeure in den Lagern erscheinen und ihre Attentäter rekrutieren.

Hingerichtet wegen Kleinigkeiten

Wer verdächtigt wird, ein Spitzel zu sein, wird gefoltert, erschossen oder geköpft. Anlässe für Agressionen würden überall gesucht. Einer der Rückkehrer berichtet, dass ein Neuankömmling hingerichtet worden sei, nur weil er sein Handy versteckt habe. Offenbar hätten die IS-Leute Angst, die Handys könnten von amerikanischen Drohnen geortet werden.

Es gebe auch Berichte von Rückkehrern über Dschihadisten, die ohne schriftlichen Passierschein eines Emirs versucht hätten, das Land zu verlassen. Die Strafe: Tod durch Erschiessen. Einige der Heimkehrer berichteten auch über brutale Mutproben. Dazu habe gehört, dass Neuankömmlinge Menschen ermorden mussten, um zu zeigen, dass sie den Anordnungen des IS folgen wollten.

«Romantische Verblendung» der IS-Bräute

Doch nicht nur für Männer sieht das Leben im Lager anders aus als in den Propaganda-Videos. Auch den Frauen wird ein schönes Leben vorgegaukelt. Sie ziehen nach Syrien in der Meinung, einen grossen Kämpfer zu heiraten, einen sogenannten «Löwen».

Doch tatsächlich werden sie Zweit- oder Drittfrauen eines Kriegers. Hans-Georg Maassen, Präsident des deutschen Bundesamts für Verfassungsschutz, sagt der «Süddeutschen Zeitung»: «Junge Mädchen gingen in romantischer Verblendung eine Dschihad-Ehe ein. Dann fiel ihnen auf, das es doch anders ist, als sie es sich vorgestellt haben.» Andererseits mute es fast schon komisch an, dass ein Mädchen sich beschwert habe, dass es morgens kein Nutella bekommen habe.

Viele sind traumatisiert

Inzwischen sollen allein 50 ehemalige Kämpfer ins Bundesland Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt sein. Von kampferprobten Dschihadisten geht nach Angaben der Behörden momentan die grösste Gefahr aus. Etwa zehn der Rückkehrer gehörten zu dieser Gruppe. Die restlichen knapp vierzig Rückkehrer seien traumatisiert oder desillusioniert. (dia/sda)

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