Hexenjagd im Wallis: So brutal waren Hexenprozesse in der Schweiz
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Hexenjagd im WallisSo brutal waren Hexenprozesse in der Schweiz

Im 15. Jahrhundert fanden im Wallis Hexenverfolgungen statt. Das Staatsarchiv Wallis veröffentlicht nun die vollständig erhaltenen Gerichtsakten dieser Hexenprozesse. Eine Historikerin ordnet die Schriften ein.

von
Raphael Casablanca
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Im Wallis wurde im 15. Jahrhundert vier Personen Hexerei vorgeworfen. Ausführliche Prozessakten zeigen, wie die Behörden damals vorgingen.

Im Wallis wurde im 15. Jahrhundert vier Personen Hexerei vorgeworfen. Ausführliche Prozessakten zeigen, wie die Behörden damals vorgingen.

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Für alle vier Beschuldigten endete der Prozess auf dem Scheiterhaufen. Die zwei Männer und beide Frauen wurden bei lebendigem Leibe verbrannt.

Für alle vier Beschuldigten endete der Prozess auf dem Scheiterhaufen. Die zwei Männer und beide Frauen wurden bei lebendigem Leibe verbrannt.

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Ereignisse wie Lawinen wurden damals mit Hexerei begründet. 

Ereignisse wie Lawinen wurden damals mit Hexerei begründet.

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Darum gehts

  • Im Wallis fand im 15. Jahrhundert eine Hexenjagd statt. Vier vollständig erhaltene Prozessakten bezeugen die schaurigen Verfolgungen.

  • Das Walliser Staatsarchiv hat nun erstmals das Werk veröffentlicht.

  • Es wurde von mehreren Historikern intensiv untersucht.

  • Die Historikerin Chantal Ammann-Doubliez erzählt die Geschichte eines Wallisers, der bei lebendigem Leibe verbannt wurde.

Katastrophen, Krankheiten und mysteriöse Todesfälle bedurften im Mittelalter einer Erklärung. Schuldige mussten her. Ins Visier fielen Personen, die sich eigenartig verhielten, besondere Heilkunde-Kenntnisse hatten oder sich angeblich mit Magie beschäftigten. Staat und Kirche warfen diesen Menschen vor, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Auch im Wallis kam es zu solchen Hexenjagden. Das Walliser Staatsarchiv veröffentlichte diese Woche ein 650-seitiges Buch über die Gomser Hexenprozesse im 15. Jahrhundert. Die Historikerin Chantal Ammann-Doubliez bezieht sich darin auf vier aussergewöhnlich gut erhaltene Gerichtsprotokolle. Das Werk kann für 50 Franken erworben werden. Es erzählt die Geschichte von zwei Frauen und zwei Männern, die bei lebendigem Leib verbrannt wurden.

Wegen Gerüchten bei lebendigem Leibe verbrannt

So wurde 1466 etwa der Schneider Klaus Schröter aus Biel VS verdächtigt, ein Hexer zu sein. «Eine Frau die bereits wegen Hexerei verurteilt wurde, sagte aus, dass Schröter ebenfalls einen Pakt mit Teufel hätte», erzählt Ammann-Doubliez. Schröter gelang die Flucht, und er wurde fortan von Gesetzeshütern gesucht. Ein Jahr später kehrte er in sein Dorf zurück, wo er umgehend festgenommen wurde. Der Bezirksrichter und die Geschworenen beschlossen ihn zu foltern, um aus ihm ein Geständnis herauszubekommen. «Unter Folter sagte er aus, dass er gegen das Versprechen von Reichtum einen Pakt mit dem Teufel schloss und Gott verleugnete», so die Historikerin.

Schon vor der Festnahme kursierten im Dorf viele Gerüchte über Schröter. Es wurde erzählt, dass er eine Frau krank gemacht hätte, die ihn verspottete. Zudem soll er für die Ohnmacht eines Mannes verantwortlich sein, auf den er eifersüchtig gewesen sei. Schröter gestand unter Folter. «Er gab zu, an einem Treffen von Hexen und Zauberern teilgenommen zu haben, und prangerte angebliche Komplizen an.» Daraufhin wurde er zum Tode verurteilt.

Gerüchte spielten bei der Hexenverfolgung eine fundamentale Rolle. «Das Ansehen war im Mittelalter sehr wichtig. Ängste, Eifersucht und Vorurteile führten dazu, dass Gerüchte kursierten und gewisse Personen diffamiert wurden», sagt die Historikerin. Die nun veröffentlichten Dokumente zeigen, dass Nachbarn oder Bekannte den schlechten Ruf der Angeklagten meist zementierten.

Folter oder Flucht

Wollte man eine Hexe oder einen Hexer bestrafen, brauchte es ein Geständnis. So bestätigen die historischen Dokumente, dass die Angeklagten nach erlittener Folter eine Begegnung mit dem Teufel gestanden. Dabei wurden die Beschuldigten gefesselt und mit einem Seil an den Händen hochgezogen. «Nach und nach wurden dann immer schwerere Stein an den Füssen befestigt, ehe die Person hochgezogen wurde», so Ammann-Doubliez.

Sei man zu dieser Zeit der Hexerei verdächtigt worden, hätte man schnell handeln müssen, sagt die Historikerin. «Die Person musste unverzüglich fliehen oder sich die Unterstützung von einflussreichen Männern sichern.» Ansonsten hätten die Beschuldigten der Folter widerstehen müssen. Dies kam jedoch nur sehr selten vor, die meisten Angeklagten landeten auf dem Scheiterhaufen.

Die letzte legale Hexenhinrichtung

Anna Göldi war eine der letzten Frauen, die in Europa der Hexerei beschuldigt und hingerichtet wurden. Göldi wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und arbeitete im Kanton Glarus als Dienstmagd. Sie soll mehrmals Stecknadeln in die Milch einer Tochter ihres Arbeitsgebers gezaubert haben. Göldi wurde deswegen der Hexerei beschuldigt. Unter Folter gab sie zu, die Kräfte des Teufels zu besitzen und diese zu nutzen. Die Hinrichtung Göldis war die letzte legale Hexenhinrichtung in Europa und rief europaweit Empörung hervor.

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