Berner Oberland: So deponierte eine Firma jahrelang illegal auch Zürcher Müll beim Blausee
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Berner OberlandSo deponierte eine Firma jahrelang illegal auch Zürcher Müll beim Blausee

Transportscheine wurden umgeschreiben und illegal Abfall entsorgt. Neue Recherchen zeigen die Aussmasse der Verschmutzung des Blausees.

von
Sven Forster
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Der Blausee im Berner Kandertal ist ein weltbekanntes Instagram-Sujet.

Der Blausee im Berner Kandertal ist ein weltbekanntes Instagram-Sujet.

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Durch mysteriöse Forellensterben wurde man auf die illegale Verschmutzung eines Steinbruchs am Blausee aufmerksam. 

Durch mysteriöse Forellensterben wurde man auf die illegale Verschmutzung eines Steinbruchs am Blausee aufmerksam.

Blausee AG
In diesem Steinbruch soll illegal Abfall deponiert worden sein. 

In diesem Steinbruch soll illegal Abfall deponiert worden sein.

Beat Mathys / Tamedia 

Darum gehts

  • Im Steinbruch Mitholz wurde jahrelang verschmutzer Abfall abgeliefert.

  • Neue Recherchen zeigen den Ablauf der Transporte auf.

  • Eine Berner Transportfirma steht im Mittelpunkt der Ermittlungen.

Der Blausee im Berner Kandertal ist ein weltbekanntes Instagram-Sujet. In der benachbarten Fischzucht kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Massenforellensterben. Mitte Juli 2020 haben die Betreiber der Anlagen Strafanzeige eingereicht. Der Grund: Illegaler Abfall in der Steingrube oberhalb des Sees. Die «Redaktion Tamedia» machte im Juli 2020 die Verschmutzung der Steingrube bekannt. Jahrelang wurden illegal teils giftiger Bahnschotter abgelagert. Allerdings nicht nur das: Neue Recherchen der Redaktion Tamedia in Zusammenarbeit mit der Rundschau zeigen den Ablauf von weiteren Transporten.

Als Beispiel schreibt der «Tages-Anzeiger» von einer Lieferung eines Lastwagenchauffeurs. Dieser sollte seine Ladung eigentlich in die Deponie Attisholz in Solothurn fahren. Auf Anweisung seines Chefs streicht er jedoch auf dem Transportschein den geplanten Abladeort und schreibt «Steinbruch Mitholz» auf das Papier. Dort angekommen kippt er 29 Tonnen ab und teilt den Arbeitern vor Ort mit, dass es sich um sauberes Material handelt. Ein Chauffeur zur Zeitung: «Sie haben nie nachgefragt und wollten auch keine Transportscheine sehen. Wir haben einfach irgendetwas gesagt und als Ausgangsort Baustellen oder Depots im Kanton Bern erfunden.»

Berner Firma im Fokus

Das Material wird sogleich in eine Grube geschüttet und verteilt. Immer wieder soll es solche Fahrten gegeben haben. Nach Informationen der Zeitung fanden allein in den Jahren 2015, 2016 und 2017 Dutzende solche Fahrten statt. Auch aus Zürich wurden Hunderte Tonnen Pressschlamm ins Berner Oberland transportiert. Das grösste Problem dabei: Der Steinbruch ist keine Deponie und somit nicht gesichert gegen Umweltgifte. Zudem liegt die Grube in einer Gewässerschutzzone und einem sensiblen Grundwassergebiet.

Im Fokus der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft steht eine Berner Firma. Neben dem Geschäftsführer arbeiten eine Handvoll Chauffeure für das Unternehmen. Zu den Vorwürfen wollte der Chef der Firma nichts sagen. Von seinem Anwalt hiess es: Er kooperiere mit der Staatsanwaltschaft und unterstütze «eine vollumfängliche Aufklärung der Vorfälle».

Wie der «Tages-Anzeiger» weiss, gab der Mann gegenüber der Polizei bereits zu, dass er verbotene Transporte durchgeführt habe. Er gab Preisdruck in der Baubranche als Grund an. Zum Vergleich: Eine Tonne Inertstoffe (Material wie Beton oder Backsteine mit geringem Schadstoffpotenzial) abzulagern, kostet auf einer dafür geeigneten Deponie zwischen 30 und 40 Franken. Sauberes Aushubmaterial hingegen kostet pro Tonne in Mitholz heute gerade mal 10 Franken.

Steinbruch wusste von Transporten

Für die Firma Kibag wickelte die Berner Transportfirma die Entsorgungen zu einem marktüblichen Preis ab. Geschäftsleitungsmitglied Philipp Althaus sagt: «Wir sind erschüttert, dass uns dieser hohe Preis für eine korrekte und legale Entsorgung verrechnet wurde, das Material aber offenbar illegal deponiert wurde.» Das Geschäftsleitungsmitglied kündigt deshalb an: «Wir werden rechtliche Schritte einleiten.»

Auch die Betreiber des Steinbruchs stehen im Fokus. Seit 2017 wussten die Betreiber von den illegalen Transporten. Trotzdem informierten sie weder den Kanton, noch baggerten sie den Abfall wieder aus. Mehr Informationen zu den illegalen Entsorgungen im Steinbruch Mitholz gibt es um 20.05 Uhr in der Rundschau zu sehen.

Bist du Chauffeur und hast Erfahrungen mit illegalen Deponien gemacht? Melde dich bei uns per Mail an feedback@20minuten.ch mit dem Betreff Deponien. Wir gewährleisten deine Anonymität.

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