02.06.2020 20:27

Tierquälerei in Mastbetrieben

So dreckig geht es Schweizer Schweinen

Tiere, die sich vor Langeweile die Schwänze anknabbern, Massentierhaltung auf Betonböden: Eine Tierrechtsorganisation hat Aufnahmen aus Bauernhöfen in sieben Kantonen veröffentlicht. Die Bilder sind erschreckend.

von
Nicolas Saameli

Weiches Stroh, viel Platz und eine Muttersau, die neugeborene Ferkel stillt. So stellt die Schweinezüchtervereinigung Suisseporcs das Leben ihrer Zuchtschweine im Livestream dar.

Jetzt zeigt eine Recherche der Tierrechtsorganisation Tier im Fokus (TIF) aber: In mehreren Kantonen werden die Tiere unter miserablen Bedingungen gehalten. So wie die glückliche Muttersau leben viele Schweizer Schweine nicht.

«In der Massentierhaltung führen die Schweine ein jämmerliches Leben», sagt Tobias Sennhauser, Präsident von TIF. Seine Organisation hat am Dienstag Videos veröffentlicht, die zeigen, wie Schweine auf 13 Schweizer Schweinezucht-Betrieben systematisch gequält werden. Die Videos sind Teil der Kampagne «Arme Schweine», mit der die Organisation Unterschriften gegen die Massentierhaltung sammelt, aber auch um Spenden wirbt.

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Viele Schweizer Schweine leben in Massentierhaltung.

Viele Schweizer Schweine leben in Massentierhaltung.

Foto: Tier im Fokus
Dabei sind einige davon schrecklichen Bedingungen ausgesetzt.

Dabei sind einige davon schrecklichen Bedingungen ausgesetzt.

Tier im Fokus

Zu sehen sind kranke Tiere, die sich wegen Keuchhusten nicht mehr auf den Beinen halten können. Schweine, die zusammengedrängt auf einem Quadratmeter leben, und tote Ferkel, die wie Abfall in Plastikkübeln entsorgt werden. «Wir sollten uns von der Vorstellung verabschieden, dass Schweizer Schweine glücklich sind», sagt Sennhauser.

Anzeige eingereicht

Die Aufnahmen wurden der Organisation anonym zugespielt. Dokumentiert sind darin auch Verstösse gegen das Tierschutzgesetz und die Vorschriften zur Tierhaltung – das sieht zumindest die Organisation Tier im Recht so, die nun Anzeige gegen neun der fehlbaren Schweinehalter erstattet hat.

Das schweizerische Tierschutzgesetz verbietet es, Tiere so zu halten, dass «eine Belastung des Tieres nicht durch überwiegende Interessen gerechtfertigt werden kann». Nicht zulässig ist es etwa, Tiere in ihren grundlegenden Körperfunktionen und ihrem Verhalten zu beeinträchtigen.

«In jedem Saustall gibt es Momente, in denen etwas nicht rundläuft.»

Schweinezüchter

Genau solche Fälle habe man in den Videos aber dokumentiert, schreibt TIF in einer Medienmitteilung. Das zeige sich etwa an auf kleinstem Raum eingesperrten Schweinen, die an den Stangen ihrer Käfige kauen oder an Tieren, die sich mangels Beschäftigung gegenseitig die Schwänze blutig beissen. «Ein Schwein mit abgebissenem Schwanz, das von seinen Artgenossen weiter malträtiert wird, erfährt offensichtlich nicht die nötige Pflege», sagt Vanessa Gerritsen, stellvertretende Geschäftsleiterin von Tier im Recht.

Vorgeschrieben wäre es etwa, kranke Tiere von der Herde zu isolieren oder den Schweinen eine Liegefläche von mindestens 60 auf 65 cm zur Verfügung zu stellen. Viele Bauern würden aber selbst die Minimalvorschriften ignorieren und so das Wohl der Tiere gefährden, schreibt TIF. Manche würden kranke Tiere tatenlos ihrem Schicksal überlassen.

Viel Massentierhaltung, wenig Bio

Dass Schweine nach den Minimalstandards des Tierschutzgesetzes gehalten werden, ist dabei keineswegs die Ausnahme. Zwei von drei Schweizer Schweinen stammen aus Betrieben, die lediglich die Minimalstandards einhalten. Insbesondere Restaurants, Heime, Kantinen oder Take-aways legen laut dem «Tages-Anzeiger» wenig Wert auf eine tierfreundliche Herkunft ihres Fleischs.

Dass die Lust auf billiges Fleisch sich auch in den Produktionsverhältnissen widerspiegelt, zeigt sich etwa in der Verteilung der Betriebe: Von 348 Mastbetrieben mit über 500 Tieren halten sich in der Schweiz lediglich zwei an Bio-Standards. Unter den zehn grössten Schweinemästereien des Landes ist nicht einer davon.

Während des Zeitraums, in dem die Bilder von TIF entstanden sind, habe das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen ein Schwerpunktprogramm zu Tierschutzkontrollen in der Schweinehaltung durchgeführt. Dabei habe man den Bauern die Kontrollen aber angekündigt, schreibt TIF.

«Viele Landwirte missachten systematisch die Regeln, selbst wenn Kontrollen angekündigt wurden», sagt TIF-Präsident Sennhauser. In der Schweizer Fleischindustrie könne das Wohl der Schweine nicht gewährleistet werden.

Schweinehalter sehen sich diffamiert

Die angeprangerten Schweinezüchter sehen die Situation anders. Sie sprechen von einer Diffamierungskampagne und weisen darauf hin, dass amtliche Kontrollen nie zu Beanstandungen geführt hätten.

«In jedem Saustall gibt es Momente, in denen etwas nicht rundläuft», kommentiert ein Schweinezüchter die Bilder von TIF. Die Tierschützer seien in die Ställe eingedrungen und würden von der Schweinehaltung wenig verstehen.

Meinrad Pfister, der Präsident der Branchenorganisation, will sich zu den Vorwürfen gegenüber dem «Tages-Anzeiger» nicht äussern. Zu SRF sagt Pfister, die allermeisten Tierhalter würden die Gesetze korrekt einhalten. «Aber grundsätzlich schützen wir als Verband keine schwarzen Schafe.»

Mit der Kampagne «Arme Schweine» äussert sich TIF nicht zum ersten Mal zur Schweizer Schweinezucht. Bereits 2014 veröffentlichte die Organisation einen Report, der Missstände auf zehn Betrieben aufdeckte. Verändert hat sich seither aber offenbar nicht viel.

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132 Kommentare
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Gwendolyn

03.06.2020, 18:26

Darum bin ich schon lange Vegetarierin!🍀

pauli

03.06.2020, 12:34

hallo ich bin selber schweine züchter und möchte noch sagen das dise videoausschnite zu 100% nicht au der schweiz stammen....

Katze

03.06.2020, 12:24

Ich esse seit 30 Jahre kein Schweinefleisch. Weil hat mich krankgemacht.Wie lange sehen wir nur zu und die Tieren leiden.Jede muss selber entscheiden.