Aktualisiert 03.05.2020 20:18

Schau mal, was da alles krabbelt

So dreckig ist es in Schweizer Wohnungen

Es ist doch bloss Staub! Diesen Satz wird keiner mehr äussern, der die graue Substanz einmal durchs Mikroskop betrachtet hat. 20 Minuten hat den Blick gewagt.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Statt einen grossen Frühlingsputz durchzuführen, sollte man seine Wohnung besser regelmässig reinigen. Das zeigt die Hausstaubanalyse von 20 Minuten und Dyson.
  • Obwohl die teilnehmenden Haushalte sauber wirkten, ist das Ergebnis vor allem für Allergiker erschreckend: Die Konzentration der Allergene kann Asthmaattacken auslösen.
  • Die Analyse deckt ein gängiges Problem auf: Allergieauslöser-Hotspots wie Matratzen oder Sofas werden beim Saugen oft ausgelassen.
  • Im Video verraten zwei Fachleute, wie man dem Problem Hausstauballergie am besten begegnet.

Vorratsmilben, Hausstaubmilben, dazu noch Schimmelpilzproteine sowie Spuren von Insektenkot: Diese schauerliche Ausbeute wiesen Mikrobiologen im Staub zweier typischer und gleich grosser Schweizer Haushalte nach. Diese hatten auf Ansage zwei Wochen aufs Saugen verzichtet und den dann aufgenommenen Staub für die 20-Minuten-Analyse gespendet.

In der einen Wohnung sind zwei Erwachsene mit Hund daheim – hier fanden die Experten zusätzlich noch jede Menge Hunde- und Katzenhaarproteine vor – in r anderen lebt eine Person ohne tierischen Mitbewohner. Zumindest offiziell, denn hier wurde die Hülle einer Insektenlarve gefunden.

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Diese Ladung Hausstaub hat sich während zwei Wochen in einer Schweizer Wohnung angesammelt. So lange durften die Teilnehmer des 20-Minuten-Tests weder saugen noch wischen.

Diese Ladung Hausstaub hat sich während zwei Wochen in einer Schweizer Wohnung angesammelt. So lange durften die Teilnehmer des 20-Minuten-Tests weder saugen noch wischen.

Dyson
Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass genug Probenmaterial zusammenkam. Das Ziel war: mindestens drei Teelöffel an Staubproben zu sammeln. Geschafft haben das beide Haushalte.

Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass genug Probenmaterial zusammenkam. Das Ziel war: mindestens drei Teelöffel an Staubproben zu sammeln. Geschafft haben das beide Haushalte.

Dyson
Vorgeben war nicht nur die Menge an Staub, sondern auch die zu saugenden Räume: Im Labor wurden Proben aus Schlaf- und Wohnzimmer, Küche, Gang und dem Bad analysiert. Dies nicht nur von Hartböden, sondern auch von  Teppichen, Polstermöbeln und Matratzen.

Vorgeben war nicht nur die Menge an Staub, sondern auch die zu saugenden Räume: Im Labor wurden Proben aus Schlaf- und Wohnzimmer, Küche, Gang und dem Bad analysiert. Dies nicht nur von Hartböden, sondern auch von Teppichen, Polstermöbeln und Matratzen.

Dyson

Viel zu viele Allergene

Die nachgewiesenen Mengen an problematischen Stoffen stellen in beiden Fällen ein Risiko «für akute Asthmaattacken» dar, schreibt das vom Staubsaugerhersteller Dyson beauftragte Labor in seiner Auswertung. Wegen der Corona-Pandemie sind die Proben aus der Schweiz nicht extra nach Grossbritannien in die firmeneigenen Labors geschickt (siehe Box), sondern in Zug untersucht worden.

Ergebnis: Das Gesamt-Allergenkonzentration liegt in beiden Wohnungen «weit über 10 Mikrogramm pro Gramm Staub» – und damit deutlich zu hoch, wie Gem McLuckie, Mikrobiologin bei Dyson, erklärt: «Hausstauballergiker würden sofort ein Problem bekommen.» Nicht-Allergiker könnten sie dagegen eines bescheren (siehe Video oben).

Warum unterhält Dyson Staublabors?

Seit rund 18 Jahren untersucht das Unternehmen Haushaltsstaub. Um die Sauger so zu konzipieren, dass sie möglichst allen Staub aufnehmen, müssen die Ingenieure wissen, woraus dieser konkret besteht und wie sich die einzelnen Partikel im Raum verhalten. «Um echte Lösungen zu entwickeln, müssen wir uns realen Staub aus realen Wohnungen anschauen», erklärt Mikrobiologin Gem McLuckie. Dies geschieht mithilfe einer sogenannten Rasterelektronenmikroskops-Analyse. Der Staub stammt in der Regel aus den Wohnungen von Mitarbeitern.

Falsche Sicherheit

Das Ergebnis der Staub-Analyse ist umso erschreckender, weil beide Wohnungen mit blossem Auge absolut sauber erscheinen. «Das ist das Gemeine: Die allergieauslösenden Stoffe sieht man nicht», erklärt McLuckie. Deshalb würden sich viele Menschen in falscher Sicherheit wiegen.

Hinzu kommt, dass gewisse Milben-Hotspots konsequent vergessen werden, so die Mikrobiologin: «Die Leute sagen sich ‹Ich habe ja die Bettwäsche gewechselt, also ist da alles sauber!› Aber sie irren.» Die Allergene seien so winzig, dass sie problemlos durch die Stoffe durchgingen und sich in Matratzen, Kissen und Duvets anreicherten.

Lieber einmal mehr als weniger saugen

Weitere vernachlässigte Bereiche sind das Sofa und die Flächen hinter, aber auch auf den Möbeln – alles Ecken, bei denen man sich vornimmt, diese beim nächsten Saugen anzugehen und es dann doch nicht tut. Das Problem: Dort sammelt sich nicht nur der Staub an. Er verteilt sich von dort aus auch im ganzen Raum. Sobald ein Luftzug durchs Zimmer geht, wird er aufgewirbelt und verbreitet – und mit ihm die in ihm enthaltenen Allergene.

Entsprechend raten Experten wie McLuckie regelmässig, gründlich und lieber einmal mehr als zu wenig zu saugen.

Woraus Hausstaub besteht, warum er grau ist und ob die im 20-Minuten-Test nachgewiesenen Allergenkonzentrationen eigentlich besonders extrem sind, verrät das obige Video.

Eine der häufigsten Allergien

Neben Heuschnupfen zählt die Hausstaubmilbenallergie, kurz: Hausstauballergie, zu den häufigsten Allergien. Zwischen fünf bis acht Prozent der Menschen in der Schweiz leiden daran. Typische Symptome sind tränende oder juckende Augen, Husten, allergischer Schnupfen, Niesanfälle sowie allergische Reaktionen der Haut, etwa Schwellungen oder Rötungen. Bei einer schweren Hausstauballergie können auch Atemnot und allergisches Asthma bronchiale auftreten, eine chronische Erkrankung der Atemwege, bei der sich die Bronchien anfallsweise verengen.

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30 Kommentare
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James Kirk

05.05.2020, 16:36

Könnte auch eine stellare Wolke im All sein... :D

Cavi33

05.05.2020, 07:55

Für die Reinigung kann man getrost einen normalen Staubsauger nehmen. Habe auch noch einen Dyson, der ist schlechter als der normale Beutel - Staubsauger, nur schon das Reinigen des Dyson macht mehr Staub als das Saugen.

Oma

05.05.2020, 07:38

Ich liebe meinen konventionellen Staubsauger mit verschliessbarem Staubsack. Die Staubentleerung beim Dyson ist alles andere als hygienisch. Die Staubwolke im Abfalleimer lässt grüssen. Zudem ist der Dyson viel zu laut. Kann diesen Ton nicht mehr hören. Übrigens bin 80 jährig. Die Milben und der Coronavirus haben mich nicht gefressen trotz vieler Vorerkrankungen.