«Find, fix, finish»: So dreckig töten die Drohnen der USA
Aktualisiert

«Find, fix, finish»So dreckig töten die Drohnen der USA

Neu veröffentlichte geheime Dokumente geben Einblick in das Drohnenprogramm der USA. Von «sauberem» Töten kann keine Rede sein.

von
ldc

Sie nennen ihn bloss «die Quelle». Die Journalisten des Portals «The Intercept» um den Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald haben während Monaten geheime Dokumente ausgewertet, die ihnen ein anonymer Whistleblower zugespielt hat. Die Dokumente geben einen nie dagewesenen Einblick in das Innenleben des Drohnenprogramms der US-Regierung. Sowohl der US-Geheimdienst CIA als auch das Joint Special Operations Command (JSOC) des US-Militärs betreiben Tötungsprogramme, die vor allem auf Drohnen setzen. (Hier geht es zur Seite von «The Intercept».)

Das Weisse Haus stellt die Drohnenangriffe, die seit 14 Jahren betrieben werden, gegenüber der Öffentlichkeit stets als präzise Tötungsprogramme praktisch ohne zivile Opfer dar. Die geheimen Dokumente zeigen jedoch ein völlig anderes Bild. Der anonyme Zeuge begründet seinen Gang an die Öffentlichkeit denn auch mit diesem krassen Gegensatz: «Diese ungeheuerliche Praxis - Menschen zu überwachen, sie auf Listen zu sortieren und zu stapeln, ihnen Nummern zuzuweisen, ihnen Quartettkarten zuzuweisen, ihnen auf einem weltweiten Schlachtfeld Todesurteile ohne Ankündigung zuzuweisen - war von Anfang an falsch», wird er von The Intercept zitiert. «Wir, die amerikanischen Bürger, lassen zu, dass dies geschieht.» Von offizieller Seite wurde «The Intercept» eine Stellungnahme verweigert. Man kommentiere keine Details von geheimen Berichten, teilten das Verteidigungsministerium, das Weisse Haus und JSOC mit.

Das sind die wichtigsten Erkenntnisse aus den geheimen Dokumenten:

Zivile Opfer: Die Tötungsaktionen via Drohnen sind nicht so «sauber», wie von den USA dargestellt. Wo verlässliches Personal am Boden fehlt, verlässt man sich auf Signale von Mobiltelefonen oder Computern. Das kann fatale Folgen haben. So wurden etwa in Afghanistan zwischen Januar 2012 und Februar 2013 über 200 Menschen bei Drohnenangriffen getötet. Nur 35 waren tatsächliche Ziele gewesen. Im Jemen hatte Präsident Barack Obama bis Juni 2012 die Tötung von 16 Menschen abgesegnet, im ganzen Jahr 2012 wurden aber ebenfalls über 200 Menschen getötet.Die Befehlskette: Der Entscheid für eine Tötung wird gemäss den geheimen Dokumenten via eine lange Befehlskette getroffen, die bis zum US-Präsidenten reichen kann. Nach welchen Kriterien jemand auf der Todesliste landet, ist bis heute nicht öffentlich. Gemäss den Dokumenten war zunächst die Zugehörigkeit zu einer Terrorgruppe, die eine ernsthafte Bedrohung für die USA darstellt, ausschlaggebend. Später soll eine «akute Bedrohung für die US-Bevölkerung» sowie der Umstand, dass eine Person unmöglich gefangen genommen werden kann, als Bedingung verlangt worden sein.Das Vokabular des Tötens: «Find, fix, finish» lautet die offizielle Devise bei Tötungen via Drohnen. Informationen zu den Zielen werden gemäss den geheimen Dokumenten auf einer Art Quartettkarte dargestellt. Darauf würden in knapper Form die wichtigsten Angaben zusammengetragen.Über Deutschland

Es ist nicht das erste Mal, dass Innenansichten zum US-Drohnenprogramm an die Öffentlichkeit gelangen. Zuvor packte bereits ein langjähriger Mitarbeiter aus. Der 29-jährige Brandon Bryant hatte als sogenannter «Sensor Operator» Drohnen gesteuert. Er war an Angriffen im Irak, Afghanistan, Pakistan, Somalia und Jemen beteiligt. Heute wird er in Deutschland mit dem Whistleblower-Preis 2015 ausgezeichnet.

Dank Bryant wurde unter anderem bekannt, dass die Daten des Drohnenkriegs via den US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland übertragen werden. Eine direkte Steuerung der Kampfdrohnen finde dort allerdings nicht statt. Bryant stützt Aussagen von «The Intercept», etwa zu den zivilen Opfern. Zivile Opfer waren gemäss Bryant die Regel. Bereits Jungen ab zwölf Jahren hätten als legitime Ziele gegolten.

The Drone Papers: Die Startseite der Dokumentation über das US-Drohnenprogramm. (Screenshot)

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