17.05.2019 16:15

Chic

So edel geht Tiny House in Basel

Eines der ersten Tiny Houses steht in einem Wohngebiet im Baselland. Das Minihaus wurde gebaut, bevor es den Begriff «Tiny House» überhaupt gab.

von
Daniela Gschweng
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Diese beiden Häuser stehen in Basel. Zwar sehen sie nicht besonders klein aus ...

Diese beiden Häuser stehen in Basel. Zwar sehen sie nicht besonders klein aus ...

Daniela Gschweng
... mit 36 Quadratmetern Grundfläche gelten sie aber durchaus als Tiny Houses.

... mit 36 Quadratmetern Grundfläche gelten sie aber durchaus als Tiny Houses.

Daniela Gschweng
Die Kleinsthäuser stehen bereits seit 20 Jahren, lange bevor Tiny Houses ein Trend waren.

Die Kleinsthäuser stehen bereits seit 20 Jahren, lange bevor Tiny Houses ein Trend waren.

Daniela Gschweng

Ein Wohnquartier, ein Holzhaus. Von der rot gestrichenen Seitenwand blättert an einigen Stellen etwas Farbe ab. Die Bretter an der Front sind nachgedunkelt, was dem Haus eine angenehm genutzte Erscheinung gibt.

Häuser wie dieses gibt es Dutzende in der Schweiz. Wären da nicht die Dimensionen. Von den etwa zwölf Metern Fussweg vor dem Haus gehen zwei Hauseingänge ab. Da steht nicht ein Haus, da stehen zwei typähnliche Kleinsthäuser. Und zwar schon seit 18 Jahren.

Wenig Grundfläche, viel Luxus

Das eine Haus ist für Besucher geöffnet. Es ist vermutlich eines der ersten Tiny Houses der Schweiz. Sein Bau blieb weitestgehend unbemerkt. «Das Echo darauf war nicht besonders gross», erinnert sich der Besitzer Donat Kamber. Der Architekt und Bauherr hat das Haus selbst geplant. Kurz zuvor hatte er eine Reise nach China unternommen und liess sich von der dortigen Bauweise inspirieren. Ein Haus, fand er, müsse keine grosszügige Stube, mehrere WCs und viel Umschwung haben. So waren die Gepflogenheiten um die Jahrtausendwende, der Bau seiner Zeit weit voraus. Den Begriff Tiny House gab es noch nicht.

Das Haus in Aesch ist eher die Luxusversion von Tiny. 36 Quadratmeter Grundfläche sind nicht viel, dafür gibt es drei Stockwerke. Mit Keller, Eichenparkett, Fussbodenheizung, moderner Einbauküche, bodentiefen Fenstern und Aussicht auf die Aescher Klus wirkt der Wohnraum wie eine vertikale Variante eines Lofts. Darin finden sich eine grosse Wohnküche, ein Schlafzimmer, ein Bad mit WC und ein geräumiges Dachgeschoss. Zusammen macht das 94 Quadratmeter plus Keller, das ist alles andere als eng. Kambers letzte Mieter wohnten zu viert darin.

Wendeltreppe nimmt Platz weg

Einen guten Teil der Bodenfläche nimmt die Wendeltreppe ein. «Einen Meter breit», sagt Kamber. Gerne hätte er sie schmaler gemacht, aber das verbieten die Bauvorschriften, die in jeder Hinsicht auch für noch so kleine Häuser gelten. Für einen Planer bedeutet das viel Tüftelei. Die Bank habe das ungewöhnlich kleine Haus zuerst gar nicht finanzieren wollen, weil sie Schwierigkeiten hatte, seinen Wert einzuschätzen, erzählt der Bauherr.

Sehr viel einfacher sei es gewesen, es tatsächlich zu bauen. Das Treppenhaus liess Kamber an einem Stück fertigen, die Bauteile für die Wände fertigte eine Holzbaufirma aus Sursee. Das Dach besteht aus zwei Teilen, die einfach aufgesetzt wurden. Nach einer Woche war alles aufgestellt.

2400 Franken Miete

Derzeit nutzt der Architekt und Bauzeichner das Erdgeschoss als Arbeitsplatz und stellt Bilder der Chinareise im Haus aus, bis die nächsten Mieter einziehen. Bei unserem Besuch zeigt er auf eine der Analogfotografien: «Das hier ist ein typisch chinesisches Hofhaus mit Innenhof. Darin wohnten früher sogar mehrere Familien.» Gegenüber hängt ein Foto von singenden Tibeterinnen, die Kamber durch seine Beschreibung zum Leben erweckt. Die Reise hat ihn sichtlich beeindruckt.

Mit 2400 Franken Miete zählt das rote Holzhaus nicht zu den günstigen Objekten im Speckgürtel von Basel. Dafür sind die Nebenkosten niedrig. Das Haus hat Niedrigenergiestandard, eine sparsamere Norm gab es 2001 noch nicht. Und ein bisschen Umschwung hat es doch, entlang der Grenze zum Nachbarhaus, das in gleicher Weise gebaut ist, ist ein Rasenstreifen mit einem Quittenbaum darauf, der nicht bebaut werden darf. An den grünen Zweigen neben der Terrasse hängen noch die Früchte vom letzten Jahr.

Um die 350'000 Franken habe sein Holzbau gekostet, sagt Kamber. «Ökonomischer und kleiner ginge natürlich auch», versichert er. Beispielsweise ohne den Keller, der beim Bauen das teuerste ist, und mit weniger edler Ausstattung.

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