Tödlicher Unfall in der Badewanne - «So ein Schalter kann das Leben retten»
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Tödlicher Unfall in der Badewanne«So ein Schalter kann das Leben retten»

Laut den Behörden hätte ein Sicherheitsschalter die Tragödie von Gossau wohl verhindern können. Dass ein solcher in jeder vierten Wohnung fehlt, sorgt für Kritik.

von
Leo Hurni
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Letzte Woche verstarb eine junge Frau aufgrund eines Stromschlages. 

Letzte Woche verstarb eine junge Frau aufgrund eines Stromschlages.

Imago
Grund: Ihr Handy, das am Ladegerät angehängt war, fiel der Frau während des Badens in die Badewanne. 

Grund: Ihr Handy, das am Ladegerät angehängt war, fiel der Frau während des Badens in die Badewanne.

20min
Experten vermuten, dass ein sogenannter FI-Schalter, der im Stromkreis eingebaut ist, die Frau vielleicht hätte schützen können. Dieser schützt grundsätzlich vor dem Elektrisieren und gilt als Vorsichtsmassnahme vor einem Stromschlag.

Experten vermuten, dass ein sogenannter FI-Schalter, der im Stromkreis eingebaut ist, die Frau vielleicht hätte schützen können. Dieser schützt grundsätzlich vor dem Elektrisieren und gilt als Vorsichtsmassnahme vor einem Stromschlag.

Tamedia AG/ Raisa Durandi

Darum gehts

  • Nach dem tödlichen Stromunfall letzte Woche vermuten Experten, dass ein sogenannter FI-Schalter den Unfall hätte verhindern können.

  • In den meisten Wohnungen ist im Stromkreis ein solcher Schalter eingebaut, der vor Stromschlägen schützt.

  • In älteren Häusern kann es allerdings sein, dass kein solcher Schalter eingebaut ist.

Seit 1985 muss in jedem Badezimmer ein sogenannter FI-Schalter eingebaut werden (siehe Box). Dieser schützt grundsätzlich vor dem Elektrisieren und gilt als Vorsichtsmassnahme vor einem Stromschlag, so Nicolas Kessler, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU. Er ist überzeugt: «So ein Schalter kann das Leben retten.» Das, nachdem am Donnerstag eine junge Frau aufgrund eines Stromschlages in ihrer Badewanne ums Leben kam. Zum tödlichen Unfall kam es, nachdem das Mobiltelefon, das zum Laden an den Strom angeschlossen war, während des Badens ins Wasser fiel. Durch den entstandenen Stromschlag zog sich die 22-jährige Schweizerin tödliche Verletzungen zu.

Bei Gebäuden, die vor 1985 gebaut wurden, ist der FI -Schutzschalter allerdings keine Pflicht. Wie viele Gebäude das betrifft, ist unklar. «Genaue Zahlen gibt es nicht, doch vermutlich haben 20 bis 25 Prozent aller Gebäude wohl keinen FI-Schalter», schätzt André Moser, Technischer Experte beim eidgenössischen Starkstrominspektorat ESTI, auf Anfrage von 20 Minuten.

Auch Moser geht davon aus, dass «mit grosser Wahrscheinlichkeit» ein solcher Schalter den Unfall von letzter Woche hätte verhindern können. Moser betont nochmals: «Elektrische Anschlüsse und Erzeugnisse gehören nie in die Bereiche einer Badewanne oder Dusche.» Ob beim Unfall der jungen Frau von letzter Woche ein FI-Schalter fehlte, war bei der Kantonspolizei St. Gallen nicht zu erfahren.

«Das ist kein Vergleich zur tödlichen Gefahr»

Ein Elektroinstallateur sagt zu 20 Minuten, dass man gerade auf dem Land regelmässig Häuser antreffe, die über keinen FI-Schalter verfügten. Wichtig sei, dass man diesen als Laie nicht selbst installiere, dies könne wiederum einen Stromschlag nach sich ziehen. Ob der FI-Schalter im Fall Gossau den Tod der 22-jährigen Frau verhindert hätte, hänge vom genauen Ablauf ab. Jedoch biete ein solcher Schalter bereits einen Schutz.

Keine Nachrüstung sei inakzeptabel

«Ein FI-Schalter ist in jedem Badezimmer eine absolute Pflicht und seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit», sagt GLP-Präsident Jürg Grossen, selber Elektroplaner. Wohnungen, in denen dieser Sicherheitsmechanismus zumindest in Bädern und für Aussensteckdosen nicht nachgerüstet worden sei, seien absolut inakzeptabel. «Wenn er in diesem Fall gefehlt hätte, wäre das für mich eine Unterlassungssünde der Immobilienbesitzer. Die Hausbesitzer haben die Verantwortung, die Immobilien in gutem Zustand zu halten und die Sicherheit der Mieterinnen und Mieter zu gewährleisten. Benutzerinnen und Benutzer müssen aber trotzdem verantwortungsvoll handeln, am Stromnetz eingesteckte Geräte haben in der Nähe der Badewanne nichts zu suchen, da auch ein FI nicht in jedem Fall schützt.» Falls in vielen Wohnungen ein solcher FI-Schalter heutzutage jedoch immer noch fehle, brauche es doch eine gesetzliche Nachrüstpflicht.

Bereits 2017 wurde eine Nachrüstpflicht nach einem Unfall in Kehrsatz breit diskutiert – zwei Kinder starben beim Baden, als ein Haartrockner in die Badewanne fiel. Josef Schmucki, Experte für Niederspannungsinstallationen bei Electrosuisse, vermutete, dass die Todesfälle wohl dank FI-Schalter hätten verhindert werden können, wie «Der Bund» berichtete. Er forderte, dass Hauseigentümer ihre Altbauten schleunigst nachrüsten und auch eine gesetzliche Pflicht begrüsste Schmucki.

Die FI-Schalter

Fehlerstrom-Schutzschalter, auch bekannt als FI-Schalter («F» für das Wort Fehler und «I» für das Formelzeichen der elektrischen Stromstärke) sind für Steckdosen in Badezimmer und Aussenräumen seit 1985 Pflicht. Seit 2010 gilt diese Pflicht für alle Steckdosen in Wohnräumen. Das gilt allerdings nur für Neubauten oder Sanierungen der Elektroanlagen. Für ältere Gebäude und Wohnungen gilt die FI-Schalter-Pflicht nicht. «Ein FI-Schutzschalter schützt grundsätzlich vor dem Elektrisieren. Wenn jemand ein ungenügend isoliertes Gerät berührt, fliesst der Strom durch seinen Körper. Ein FI-Schalter unterbricht diesen Fehlerstrom sofort. Er kann damit das Leben retten», sagt Nicolas Kessler, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU.

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