Aktualisiert 04.03.2011 22:55

Livia und Alessia«So eine Suche gab es noch nie in der Schweiz»

Hunderte Freiwillige haben sich bei Swiss Missing bereits eingetragen. Sie alle wollen helfen nach Livia und Alessia zu suchen.

von
Annette Hirschberg

«450 Personen haben sich in den letzten 48 Stunden eingetragen und es werden noch viele mehr», sagt Ives Toutounghi. Der Chef des Suchteams bei Swiss Missing ist überwältigt vom Echo auf den Aufruf zur Suche nach Livia und Alessia. «So viele Freiwillige haben in der Schweiz noch nie nach Vermissten gesucht.» Am Donnerstag hatte die Mutter Irina L. zur Mithilfe bei der Suche nach den vermissten Zwillingen aufgerufen. Die Suche soll sich dabei auf die Region Lausanne konzentrieren, denn Irina L. vermutet, ihre Kinder könnten die Schweiz gar nie verlassen haben.

Dass das ungewisse Schicksal der beiden 6-jährigen Mädchen bewegt, zeigt auch die Facebook-Seite «Missing Alessia & Livia». Diese hat bereits gegen 40 000 Anhänger weltweit. Auch bei Swiss Missing haben sich nicht nur Schweizer, sondern Personen aus ganz Europa eingetragen. «Die meisten Freiwilligen kommen aber aus der Region Lausanne», sagt Ivan Schmidt, der Präsident von Swiss Missing.

Kein Alarm vor Dienstag

Bei der Vermissten-Organisation rechnet man damit, dass von den Hunderten Freiwilligen etwa ein Viertel tatsächlich kommt. Entsprechend komplex ist die Organisation der Suche. «Wir müssen Suchsektoren definieren und einen geeigneten Treffpunkt finden, von dem aus die Suche in Gruppen gestartet werden kann», sagt Ives Toutounghi. Dabei arbeitet der Vorstand von Swiss Missing intensiv mit der Polizei zusammen.

Die Stifung braucht noch Zeit, um alles in die Wege zu leiten. Darum bittet der Suchchef die Freiwilligen, sich zu gedulden. «Vor nächstem Dienstag gibt es keinen Aufruf», so Toutounghi. An diesem Tag trete die Familie erneut vor die Medien. «Danach wird möglicherweise ein Aufruf per E-Mail verschickt.»

Das E-Mail enthalte nebst dem Treffpunkt, Datum und Zeit auch eine Checkliste für die Freiwilligen. «Das Minimum sind gute Schuhe, bequeme Kleider und ein Rucksack mit etwas zu trinken», sagt Toutounghi.

Swiss Missing

Ein Verein gründete 2007 eine Datenbank mit dem Ziel, die Suche nach vermissten Personen zu verbessern und schweizweit zu koordinieren. 2009 wurde der Verein in Swiss Missing umbenannt, 2010 in eine Stiftung überführt. Seither kann sich jedermann bei Swiss Missing eintragen lassen und erhält per SMS jede Vermisstmeldung, die die Schweizer Polizei herausgibt. Daneben lässt der Verein Mantrailing-Hunde ausbilden und baut ein Netzwerk von freiwilligen Hundeführern auf, die bei Vermisstmeldungen eingesetzt werden können. Daneben gibt es ein Freiwilligen-Team, das sich in Zusammenarbeit mit der Polizei an der Suche nach vermissten Personen beteiligt.

Stand der Ermittlungen

Der Vater der beiden vermissten Waadtländer Zwillingsschwestern Alessia und Livia soll sich nach neuesten Erkenntnissen in der Nacht auf den 31. Januar in der Region um Montélimar (F) aufgehalten haben. Die Polizei lancierte am Freitag in Marseille einen entsprechenden Zeugenaufruf. Anschliessend sei der Zwillingsvater nach Marseille gefahren, habe Geld abgehoben und drei Billette für die Fähre nach Propriano, Korsika, gekauft, gaben die Ermittler weiter an. Während es eindeutige Zeugenaussagen gebe, wonach sich der Vater an Bord der Fähre befunden habe, fehlten gesicherte Angaben zum Aufenthalt der beiden Mädchen. Es gebe weder Fotos, Videos noch DNA-Spuren, welche den Schluss zuliessen, dass die Zwillinge mit der Fähre nach Korsika gelangten, zitierte die Nachrichtenagentur AFP eine mit den Untersuchungen vertraute Person. Ebenfalls weise nichts darauf hin, dass eine Komplizin des Vaters an Bord gewesen sei. (SDA)

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