Handwerksbetriebe leiden - «So einen Rohstoffmangel habe ich noch nie erlebt»
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Handwerksbetriebe leiden«So einen Rohstoffmangel habe ich noch nie erlebt»

Baustoffe sind schon länger rar. Der Stau im chinesischen Hafen verschlimmert die Situation. Besonders kleine Handwerksbetriebe leiden: Das Material wird immer teurer und knapper.

von
Barbara Scherer
Fabian Pöschl
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«Ich bin seit 40 Jahren selbständig, aber so einen Rohstoffmangel habe ich noch nie erlebt. Deshalb sind auch die Rohstoffpreise explodiert. Holzplatten kosten 40 Prozent mehr. Offerte sind wegen der Preisschwankungen nur noch im Zwei-Wochen-Takt gültig, früher ein ganzes Jahr. Nicht nur den Baustellen fehlt das Material, auch wir als kleiner Schreinereibetrieb leiden.»
George Horzsa, 61, Horzsa Schreinerei + Innenausbau AG in Zürich

«Ich bin seit 40 Jahren selbständig, aber so einen Rohstoffmangel habe ich noch nie erlebt. Deshalb sind auch die Rohstoffpreise explodiert. Holzplatten kosten 40 Prozent mehr. Offerte sind wegen der Preisschwankungen nur noch im Zwei-Wochen-Takt gültig, früher ein ganzes Jahr. Nicht nur den Baustellen fehlt das Material, auch wir als kleiner Schreinereibetrieb leiden.»

20min/Taddeo Cerletti
«Gewöhnliche Holzplatten oder Schubladenauszüge bekamen wir normalerweise einen Tag später geliefert, jetzt müssen wir Kunden auf Oktober vertrösten. Wenn sie einen schönen Tisch fürs Homeoffice wollten, ist das schon hart für sie. Sie können aber nicht mit der Konkurrenz drohen, weil denen das Material auch fehlt. Aber die meisten haben Verständnis, dass es nicht schneller geht, weil die USA und China den Markt leer kaufen.»
Murat Güzel, 47, Horzsa Schreinerei + Innenausbau AG in Zürich

«Gewöhnliche Holzplatten oder Schubladenauszüge bekamen wir normalerweise einen Tag später geliefert, jetzt müssen wir Kunden auf Oktober vertrösten. Wenn sie einen schönen Tisch fürs Homeoffice wollten, ist das schon hart für sie. Sie können aber nicht mit der Konkurrenz drohen, weil denen das Material auch fehlt. Aber die meisten haben Verständnis, dass es nicht schneller geht, weil die USA und China den Markt leer kaufen.»

20min/Taddeo Cerletti
«Ich bin ein Einmannbetrieb und baue vor allem Möbel und mache Innenausbau. All mein Material beziehe ich vorzu und habe nichts auf Lager. Bisher habe ich immer alles bekommen, was ich gebraucht habe. Das könnte natürlich daran liegen, dass ich sehr wenig Material brauche. Während ein Grossbetrieb 50 Spanplatten benötigt, sind es bei mir halt nur zwei – und das hat jeder Händler auf Lager für mich. Was ich aber spüre sind die Preisaufschläge. Für das gleiche Material zahle ich plötzlich zwischen 5 und 20 Prozent mehr. Das geht an den Kunden weiter. Es ist wirklich ärgerlich!»
Hugo Frei, 57, Schreinerei Frei in Bachenbülach

«Ich bin ein Einmannbetrieb und baue vor allem Möbel und mache Innenausbau. All mein Material beziehe ich vorzu und habe nichts auf Lager. Bisher habe ich immer alles bekommen, was ich gebraucht habe. Das könnte natürlich daran liegen, dass ich sehr wenig Material brauche. Während ein Grossbetrieb 50 Spanplatten benötigt, sind es bei mir halt nur zwei – und das hat jeder Händler auf Lager für mich. Was ich aber spüre sind die Preisaufschläge. Für das gleiche Material zahle ich plötzlich zwischen 5 und 20 Prozent mehr. Das geht an den Kunden weiter. Es ist wirklich ärgerlich!»

Privat

Darum gehts

  • Metall, Holz, Kunststoffe und Dämmmaterial fehlt hierzulande.

  • Grund ist eine hohe Nachfrage nach Baustoffen und der Mega-Stau in China.

  • Kleine und mittlere Handwerksbetriebe leiden besonders unter der Situation.

  • Betroffene erzählen.

Im chinesischen Hafen Yantian staut es seit Wochen. Das führt weltweit zu Lieferverzögerungen und Engpässen. Viele Produkte fehlen zurzeit. Besonders knapp werden Baumaterialien. Denn China und die USA fahren ihre Produktion hoch und benötigen darum richtig viele Rohstoffe. Das bekommen nun die Schweizer Handwerksbetriebe zu spüren.

So haben fast die Hälfte der kleinen und mittleren Betriebe hierzulande Probleme bei der Verfügbarkeit von Materialien, wie das Handwerker-Portal Ofri in einer Medienmitteilung schreibt. Besonders auf Metall, Holz, Kunststoffe und Dämmmaterial müssen die Firmen zurzeit länger warten oder zahlen mehr dafür.

Kunden müssen bis Oktober vertröstet werden

«Holzplatten kosten 40 Prozent mehr. Offerte sind wegen der Preisschwankungen nur noch im Zwei-Wochen-Takt gültig, früher ein ganzes Jahr», sagt George Horzsa zu 20 Minuten. Er betreibt in Zürich eine kleine Schreinerei. So einen Rohstoffmangel habe er noch nie erlebt.

So muss die Firma etwa mehrere Monate auf gewöhnliche Holzplatten warten. «Normalerweise bekamen wir die einen Tag später», sagt Mitarbeiter Murat Güzel. Kunden müssten nun bis Oktober vertröstet werden. «Wenn sie einen schönen Tisch fürs Homeoffice wollten, ist das schon hart für sie», so Güzel.

Auch Schreiner Hugo Frei aus Bachenbülach ZH leidet unter den Preisaufschlägen: «Für das gleiche Material zahle ich plötzlich zwischen fünf und 20 Prozent mehr. Das geht an den Kunden weiter», sagt Frei. Die Situation sei ärgerlich. Material bekomme er bisher aber ohne Probleme.

Mit diesen Problemen sind die Schreiner nicht alleine. Handwerker aus anderen Branchen leiden ebenfalls unter dem Rohstoffmangel. Mehr dazu erfährst du in der Bildergalerie oben.

George Horzsa von der Schreinerei Horzsa Schreinerei + Innenausbau in Zürich fehlt das Baumaterial. Was er bekommt, kostet plötzlich viel mehr. Im Interview erklärt er, was das für seinen Betrieb bedeutet.

Video: 20min/Taddeo Cerletti

Einer der geschäftigsten Containerhäfen der Welt

Das Yantian International Container Terminal ist ein Tiefwasserhafen in Shenzhen, Guangdong, China. Der Hafen ist spezialisiert auf den Umschlag von Containern aller Art, von kleinen Frachtschiffen bis zu sehr grossen Containerschiffen. Nach Schanghai, Singapur und Ningbo ist Yantian die Nummer vier auf der Liste der geschäftigsten Containerhäfen der Welt.

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