Wahlkampf-Song: So einfach stürmte die SVP die Hitparade
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Wahlkampf-SongSo einfach stürmte die SVP die Hitparade

Die SVP freut sich über Platz sechs von «Welcome to SVP» in den Schweizer Single-Charts. Insider sagen: Dafür brauche es gar nicht viele Käufer.

von
gbr
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So posiert die SVP-Führungsriege auf der Website für ihren neuen Wahlkampfsong.

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Das CD-Cover sieht so aus.

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Die SVP-Grössen nehmen sich selbst auf die Schippe: Verteidigungsminister Ueli Maurer spielt mit Mini-Gripen.

Die SVP-Grössen nehmen sich selbst auf die Schippe: Verteidigungsminister Ueli Maurer spielt mit Mini-Gripen.

DJ Tommy alias Nationalrat Thomas Matter ist zufrieden mit dem Wahlkampf-Coup der Schweizerischen Volkspartei: «Welcome to SVP» stieg auf Anhieb auf Platz 6 der Single-Charts ein. Matter, bei der Genossenschaft für Komponisten, Textautoren und Musikverleger Suisa offiziell als Texter und Komponist des Songs aufgeführt, sagt zu 20 Minuten, er freue sich, «dass der Song so gut ankommt». Wie viele SVP-Fans haben das Lied denn bisher erworben? «Ich habe bisher keine genauen Verkaufszahlen erhalten», sagt der Banker. Die Zahlen seien ihm auch nicht so wichtig.

Die Schweizer Chart-Platzierungen werden von der Firma GfK Entertainment AG (früher Media Control AG) im Auftrag der Ifpi Schweiz, dem Branchenverband der Musiklabels, erstellt. General Manager Andy Renggli konnte keine Angaben zu den konkreten Verkaufszahlen des Wahlkampf-Lieds machen. «Im Normalfall braucht es mindestens 2000 Units für die Top Ten», sagt Renggli. Auch Streaming-Hörer werden miteingerechnet: Derzeit gelten 114 gehörte Online-Streams als eine verkaufte Single.

Rapide sinkende Einnahmen

Nur 2000? Gut möglich angesichts des Zustands des Schweizer Musikmarktes. Erstens sind die derzeitigen Hitparadenplätze 1 bis 5 von Songs besetzt, die schon seit 6, 9, 25, 9 und 12 Wochen in den Charts sind – sie werden sich diese Woche kaum besonders oft verkauft haben, weshalb ein Chart-Einstieg besonders einfach gewesen sein dürfte.

Zweitens hat sich der Tonträger-Gesamtumsatz der Schweizer Ifpi-Mitglieder innert der vergangenen fünf Jahre halbiert – von 167,7 Millionen Franken (2009) auf 84,8 Millionen Franken (2014). Die Einnahmen aus dem Streaming-Bereich nehmen zwar zu, können die übrigen Verluste aber nicht im Ansatz wettmachen. Im Jahr 2014 verzeichnete sogar die Digital-Sparte eine Umsatzeinbusse gegenüber dem Vorjahr.

Platz 1? Ein Kinderspiel!

Ein Insider aus der Musikszene, der selbst schon Chart-Erfolge feiern durfte, aber namentlich nicht genannt werden möchte, zweifelt sogar an den genannten 2000. Er sagt zu 20 Minuten: «Es braucht nicht mehr so viel für einen Platz in den Schweizer Top Ten.»

Ein anderer Kenner der Schweizer Musikbranche, der ebenfalls anonym bleiben will, sagt: «Für Platz sechs haben die wohl 1500 Downloads gemacht.» Ein SRF-3-Musikredaktor brachte es schon letztes Jahr auf den Punkt: «Platz 1 in der Hitparade? Ein Kinderspiel!»

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