Aktualisiert 12.12.2016 11:28

Experten-TippsSo entfaltet Ihre Spende die maximale Wirkung

Fokussieren statt verzetteln, die Briefflut eindämmen und richtig kündigen: Experten erklären, wie Sie Ihre Spendengelder effizient einsetzen.

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pam
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Wie sorge ich dafür, dass meine Spendengelder möglichst effektiv eingesetzt werden? Experten raten: Fokussieren, im Ausland spenden oder den Verwaltungsaufwand für das Hilfswerk minimieren.

Wie sorge ich dafür, dass meine Spendengelder möglichst effektiv eingesetzt werden? Experten raten: Fokussieren, im Ausland spenden oder den Verwaltungsaufwand für das Hilfswerk minimieren.

Corris
Robert Purtschert, ehemaliger Professor am Institut für Verbandsmanagement an der Uni Freiburg, ergänzt: «Wer seine Spende laufend an eine andere Organisation gibt, setzt jedes Mal administrative Vorgänge mit Kostenfolgen in Gang.» Darum empfiehlt er, die Hilfswerke nicht jedes Jahr zu wechseln, um die Unkosten tief zu halten.

Robert Purtschert, ehemaliger Professor am Institut für Verbandsmanagement an der Uni Freiburg, ergänzt: «Wer seine Spende laufend an eine andere Organisation gibt, setzt jedes Mal administrative Vorgänge mit Kostenfolgen in Gang.» Darum empfiehlt er, die Hilfswerke nicht jedes Jahr zu wechseln, um die Unkosten tief zu halten.

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Viele Spenderinnen und Spender müssen laut Purtschert von den Hilfswerken immer wieder angefragt, gebeten oder eben motiviert werden, weiter zu spenden. Wer also zwar einen fixen Betrag spenden will, von dieser Organisation aber keine weitere Information oder keine weiteren Aufrufe wünscht, sollte dies dem Hilfswerk mitteilen, rät Martina Ziegerer von der Stiftung Zewo.

Viele Spenderinnen und Spender müssen laut Purtschert von den Hilfswerken immer wieder angefragt, gebeten oder eben motiviert werden, weiter zu spenden. Wer also zwar einen fixen Betrag spenden will, von dieser Organisation aber keine weitere Information oder keine weiteren Aufrufe wünscht, sollte dies dem Hilfswerk mitteilen, rät Martina Ziegerer von der Stiftung Zewo.

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Die Schweizer sind ein spendables Volk: Über 1,7 Milliarden Franken wurden letztes Jahr für gemeinnützige Zwecke aufgewendet. Auch dieses Jahr dürften die Hilfswerke in der Vorweihnachtszeit noch alle Hebel in Gang setzen, um ihr Spendenziel zu erreichen. Doch wie stellt man als Kleinspender sicher, dass das gesprochene Geld möglichst effizient eingesetzt wird? 20 Minuten hat Tipps von Experten gesammelt.

Auf wenige Organisationen fokussieren

Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der Stiftung Zewo, rät davon ab, die Spende möglichst breit zu streuen und viele Hilfswerke zu berücksichtigen. «Auch wenn in der Vorweihnachtszeit viele Sammlungsaufrufe von Hilfswerken im Briefkasten sind, lohnt es sich, zu fokussieren.» Man sollte sich überlegen, welche Anliegen einem wirklich wichtig sind und dann eine seriöse Organisation auswählen, die sich dafür einsetzt. «Indem man den Spendenbetrag auf wenige sorgfältig ausgewählte Hilfswerke verteilt und diese längerfristig unterstützt, reduziert man den Werbeaufwand.»

Robert Purtschert, emeritierter Professor am Institut Verbandsmanagement an der Uni Freiburg, ergänzt: «Wer seine Spende laufend an eine andere Organisation gibt, setzt jedes Mal administrative Vorgänge mit Kostenfolgen in Gang.» Bei den Standaktionen in den Strassen beispielsweise fliesse die erste Spende direkt an die Fundraising-Agentur und nicht an das Hilfswerk. «Solche Engagements sollten mindestens fünf Jahre aufrechterhalten werden, damit deckt die erste Spende aufs Ganze gesehen 20 Prozent der Unkosten, was ein akzeptabler Wert ist.»

Statt sich rein auf die Administrations- und Werbekosten zu konzentrieren, empfiehlt Jonas Vollmer von der Stiftung für einen effektiven Altruismus auch die Effizienz der Projekte genau zu prüfen. «Eine Organisation mit tiefem Verwaltungsaufwand kann ihre Gelder genauso in unwirksame Projekte investieren.» Vollmer plädiert darum dafür, sein Geld dort einzusetzen, wo es die grösste Wirkung entfalten kann: «Mit einer Spende von hundert Franken kann in einem Entwicklungsland zehn- bis hundertmal mehr erreicht werden als hierzulande.»

Unnötige Werbeversände vermeiden

Viele Spenderinnen und Spender müssen laut Purtschert immer wieder angefragt, gebeten oder eben motiviert werden, weiter zu spenden. Wer also zwar einen fixen Betrag spenden will, von dieser Organisation aber keine weitere Information oder weitere Aufrufe wünscht, sollte dies dem Hilfswerk mitteilen, rät Martina Ziegerer.

Diese Strategie empfiehlt sich auch für Personen, die ihre Zahlungen eingestellt haben: Denn wer noch in den Adressdatenbanken gespeichert ist, bekommt möglicherweise weiterhin Spendenbriefe nach Hause geschickt. Robert Purtschert empfiehlt, in einem solchen Fall die Adresse löschen zu lassen.

Kleine, unbekannte Organisationen unterstützen oder lieber die Etablierten?

«Ein neues, noch nicht bekanntes Hilfswerk muss einiges investieren, um bekannt zu werden», erklärt Robert Purtschert, denn jeder «Markenaufbau» koste. Etablierte Hilfswerke hätten da einen Vertrauensbonus, was die Fundraisingkosten senke.

Wichtiger als die Grösse der Organisation ist für Jonas Vollmer von den effektiven Altruisten die Frage nach der Finanzierungslücke: Grosse Organisationen verwenden eine private Kleinspende oft nicht für die angegebenen Projekte, weil diese ohnehin bereits finanziert sind.

«Entscheidend ist, sich intensiv mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis des unterstützten Projekts auseinanderzusetzen», sagt Vollmer. Dabei könnten wissenschaftliche Analysen zur Wirksamkeit der Hilfswerke helfen, wie sie etwa der Evaluator Givewell bietet.

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