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US-WahlenDas sind die Folgen für die Wirtschaft, wenn Trump oder Biden Präsident wird

Der US-Wahlkampf spitzt sich zu. Doch das Rennen ist noch völlig offen. Wer wäre der bessere US-Präsident für die Wirtschaft in den USA, weltweit und in der Schweiz?

von
Fabian Pöschl

Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz, spricht über die Auswirkungen der Wahl von Donald Trump oder Joe Biden auf die Wirtschaft.

Darum gehts

  • Am 3. November wählen die US-Amerikaner ihren Präsidenten.

  • Die Kandidaten Donald Trump und Joe Biden haben völlig unterschiedliche Pläne für die Wirtschaft.

  • 20 Minuten macht den Vergleich.

Der US-Wahlkampf geht in die heisse Phase. Kurz vor dem Wahltag am 3. November schrumpft der Vorsprung des Herausforderers Joe Biden in wichtigen Wechselwählerstaaten: In Florida liegt Amtsinhaber Donald Trump gemäss dem von der News-Site «RealClearPolitics» errechneten Wahlumfragen-Durchschnitt sogar erstmals vorne.

Während sich die Wähler noch uneins sind, haben sich die Börsianer bereits entschieden: Sie wollen Biden, weil sie sich von ihm massive staatliche Subventionen versprechen. Dafür müssten seine Demokraten aber auch die Mehrheit im bisher republikanisch dominierten Senat übernehmen.

Doch wer wäre der bessere US-Präsident für die Wirtschaft in den USA, weltweit und in der Schweiz?

US-Wirtschaft

Um die krisengeschüttelte US-Wirtschaft anzuschieben, setzt Trump auf Deregulierung und Steuersenkungen. Ausserdem setzt er sich für fossile Energien wie Öl und vor allem Gas ein. Vor der Corona-Krise brachte er die Wirtschaft auf Kurs. «Trump brachte die Arbeitslosigkeit auf ein historisches Tief, vor allem für Minderheiten war das positiv», sagt Martin Naville, Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, zu 20 Minuten.

Das Programm von Biden sieht hingegen deutlich höhere Staatsausgaben und eine Erhöhung der Unternehmenssteuer vor. Dafür will er den Mindestlohn auf 15 Dollar verdoppeln. Der demokratische Kandidat will nach seiner Wahl ausserdem auf erneuerbare Energien setzen und so die CO₂-Emissionen bis 2050 auf null senken. Beim TV-Duell vor einer Woche warf Trump seinem Kontrahenten deshalb vor, die Ölindustrie zerstören zu wollen. Auch die Finanz- und Pharmabranche will Biden stärker regulieren.

Sollte Biden gewinnen und die Demokraten die Mehrheit im Senat übernehmen, wäre das kurzfristig positiv für die USA, wie Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz, sagt: «Die deutlich höheren Staatsausgaben unter Biden würden die Wirtschaft ankurbeln.» Auch der Konsum würde durch den erhöhten Mindestlohn anziehen. Allerdings fürchten die Unternehmen und Anleger die geplante Steuererhöhung und die Regulierungen im Finanz-, Pharma- und Energiesektor.

Weltwirtschaft

Trump verhängte in seiner ersten Amtszeit etliche Zölle für Waren vor allem aus China. Betroffen war aber auch Europa. Das kommt beim US-Wähler gut an. «Trump macht endlich etwas gegen das Ungleichgewicht. Die EU hat 50 Prozent höhere Zölle als die USA, China 200 Prozent höhere Zölle», sagt Naville.

Trumps Kontrahent hingegen will zumindest den Kanadiern und Europäern keine Zölle mehr auferlegen. Und in der Handelspolitik mit China will er die amerikanischen Verbündeten konsultieren. Das versprachen Bidens Topberater am Mittwoch in einem Interview mit Reuters.

Unter Trump würde es weitergehen mit der aggressiven Handelspolitik. «Das würde dem internationalen Handel einen Dämpfer geben», sagt Matthias Geissbühler von Raiffeisen Schweiz. Unter Biden würde der globale Handel profitieren. Allerdings werde auch Biden China nicht mit offenen Armen empfangen. «Die aggressive Haltung gegenüber China ist in den USA breit abgestützt», so Geissbühler.

Schweizer Wirtschaft

Trotz der von Trump verhängten Handelszölle ist Amerika zum Exportschlager für Schweizer Produkte geworden. Nicht einmal ins benachbarte Deutschland exportiert die Schweiz so viel wie in die USA, wie Naville sagt. Ob Biden oder Trump gewählt wird, würde daran nichts ändern: «Die Schweiz hatte mit allen US-Präsidenten in den vergangenen Jahren beste Wirtschaftsbeziehungen.»

Sollte Biden allerdings die Pharmabranche wie angekündigt stärker regulieren, würden darunter auch die Schweizer Pharmariesen leiden. «Die Pharmaindustrie ist die wichtigste Exportbranche für die Schweiz, und die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für Novartis und Roche», sagt Geissbühler.

Donald Trump vs. Joe Biden

So geht es nach dem 3. November weiter

03.11. Wahltag

14.12. Electoral College wählt Präsident und Vize

6.1.21. Auszählung der Stimmen der Wahlmänner und -frauen

20.1.21 Amtseinführung in Washington

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19 Kommentare
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Frangy 71

02.11.2020, 11:47

Der 'Präsident' behauptet, es wäre nichts ungerechtes. zu versuchen, Bidens Tourbus von der Strasse zu drängen. Also wäre es auch nichts ungerechtes, Trumps Wagenkolonne von der Strasse zu drängen. Ist der Kerl eigentlich noch bei Sinnen?

uli

02.11.2020, 11:33

egal ob links oder recht! aber haben die nur greise oder was??

Aktionärin

02.11.2020, 11:21

Es ist absolut egal wer neuer US- Präsident wird. Ob es der Sleepy Joe wird oder Donald Trump für weitere 4 Jahre wursteln darf. Hauptsache die Finanzmärkte werden weltweit weiterhin mit viel billigem Geld geflutet. Nach den US- Wahlen soll auch endlich das Billionen schwere Konjunkturpaket unterzeichnet werden.