«Portion Zufall»: So erklären die Kantone die grossen Unterschiede bei den Corona-Zahlen
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«Portion Zufall»So erklären die Kantone die grossen Unterschiede bei den Corona-Zahlen

Während immer mehr Kantone zu Corona-Hotspots werden, verbreitet sich das Virus im Baselbiet derzeit am langsamsten. Was macht die Nordwestschweiz besser?

von
Daniel Graf
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Die tiefste 14-Tages-Inzidenz hat derzeit der Kanton Basel-Landschaft.

Die tiefste 14-Tages-Inzidenz hat derzeit der Kanton Basel-Landschaft.

keystone-sda.ch
Viele Kantone kennen Auflagen für die Clubs, im Tessin wurden sie wieder ganz geschlossen.

Viele Kantone kennen Auflagen für die Clubs, im Tessin wurden sie wieder ganz geschlossen.

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Gut sieht es derzeit in Luzern aus.

Gut sieht es derzeit in Luzern aus.

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Darum gehts

  • Bei den Corona-Fallzahlen gibt es grosse kantonale Unterschiede.
  • Am tiefsten sind die Zahlen im Kanton Basel-Landschaft, am höchsten in Genf.
  • Die tiefen Zahlen im Baselbiet seien auch der Disziplin der Bevölkerung zu verdanken, sagen die Behörden.
  • Die Gefahr, dass die Zahlen wieder steigen, bestehe aber immer.

Die steigenden Fallzahlen haben in diversen Kantonen zu schärferen Massnahmen geführt. Ein Blick auf die Schweizerkarte zeigt: Die Fallzahlen variieren stark, je nach Kanton liegt die 14-Tage-Inzidenz zwischen 34 in Baselland und 210 in Genf (Stand 9. Oktober 8 Uhr). Damit wird angegeben, wie viele Personen in den letzten 14 Tagen pro 100’000 Einwohner positiv getestet wurden. In Genf haben sich im Verhältnis zur Bevölkerung in den letzten zwei Wochen also mehr als sechsmal mehr Personen angesteckt als im Baselbiet.

Doch was macht der Kanton Basel-Landschaft besser als der Rest der Schweiz? Rolf Wirz, Kommunikationsleiter der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, sagt, dass diverse Faktoren eine Rolle spielten: «Wir sind ein ländlicher Kanton, grosse Clubs oder Bars gibt es bei uns nur wenige. Das vermindert sicher das Risiko von Superspreader-Events.» Dazu komme ein effizientes Contact-Tracing: «Es gelingt uns momentan gut, die Leute zu kontaktieren, welche in Quarantäne oder Isolation müssen.»

«Wir sind nicht obrigkeitsgläubiger»

Dass die Baselbieter obrigkeitsgläubiger sind und sich deshalb besser an die Massnahmen halten als etwa die Städter in Zürich, glaubt Wirz nicht. Aber: «Wir haben die Massnahmen stets mit Augenmass verhängt.» Schon im Juni habe die Baselbieter Regierung kommuniziert, dass dass es mittelfristig um ein «Leben mit dem Virus» gehe: «Eine Maskenpflicht in Läden können viele Menschen nicht nachvollziehen, darauf haben wir bisher verzichtet. Ich bin überzeugt, dass die Menschen sich eher an die Massnahmen halten, wenn sie diese verstehen und für angebracht halten.»

Auch der Kanton Aargau bleibt derzeit von hohen Fallzahlen verschont. Der Kommunikationschef des Gesundheitsdepartements, Michael Hassler, führt dies hauptsächlich auf die ergriffenen Massnahmen zurück: In Bars und Clubs wurde die Anzahl und Personen beschränkt und eine Ausweispflicht eingeführt. An Veranstaltungen, an denen der Abstand nicht eingehalten werden kann und keine Masken getragen werden, dürfen höchstens 100 Personen teilnehmen. Und bei lokalen Ausbrüchen, etwa an zwei Schulen, wurde ebenfalls reagiert und eine befristete Maskenpflicht verhängt.

«Zahlen werden sich wohl angleichen»

«All diese Massnahmen zeigen Wirkung», ist Hassler überzeugt. «Es wäre aber falsch, die aktuelle Situation auf einzelne Massnahmen zurückzuführen.» Denn: Entscheidend dafür, wie stark das Virus sich verbreite, sei letztlich das Verhalten der Bevölkerung. Das dürfte sich laut Hassler nicht wesentlich von anderen Kantonen unterscheiden. «Früher oder später wäre also ein Angleich an andere Kantone zu erwarten, wobei sich das Virus in Ballungszentren besser verbreiten dürfte», sagt Hassler. Und: «Eine gewisse Portion Zufall ist natürlich auch dabei.»

Ähnlich tönt es von Guido Graf, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements von Luzern: «Die aktuell tiefen Zahlen sind unter anderem wohl mit dem Zusammenspiel der verschiedenen Schutzmassnahmen zu erklären.» Ob die Luzerner disziplinierter seien als die Zürcher oder die Genfer, könne Graf nicht sagen. Es brauche jetzt weiterhin wirksame Massnahmen und die Disziplin der Bevölkerung. «Auch auf ein Quäntchen Glück sind wir weiterhin angewiesen.»

Auch Wirz sagt, Baselland dürfe sich nun nicht auf den Lorbeeren ausruhen: «Auch bei uns steigen die Zahlen. Doch wenn ich von meinem Arbeitsplatz aus den Bahnhof und die Disziplin der Leute beim Maskentragen beobachte, stimmt mich das zuversichtlich.»

Kantone weiter im Lead

An einer Pressekonferenz des Bundesamts für Gesundheit am Freitag zeigte Anne Lévy, die neue Direktorin des BAG, besorgt über den Anstieg der Corona-Fälle und der Positivitätsrate. Die Farbe der BAG-Plakate wechselt auf orange – dies als Warnsignal. Es steckten sich auch wieder mehr Ältere an: «Die Zahlen steigen stark, schnell und schweizweit. Das beunruhigt uns. Es ist die Aufgabe von uns allen, zu verhindern, dass dieser Anstieg weitergeht.» Man befinde sich aber nach wie vor in der besonderen, nicht in der ausserordentlichen Lage. Darum seien die Kantone im Lead.

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG, sagte, die Zahl der Hospitalisationen steige in stärker betroffenen Regionen bereits an. Da Spitaleinlieferung immer verzögert erfolgten, rechne man mit einem Anstieg der Hospitalisationen.

Deine Meinung

862 Kommentare
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Verschwörer

11.10.2020, 00:55

Liebes BAG, liebe Politiker, liebe CEO's, liebe Medien. Dr. Reiner Fuellmich möchte gegen uns vorgehen. Ich bitte euch alle jetzt Ruhe zu bewahren und im geforderten Stil weiterzumachen. Besten Dank.

sam

10.10.2020, 23:13

jetzt https:// gbdeclaration. org/

Seppelpeter

10.10.2020, 23:05

Freiheit funktioniert nicht ohne Verantwortung. Nehmt sie wahr.