Olympia 2021: Ralph Stöckli erklärt die 13 Olympia-Medaillen
Publiziert

Ralph Stöckli zieht BilanzSo erklärt der Schweizer Delegations-Chef die 13 Olympia-Medaillen

Mit 13 Olympia-Medaillen kehrt die Schweizer Delegation von Tokio zurück nach Hause. Chef de Mission Ralph Stöckli zieht im Interview Bilanz und blickt bereits Richtung Paris 2024.

von
Lucas Werder
1 / 5
Ralph Stöckli ist äusserst zufrieden mit den Olympischen Spielen.

Ralph Stöckli ist äusserst zufrieden mit den Olympischen Spielen.

Urs Lindt/freshfocus
Sein grosses Highlight: Der 100-Meter-Final der Frauen mit doppelter Schweizer Beteiligung.

Sein grosses Highlight: Der 100-Meter-Final der Frauen mit doppelter Schweizer Beteiligung.

freshfocus
Frauen-Power: Zehn der 13 Schweizer Olympia-Medaillen haben Athletinnen gewonnen.

Frauen-Power: Zehn der 13 Schweizer Olympia-Medaillen haben Athletinnen gewonnen.

freshfocus

Darum gehts

  • Die Schweiz beendet die Olympische Spiele in Tokio mit 13 Medaillen (3/4/6).

  • Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic, nennt im Interview seine persönlichen Highlights.

  • Zudem erklärt er, was es in den drei Jahren bis zu den Olympischen Spielen in Paris 2024 noch zu verbessern gilt.

Ralph Stöckli, sieben Medaillen wurden als Ziel für die Olympischen Spiele herausgegeben, mit 13 ist die Schweizer Delegation aus Tokio zurückgekehrt. Wie war so etwas möglich?

Ralph Stöckli: Wir wussten schon immer, dass wir diese 13 Medaillen eigentlich in den Beinen haben. Die entsprechende Leistung am Tag X abzurufen, ist aber unglaublich schwierig. In Tokio hat das zum Glück in vielen Fällen geklappt. Allgemein ein entscheidender Faktor ist sicherlich die gute Arbeit der Verbände bei der Talentselektion. In diesem Bereich gehören wir zu den Weltmeistern.

10 der 13 Medaillen gehen auf das Konto von Frauen. Zufall?

Das glaube ich nicht. Die genauen Gründe dafür werden wir analysieren. Klar ist, die Rahmenbedingungen für weibliche Spitzensportlerinnen haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Unter anderem auch dank der Zusammenarbeit mit der Armee. Aber auch generell lässt sich sagen, dass sich die Gesellschaft verändert hat. Die Basis im Frauen-Sport ist deutlich breiter geworden.

Im 100-Meter-Final der Frauen standen mit (Mujinga Kambundji und Ajla Del Ponte gleich zwei Frauen. Historisch!

SRF

Welches ist Ihr persönliches Highlight?

Ich bekomme jetzt noch Hühnerhaut, wenn ich an den 100-Meter-Final der Frauen zurückdenke. Zwei Schweizerinnen (Mujinga Kambundji und Ajla Del Ponte) in einem Olympia-Final – so etwas war vor einigen Jahren noch undenkbar. Die beiden haben Schweizer Sportgeschichte geschrieben.

Welche Leistung hat Sie am meisten überrascht?

Die beiden Medaillen im Schwimmen. Dass wir in einer solchen Weltsportart, die von so vielen Nationen betrieben wird, mit zwei Medaillen nach Hause reisen, ist unglaublich. Bei Jérémy Desplanches wussten wir, wozu er fähig sein kann. Der Exploit von Noè Ponti war jedoch auch für uns eine Überraschung.

Und die grösste Enttäuschung aus Schweizer Sicht?

Die gab es für mich schon vor Beginn der Olympischen Spiele. Die Dopingfälle von Kariem Hussein und Alex Wilson haben mich auch persönlich sehr getroffen und mich sehr nachdenklich gestimmt.

Welche Lehren kann man aus diesen zwei Fällen ziehen?

Es wäre falsch, das jetzt einfach abzuhaken. Zwei Dopingfälle sind zwei Dopingfälle zu viel. Dass die beiden Athleten erwischt wurden, zeigt, dass unsere Kontroll-Mechanismen funktionieren. Wir müssen aber noch mehr in die Prävention investieren. Diesen Anspruch müssen wir haben.

Ponti gewann an Olympia Bronze. «Der Exploit von Noè Ponti war jedoch auch für uns eine Überraschung», so Stöckli.

RSI

Bereits in drei Jahren stehen die Spiele in Paris an. Ist diese verhältnismässig kurze Vorbereitungszeit nach dem Medaillensegen von Tokio nun Fluch oder Segen?

Es ist aus meiner Sicht kein Nachteil – aber auch kein grosser Vorteil. Schon in sechs Monaten stehen die olympischen Winterspiele in Peking an. Die kommenden drei Jahre werden uns sehr fordern. Wir haben aber genug Zeit, um uns vorzubereiten.

Muss man nach den 13 Medaillen in Tokio die Zielsetzung für Paris anpassen?

Wir haben mit den Erfolgen in Tokio die Latte hoch gesetzt. Das ist Fakt. Ein grosser Vorteil ist, dass viele Namen dabei bleiben und in Paris erneut dabei sein werden. Und wir dürfen auch den Anspruch haben, noch besser zu werden.

Gibt es noch Baustellen, die es in kommenden drei Jahren anzugehen gilt?

Die gibt es immer. In erster Linie ist es wichtig, dass wir bescheiden und selbstkritisch bleiben. Ich sehe aber auch konkretes Verbesserungspotential. Durch die Zusammenarbeit mit den Verbänden können wir noch viele Mehrwerte schaffen. Wie bereits erwähnt, in der Talentselektion sind wir top. Bei der weiteren Entwicklung und der Heranführung an die Weltspitze haben wir aber noch Potential.

Es waren pandemiebedingt sehr besondere Wettkämpfe. Gibt es Erkenntnisse, die Sie während dieser Corona-Spiele gewinnen konnten?

Wahrscheinlich hatte das schon einen Einfluss auf die Leistung unserer Athletinnen und Athleten. Es gab coronabedingt viel weniger Ablenkungen. Der Fokus konnte voll auf die Wettkämpfe gelegt werden. Trotzdem wäre es natürlich schön, wenn es 2024 in Paris wieder ein House of Switzerland geben würde.

Wie beurteilen Sie den Einfluss, wie die Schweiz mit der Corona-Pandemie umgegangen ist? Herrschte an den Olympischen Spielen Chancengleichheit?

Das ist eine sehr interessante Frage. Das werden wir in den kommenden Wochen noch genauer analysieren. Dass die Schweiz aus Sportsicht unglaublich gut mit der Pandemie umgegangen ist, war sicher kein Nachteil.

Dieses Interview wurde im Rahmen einer Medienrunde aufgezeichnet.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

2 Kommentare