Carlos Bernegger: «So etwas habe ich in 20 Jahren noch nie erlebt»
Aktualisiert

Carlos Bernegger«So etwas habe ich in 20 Jahren noch nie erlebt»

Vielleicht sollte Trainer Carlos Bernegger einen Wecker in die Kabine stellen. Sein FCL kassierte zum 5. Mal im 5. Rückrundenspiel in den ersten 10 Minuten ein Gegentor.

von
Eva Tedesco

FCL-Trainer Carlos Bernegger erlebt in St. Gallen ein Déjà-vu. (Video: 20 Minuten)

«Ich habe wohl eine masochistische Mannschaft» ärgert sich Carlos Bernegger nach seinem Déjà-vu in St. Gallen. «Offenbar brauchen wir solche Rückschläge». Anders kann sich der FCL-Trainer nicht erklären, warum seine Mannschaft bereits zum fünften Mal im fünften Rückrundenspiel in den ersten zehn Spielminuten in Rückstand gerät.

Die Innerschweizer Tiefschlaf-Orgie: Nach neun Minuten traf Shkelzen Gashi beim 1:3 gegen GC. Sieben Minuten brauchte Andreas Wittwer für seinen Treffer beim 1:2 für Thun. Alexandru Ionita benötigte nur fünf Minuten um Aarau in Luzern in Führung zu schiessen. Der FCA verlor am Ende aber 2:3. Doppelt so viel Zeit brauchte YB-Japaner Yuya Kubo beim 2:1-Sieg der Berner in der Innerschweiz. Den Turbo startete Tomislav Puljic, um den Ball hinter Goalie David Zibung zu versorgen. Der Vordermann des FCL-Keepers schaffte das Kunststück in lediglich 17 Sekunden. Das reichte den rund 15'000 Fans in der AFG Arena nicht einmal annähernd, um den kalten Schalensitz unter dem Hintern zu wärmen.

Ein katastrophaler Start

Bernegger, grundsätzlich ein redseliger Mensch, verschlug es fast die Sprache. «So etwas habe ich in zwanzig Jahren im Fussball noch nie erlebt. Man redet, man erklärt und analysiert und im nächsten Spiel passiert es wieder», sagt der 44-jährige Bernegger dann doch, als er seine Sprache wiedergefunden hat. «Puljic muss in dieser Situation nur abwehren und nicht noch versuchen, den Ball kontrollieren zu wollen. Unser Glück ist, dass die Zeitspanne immer kürzer wird, bis das Tor passiert», flüchtet sich der Gaucho in Galgenhumor, während Sportchef Alex Frei in den Katakomben nur noch ungläubig den Kopf schüttelt.

Wie der Trainer und der Sportchef finden auch die Spieler keine Erklärung für diese Blackouts. «Wir sind im Tiefschlaf gewesen, anders lässt sich das 0:1 in St. Gallen nicht erklären», sagt Adrian Winter. «Aber mittlerweile sind wir das nach dem fünften Mal ja gewohnt. Wir hatten den Anstoss, es kommt zu einem Prellball – und dann das Eigentor. Das war ein katastrophaler Start, aber zum Glück sind wir noch zum 1:1-Ausgleich gekommen.»

Erklärungsbedarf beim FCL

Yassin Mikari: «Wir müssen das abstellen. Das darf nicht passieren. Wir müssen mit der ganzen Mannschaft und dem Trainerstaff noch einmal darüber reden, denn irgendetwas ist da, das nicht gut ist.» Braucht die Mannschaft einen riesigen Wecker? «Ich glaube nicht, dass es das braucht. Man sieht einfach, wenn ein oder zwei Spieler beim Anpfiff nicht bereit sind, entstehen solche Situation, und umso wichtiger ist, dass eine Elf auf dem Platz steht, die von Anfang an bereit ist.»

Wie schon gegen YB standen auch gegen St. Gallen gravierende und unzählige Fehlpässe aus der eigenen Zone am Anfang der drohenden Niederlage. Zwar war der Wille bei den Luzernern erkennbar, aber die Mannschaft von Bernegger konnte seine spielerische Ratlosigkeit nicht kaschieren. Es dauerte bis zur 89. Minute und es brauchte einen Elfmeter, um den Ausgleich doch noch zu schaffen. Dimitar Rangelov traf mit dem siebten Penalty der Saison (fünf wurden verwertet) für die Zentralschweizer zum späten 1:1-Ausgleich.

Nicht kaschieren kann der FCL auch, dass der von Bernegger und Frei angestrebte Umbruch nicht nur nötig ist, sondern wohl auch schneller kommen muss als geplant. Es fehlt ein Leader. Es fehlt ein kreativer Kopf, es fehlt an allen Ecken und Enden. Und wie viel Sinn macht es, mit Spielern (Puljic, Stahel) die Saison zu Ende zu spielen, denen man bereits eröffnet hat, dass sie den Klub verlassen müssen – auch wenn es auf Wunsch der Spieler so früh geschah? «Sie haben bis Sommer Vertrag und bekommen jeden Monat ihren Lohn vom FCL. Zudem entscheide ich über die Aufstellung auch nach den Trainingsleistungen unter der Woche und deshalb habe ich mich so entschieden», sagt Bernegger loyal, obwohl auch der Trainer nicht glücklich mit der Situation scheint.

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