Güllen-Gestank in St. Gallen: «So etwas habe ich noch nie erlebt»
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Güllen-Gestank in St. Gallen«So etwas habe ich noch nie erlebt»

In St. Gallen wird derzeit auf dem Burgweiher-Areal Gülle ausgefahren. Für einige Anwohner ist der Gestank kaum zu ertragen. Die Stadt relativiert.

von
Leo Butie
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Beim Burgweiher-Areal in St. Gallen wird derzeit Gülle verteilt.

Beim Burgweiher-Areal in St. Gallen wird derzeit Gülle verteilt.

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Einigen Anwohnern stinkt das gewaltig. 

Einigen Anwohnern stinkt das gewaltig.

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«So etwas habe ich noch nie erlebt», schreibt ein Anwohner im Stadtmelder St. Gallen. 

«So etwas habe ich noch nie erlebt», schreibt ein Anwohner im Stadtmelder St. Gallen.

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Darum gehts

  • Beim Burgweiher-Areal in St. Gallen wird momentan Gülle ausgebracht.

  • Gemäss einigen Anwohnern ist es in diesem Jahr besonders schlimm.

  • Dass Gülle eine gewisse Geruchsbildung aufweist, sei unvermeidbar, sagt die Stadt.

  • Es werde nur einmal im Jahr dort Gülle verteilt, so der zuständige Bauer.

Mancherorts wird derzeit Gülle auf den Wiesen verteilt. So auch beim Burgweiher-Areal, das sich in einem dicht besiedelten Gebiet der Stadt St. Gallen befindet. Gewissen Anwohnern stinkt die Sache gewaltig. Bereits wurde im Stadtmelder St. Gallen reklamiert. Dieses Jahr sei es besonders schlimm. «So etwas habe ich noch nie erlebt», heisst es. Der enorme Gestank ziehe durch die ganze Wohnung. «Pandemiebedingt kann ich leider tagsüber auch nicht ins Büro ausweichen», heisst es weiter. Zudem fragt sich die Person, ob das massive Güllen des Areals überhaupt Sinn mache.

Auch andere Anwohnende berichten, dass es derzeit oft nach Gülle stinkt. «Hier treffen Stadt und Land aufeinander», meint einer. Eine andere Anwohnerin sagt: «Es stimmt, der Bauer hat wahnsinnig viel Gülle herausgelassen». Doch für diese Wohnlage nehme sie es sehr gerne in Kauf. «Wenn man so schön wohnen darf, dann ist das nicht so schlimm.»

Geruch kann nicht verhindert werden

Bei der Stadt heisst es auf Anfrage, dass die Landwirte immer wieder mit solchen Rückmeldungen konfrontiert werden. «Beim Burgweiherareal handelt es sich um eine Grünfläche, die wie in der Vergangenheit in Teilbereichen landwirtschaftlich durch einen Pächter genutzt und bewirtschaftet wird», sagt Jürg Thurnheer von Stadtgrün St. Gallen. Die Mähwiesen könnten auch unter den entsprechenden Bedingungen mit Gülle gedüngt werden. «Dass bei bestimmten Wetterlagen die Gülle eine gewisse Geruchsbildung aufweist, ist normal und kann nicht verhindert werden», so Thurnheer. Leichter Regen würde dies umgehend entschärfen.

Dass in diesem Jahr mehr oder intensiver gegüllt wird, kann der Bauernverband St. Gallen nicht bestätigen. «Es wird dieses Jahr nicht mehr gedüngt, als in anderen Jahren», sagt Geschäftsführer Andreas Widmer. Auch sei die Wahrnehmung des Güllegeruchs sehr subjektiv. «Es kann sein, dass es wegen der Homeoffice-Pflicht mehr Menschen auffällt, als in anderen Jahren», erklärt sich Widmer die Beschwerden. Aber auch die trockene Witterung habe Auswirkung auf die Geruchsentwicklung.

Es sei aber so, dass die Gülle, die über den Winter angelagert wurde, eine andere Konsistenz aufweise. «Die Gülle im Frühling hat mehr Feststoffe und ist weniger verdünnt als im Sommer. Deswegen wird sie weniger schnell vom Boden absorbiert», so Widmer. Deshalb rieche es wohl länger. Das Düngen gehöre zum Nährstoffkreislauf und sei deshalb wichtig für die Bodenfruchtbarkeit. Man erhalte zwar immer wieder Anrufe von verärgerten Personen, doch die Probleme liessen sich oft im Gespräch klären.

Nur einmal im Jahr

Der zuständige Bauer, der das Land beim Burgweiher pachtet, hat Verständnis für die Beschwerden. «Das Feld liegt schon an einer sehr zentralen Lage», sagt der Bauer, der nicht namentlich genannt werden möchte. Da der Boden für ihn auch Ertrag abwerfen müsse, müsse er auf eine sinnvolle Verteilung der Gülle achten. Auf dem Burgweiher-Areal werde aber nur einmal im Jahr gedüngt.

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Mieterverband, Tel. 0900 900800 (kostenpflichtig)

Mieterschutzverband, Tel. 0900 48 48 48 (kostenpflichtig)

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