Geologe zum Felssturz: «So etwas habe ich noch nie gesehen»
Aktualisiert

Geologe zum Felssturz«So etwas habe ich noch nie gesehen»

Rund 5000 Kubikmeter Fels brachen in Wolhusen am Montag ab. Laut einem Geologen sei der Abbruch wie ein Meteoriteneinschlag gewesen. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gang.

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ann/gwa

Gegen halb vier Uhr morgens ist in Wolhusen auf der Höhe des Kieswerks der Imbach AG ein Stück überhängender Fels abgebrochen. «Ich hörte mitten in der Nacht lautes Gerumpel, es war wie ein Erdbeben», sagt eine Dorfbewohnerin. «Es liegen riesige Brocken im Fluss.» Der aufgebotene Geologe Klaus Louis sagte, es seien rund 5000 Kubikmeter Gestein abgestürzt. Der Fels schlug in eine Kiesbank ein. Die Wirkung war wie bei einem Meteoriten: «Dadurch wurden Steine und Bäume bis zu 200 Meter weit geschleudert», sagte er an der Pressekonferenz am Montagnachmittag. «So etwas habe ich noch nie gesehen», so der Geologe.

Das Flussbett wurde auf einer Länge von rund 50 Metern und einer Breite von 25 Metern knapp fünf Meter hoch mit Gestein gefüllt. Die Massen haben die Kleine Emme gestaut: «Der Querschnitt wurde massiv verengt. Nur noch etwa zehn bis 20 Prozent des Wassers konnte durch das Flussbett fliessen», sagte Louis. Das Wasser hatte sich darauf einen anderen Weg gesucht und floss auf der Hauptstrasse durchs Dorf. Die Feuerwehr errichtete einen Erdwall, damit das Wasser weiter flussabwärts wieder ins Bachbett zurückfliessen konnte.

Wolhusen

Sturz nicht durch aussergewöhliches Ereignis ausgelöst

Mittlerweile konnte das Flussbett zum Teil wieder ausgebaggert werden und das Wasser fliesst mehrheitlich wieder im alten Bett. Die grossen Brocken sollen am Nachmittag mit einer Sprengung beseitigt werden. Der Hang wird beobachtet, der Geologe geht jedoch nicht davon aus, dass sich noch weitere Felsmassen lösen. Ein aussergewöhnliches Ereignis, das den Felssturz ausgelöste, habe es nicht gegeben. Der Molassefels sei einfach zum Absturz bereit gewesen.

Der Sachschaden beträgt mutmasslich mehrere Millionen Franken. Es wurden zahlreiche Autos zerstört und Gebäude und eine Unterführung unter Wasser gesetzt. Dabei ist auch Öl ausgelaufen. Wie viel ist noch unklar: «Zuerst muss das Wasser aus den Kellern gepumpt werden», sagte der Einsatzleiter Beat Zihlmann von der Feuerwehr Wolhusen.

Trafostation unter Wasser

Das Wasser hat auch eine Trafostation im Sandmätteli unter Wasser gesetzt. Dies teilten die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) mit. In der Folge fielen die betroffene und zwei weitere Trafostationen aus. Die Pikettgruppe werde trotz erschwertem Zugang die anderen Trafostationen in Emsern via Notstromaggregat mit elektrischer Energie versorgen, so die CWK.

Rund 20 Personen mussten wegen der Wassermassen evakuiert werden. Sie konnten noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Für die Kinder fiel die Schule aus. Aufgrund der Überschwemmung ist auch die Strasse nach Entlebuch in beiden Richtungen gesperrt. Der Postauto-Betrieb zwischen Wolhusen und Doppleschwand ist entsprechend eingeschränkt. Der Bahnbetrieb ist nicht eingeschränkt.

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