Abgrenzung: So fällt es dir leichter, Nein zu sagen
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AbgrenzungSo fällt es dir leichter, Nein zu sagen

Dauernd Ja zu sagen, raubt viel Energie. Dabei ist es nie zu spät, zu lernen, wie man Dinge ablehnt.

von
Johanna Senn

Nach einem langen Arbeitstag fragt dich dein Kollege, ob du danach noch mit ihm für eine Weile auf Zoom abhängst. Eigentlich hast du gar keine Lust dazu. Eigentlich möchtest du «Nein» sagen. Stattdessen kommt aus deinem Mund ein «Ja, klar!».

Wenn du jemand bist, dem oder der es total schwer fällt, anderen auch einmal «Nein» zu sagen, kann es sein, dass die Gründe dafür in der Kindheit liegen. «Es gibt viele Menschen, die sich schwer damit tun, Grenzen zu ziehen und Nein zu sagen. Die Gründe für dieses Verhalten liegen oft lange zurück», sagt die psychologische Beraterin und Supervisorin Sandra Gabriele im Interview mit dem Magazin «Wienerin».

Nein sagen kann man lernen

So lerne das Kind in der Trotzphase «Nein», zu sagen. Wenn es aber die Erfahrung mache, dass es Ärger gibt, wenn es das tut, könne es passieren, dass es kein autonomes Ich entwickle. Vielleicht macht das Kind aber auch die Erfahrung, dass es nur wahrgenommen wird, wenn es was für andere tut. Laut der Expertin kann es daraufhin sein, dass es auch als erwachsene Person schwerfällt «Nein» zu sagen – aus Angst, nicht geliebt oder negativ wahrgenommen zu werden.

Aber es ist nicht zu spät, das Nein sagen doch noch zu lernen. «Als ersten Schritt empfehle ich, herauszufinden, warum und wann aus einem gewollten Nein ein gesagtes Ja wird», sagt Sandra Gabriele. Danach helfen dir folgende drei Tipps:

1. Schinde Zeit

Sagst du etwa immer dann Ja, wenn du in einer Situation zur Zusage überrumpelt wirst, kann es helfen, wenn du dir Bedenkzeit verschaffst. So kannst du bei einer Einladung statt mit einem sofortigen «Ja klar» mit einem «Ich muss es mir noch überlegen», antworten. So hast du genügend Zeit, darüber nachzudenken, ob du etwas wirklich tun magst und ob du auch Zeit dafür hast.

Wenn nach einer Bedenkzeit ein Nein folgt, braucht das zwar ein bisschen Überwindung. Aber vermutlich wirst du merken, dass ein Nein nicht gleich das Ende einer Beziehung bedeutet.

Die Gründe, dass es Menschen schwer fällt, Nein zu sagen, liegen oft in der Kindheit

Die Gründe, dass es Menschen schwer fällt, Nein zu sagen, liegen oft in der Kindheit

2. Lass die Ausreden

Manche sind versucht, statt einer Absage lieber eine Notlüge aufzutischen oder sich in Erklärungen zu verheddern. So liefern wir dem Gegenüber die perfekte Vorlage, uns doch noch zu überreden. Wer ausdrücken möchte, dass er oder sie den Wunsch des Gegenübers respektiert, kann sein Mitgefühl mit Es tut mir leid ausdrücken. Das impliziert Anteilnahme statt Schuld. «Trotzdem ist klar: Wir tragen nicht die Verantwortung für andere, und an dieser Tatsache gibt es eben nichts zu entschuldigen», sagt Sandra Gabriele.

3. Sag «Ja, aber…»

Solltest du dich trotzdem in einer Situation finden, in der ein Nein nicht möglich ist, etwa aufgrund der Hierarchie im Job, so empfiehlt die Supervisorin ein Teil-Ja: «Das bedeutet, dass man nicht konfrontativ: ‹Nein, so sicher nicht! sagt, sondern seine Zusage an Bedingungen knüpft. Ich mache dies oder jenes, wenn ich mehr Unterstützung, mehr Zeit, mehr Geld et cetera bekomme.»

Zu guter Letzt kann auch eine gute Körperhaltung dabei helfen, zu verneinen. Und was sowieso immer hilft, ist üben, üben, üben.

Was sagst du, wenn du keine Lust auf etwas hast? Kennst du weitere Tipps, damit man sich besser abgrenzen kannst? Teile sie in den Kommentaren mit uns.

Deine Meinung

28 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Odina

07.02.2021, 20:04

Wer immer Nein sagt wird vergessen.

1Ben

07.02.2021, 20:02

Ich sage nie Nein, ich habe immer eine faule Ausrede parat.

Ex

07.02.2021, 19:53

Ich habe vor dem Altar auch Nein gesagt. Jetzt habe ich den Salat.