Fakes for Likes: So färben wir unser Leben für Facebook schön
Aktualisiert

Fakes for LikesSo färben wir unser Leben für Facebook schön

Der eindrückliche Kurzfilm «What's on your mind?» zeigt, wie in Beiträgen auf Facebook gelogen und übertrieben wird. Das kann bizarre Züge annehmen.

von
sts

Bilder von kunstvoll verzierten Cupcakes, Laufzeiten vom letzten Marathon, in einem exotischen Land gepostete Statusmeldungen und Fotos aus dem romantischen Pärchenurlaub: Auf Social Media stellen die meisten Nutzer ihr Leben anders dar, als es in Wirklichkeit ist. So lässt man den Partner so lange neben sich vor der Handykamera posen, bis doch noch ein Selfie mit verliebtem Blick entsteht, und die fixfertigen Frühlingsrollen von Lidl erhalten kurzerhand die Hashtags #asianfood #delicious #kochen #scharf.

Diese verherrlichende Darstellung schlägt vielen Usern mächtig auf die Stimmung. Wie eine Befragung der Humboldt-Universität Berlin und der Technischen Universität Darmstadt im Januar 2013 zeigte, fühlt sich über ein Drittel der Nutzer beim Surfen auf Facebook schlecht. «Posten Freunde die ganze Zeit Ferienfotos und erhalten mehr Likes oder Geburtstagsglückwünsche, kann dies beim Nutzer zu Neid und als Folge zu Unzufriedenheit führen», sagte Studienautorin Hanna Krasnova. Der Unzufriedene versuche dann nicht selten, mit noch schöneren Strandbildern und positiven Posts aufzutrumpfen, was schliesslich in einer Neidspirale ende.

Abenteuer, gutes Essen und grosse Liebe

Genau dieses Phänomen thematisiert der Kurzfilm «What's on your mind?». Der Protagonist Scott Thomson entdeckt in seinem Facebook-Newsfeed ausschliesslich positive Meldungen. Gestählte Körper am Strand, sportliche Abenteurer in den Bergen und Gourmets in Fünf-Sterne-Restaurants. Resigniert fällt Thomsons Blick nach dem Betrachten eines Fotos von einem attraktiven Paar auf seine Freundin, die in einiger Entfernung vor dem Fernseher sitzt und kommentarlos Chips in sich hineinstopft.

Schliesslich beginnt der junge Mann ebenfalls damit, sich auf dem sozialen Netzwerk spannender zu machen. Nach einer Präsentation im Büro, bei der keiner der Kollegen zugehört hat, veröffentlicht er den Status «Die Präsentation lief super!» und erhält dafür 13 Likes. Als er ein Bild von sich nach einem angeblichen 20-Kilometer-Lauf postet, drücken 27 seiner Facebook-Freunde «Gefällt mir». Diese falsche Selbstdarstellung nimmt immer extremere Züge an und die Anzahl Likes steigt permanent an. Dies geht so weit, dass Thomson Freundin und Job verliert und zugeben muss: «Mein Leben ist scheisse.»

Deine Meinung