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So feiern unsere Nachbarn

Vom russischen Ded Moros bis zum holländischen Sinterklaas: Die Weihnachtsbräuche in Europa sind erstaunlich vielfältig.

«Merry Christmas» und «God Save the Queen»

An Heiligabend («Christmas Eve») bringt der Weihnachtsmann «Father Christmas« in Grossbritannien die Geschenke und legt sie unter den Weihnachtsbaum. Am Weihnachtstag («Christmas Day») kommen dann die Familie und Freunde zu einem traditionellen Weihnachtsmahl zusammen.

Am Nachmittag verfolgen auch heute noch viele Briten die jährliche Weihnachtsansprache der Queen. Am 26. Dezember wird weiter gefeiert: Der «Boxing Day» ist eine Erweiterung des Weihnachtsfests, hat aber historische und religiöse Wurzeln im Fest des Heiligen Stephan.

In Schweden leuchtet die heilige Lucia

Während der schwedischen Weihnachtszeit wird am 13. Dezember noch vor Weihnachten das Fest der heiligen Lucia gross gefeiert. Da dieser Tag in Schweden bis 1699 auf die Wintersonnenwende fiel, steht das Luciafest in der Tradition der Sonnenwendfeierlichkeiten.

Mädchen tragen weisse Gewänder und Kerzen, gegessen wird das traditionelle Safrangebäck «Lussekatter» und dazu singt man Lucialieder. Jedes Dorf, jede Stadt wählt jeweils die eigene Lucia. Auch in der Familie selbst wird jeweils ein Mädchen, traditionell die älteste Tochter, zur Lucia gekürt. Sie trägt ein weisses Gewand, ein rotes Band um die Taille und einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf.

Der Weihnachtsmann bringt wie in anderen nordischen Ländern die Geschenke an Heiligabend, weshalb der 24. Dezember als Weihnachten bezeichnet wird.

«Père Noël» füllt Kinderschuhe

Der französische Weihnachtsmann, «Père Noël», trägt seine Geschenke nicht in einem Sack, sondern in einer «Hotte» (Korb) auf dem Rücken, ähnlich wie bei der Weinlese. Die Kinder müssen ihre Schuhe vor die Tür stellen; diese werden dann mit Geschenken und Süssigkeiten gefüllt.

Im Elsass und in Lothringen kommt am 6. Dezember der Nikolaus in Begleitung seines schwarzgekleideten Helfers, des Père Fouettard.

«Oh Tannenbaum ...»

In Deutschland hat sich die familiäre Weihnachtsfeier mit Bescherung und Festessen mehr und mehr auf den Abend oder schon den Nachmittag des 24. Dezember vorverlagert, im Gegensatz zu den englischsprachigen Ländern, wo die Geschenke erst am Weihnachtstag verteilt werden.

Der Heilige Abend wird als besinnliches Fest, traditionell im engsten Familienkreis, gefeiert. Zuerst folgt der Gottesdienstbesuch, danach die Bescherung unter dem Weihnachtsbaum. Kinder schreiben in der Vorweihnachtszeit «Wunschzettel an das Christkind».

Den ursprünglichsten Weihnachtsbrauch stellt die Tradition des Krippenspiels dar, in dem die Weihnachtsgeschichte anschaulich nachgestaltet wird. Während der Feiertage wird grundsätzlich viel gesungen und musiziert. Mittelpunkt der familiären Weihnachtsfeier in Deutschland ist der Weihnachtsbaum oder in manchen katholischen Familien die Krippe. Um sie versammeln sich die Familienmitglieder am Weihnachtsabend und gedenken der Geburt Christi.

Buon Natale

In einigen Teilen Italiens werden die Weihnachtsgeschenke durch «Gesù bambino», das Christkind, an Heiligabend gebracht, in anderen erst durch eine alte Witwe, die «Befana», am 6. Januar, dem Dreikönigstag. Doch «Babbo Natale», eine Version des Weihnachtsmanns, ist in letzter Zeit als Geschenkeüberbringer immer beliebter geworden. Auch die traditionelle Weihnachtskrippe, die in keinem italienischen Wohnzimmer fehlen darf, bekommt immer stärker Konkurrenz vom Weihnachtsbaum.

In Russland kommt «Väterchen Frost»

«Väterchen Frost» («Ded Moros»), ursprünglich die Verkörperung des Winters, ist äusserlich unserem Weihnachtsmann sehr ähnlich. Entstanden ist er Anfang des 20. Jahrhundert als Geschenke bringende Figur mit dem Jolkafest, um als atheistische Version das alte russisch-orthodoxe Weihnachtsfest am 6. bzw. 7. Januar zu ersetzen. Nach der heute verbreiteten Vorstellung hat er einen langen, weissen Bart und führt ein magisches Zepter, dessen Spitze alles, was sie berührt, gefrieren lässt. Er wohnt tief in der Taiga, ist sehr naturverbunden, fährt einen von drei Schimmeln oder Rentieren gezogenen Schlitten – die Troika – und trägt einen eisgrauen, bläulichen Pelzmantel.

Doch anders als bei uns bringt «Väterchen Frost» den Kindern erst am 31. Dezember die Geschenke. Dabei wird er immer von einem kleinen Mädchen, seiner Enkelin Snegurotschka («Schneeflöckchen») begleitet.

Caspar, Melchior und Balthasar

In Spanien sind es traditionell die Heiligen Drei Könige, die den Kindern am 6. Januar an Stelle des Weihnachtsmanns oder des Christkinds Weihnachtsgeschenke bringen, wobei die unartigen Kinder statt Geschenken nur Kohlestücke bekommen. In vielen spanischen Städten wird die Ankunft der Drei Könige mit einem festlichen Umzug am 5. Januar gefeiert. Die drei Könige kommen nicht selten auf Kamelen angeritten. Die Kinder müssen am Vortag ihrer Ankunft Wasser und Brot vor die Tür stellen.

In Spanien werden traditionell keine Weihnachtsbäume aufgestellt, sondern die Wohnungen lediglich mit Weihnachtskrippen geschmückt. In den Strassen hängen Lichterketten mit Glückwünschen oder Sterndekorationen zwischen den Häuserzügen.

Doch auch hier wird der Weihnachtsmann samt Weihnachtsbaum immer populärer. Ein Grund für die Beschenkung durch den Weihnachtsmann am 24. Dezember ist auch, dass spanische Schulkinder ihre Geschenke dadurch zu Beginn der Ferien erhalten und Zeit zum Spielen haben.

«Horch ich komm von Spanien her...»

Der «Sinterklaasavond» (Nikolausabend) hat in den Niederlanden eine grössere Bedeutung als Weihnachten selbst, obwohl die Holländer in den letzten Jahren begonnen haben, auch den Weihnachtsabend mit dem Weihnachtsmann als Geschenkeüberbringer zu feiern. Dies löst jedes Jahr eine kleine Kontroverse darüber aus, ab wann es angemessen ist, Weihnachten zu feiern. Ladenbesitzer beginnen mit der lukrativen Weihnachtszeit gleich nach dem Nikolaustag, während andere befürchten, dass die kommerziellen Weihnachten die traditionellen Nikolausfeiern zu sehr beeinträchtigen.

Der holländische «Sinterklaas« wird wie der deutsche Nikolaus von einem Helfer namens «Zwarte Piet» (Schwarzer Peter) begleitet. Man sagt von ihm, dass er das Jahr über in Spanien lebt und Mitte November mit einem Dampfschiff in den Niederlanden eintrifft, was in vielen Küstenorten jeweils nachgespielt wird. Holländische Kinder lassen ihre Schuhe vor dem Nikolausabend draussen, um sie am Morgen mit Süssigkeiten gefüllt zu finden. Dementsprechend ist der 5. Dezember in den Niederlanden der eigentliche Geschenktag, während der 25. Dezember mehr ein religiöses Ereignis ist.

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